Abonnenten-Login Serviceangebote der Berliner Morgenpost Specials der Berliner Morgenpost
19.10.09

Lebensmittelsicherheit

Viele Döner-Buden nehmen Hygiene nicht so ernst

Wie sicher sind Lebensmittel in Deutschland wirklich? Jetzt gibt es aktuelle Daten. Gerade Fleischprodukte sind immer noch mit Mängeln behaftet. Vor allem mit der Hygiene nehmen es die Betriebe oft nicht so ernst. In jeder dritten Geflügeldöner-Bude gibt es Probleme bei Reinigung und Desinfektion.

Spätestens seit den immer wiederkehrenden Gammelfleischskandalen sind die Verbraucher beunruhigt: Wie sicher sind die Lebensmittel in Deutschland wirklich? Auf diese Frage antwortete das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) jetzt mit aktuellen Daten zur Lebensmittelkontrolle. Danach weisen gerade Fleischprodukte immer noch erhebliche Mängel auf. Vor allem mit der Hygiene nehmen es die Betriebe oft nicht so ernst.

"Die Veranwortung für sichere Lebensmittel aber liegt in den Betreibern", sagte BVL-Präsident Helmut Tschiersky-Schöneburg bei der Vorstellung des Jahresberichts 2008 zur Lebensmittelüberwachung in Berlin. So wurde von 875 kontrollierten Geflügeldöner-Buden jede dritte wegen Mängeln bei Reinigung und Desinfektion beanstandet. In 30 Prozent der Betriebe war zudem das Personal schlecht geschult. Und auch bei der Herstellung der Dönerspieße fehlte es bei jedem fünften Betrieb an der notwendigen Sauberkeit.

Die staatlichen Kontrolleure hatten im vergangenen Jahr fast jeden zweiten der rund 1,2 Millionen Lebensmittelbetriebe in Deutschland überprüft. Bei 130.000 der 540.000 kontrollierten Unternehmen wurden Verstöße vor allem gegen die Hygienevorschriften festgestellt. Besonders in kleineren Betrieben fehlt es oft an dem notwendigen Personal, um die strengen Auflagen zum Hygienemanagement einzuhalten und die verlangten Dokumentationspflichten zu erfüllen.

Bundesweit nahmen die Kontrolleure zudem rund 400.000 Lebensmittelproben, von denen 55.000 bemängelt wurden. Das ist mit 13,6 Prozent der niedrigste Wert seit Jahren und aus Sicht des BVL eine "sehr gute Botschaft", da sich die Kontrollen auf Betriebe konzentrieren, bei denen die Wahrscheinlichkeit von Verstößen besonders groß ist. Am häufigsten wurden Fleisch, Wild und Geflügel beanstandet (19,2 Prozent), gefolgt von alkoholischen Getränken außer Wein (18,8 Prozent) sowie Eiern und Eiprodukten (18,2 Prozent).

Häufigster Anlass für Beanstandungen waren die sogenannte Mogelpackungen und irreführende Kennzeichnungen. Als Beispiel nannte der BVL-Bericht Vanilleeis, das durch seine Verpackung den Eindruck erweckt, es wäre mit echter Vanille hergestellt worden. In 110 von 290 untersuchten Eisproben wurde jedoch nachgewiesen, dass tatsächlich ein künstliches oder naturidentisches Vanillin verwendet wurde. Zuletzt hatte Käseimitat, der sogenannte Analogkäse, für Schlagzeilen gesorgt. Diese Form der Irreführung werde auch in Zukunft ein Problem sein, sagte Tschiersky-Schöneburg.

Im vergangenen Jahr noch hatte das BVL vor Pestizid-Rückständen in Obst und Gemüse gewarnt. Mit Sorge hatten die Experten beobachtet, dass in den untersuchten Proben immer häufiger bis zu fünf und mehr verschiedene Wirkstoffe nachgewiesen werden konnten. Jede einzelne Substanz lag zwar unter dem zulässigen Grenzwert, und das jeweilige Produkt war damit ganz legal auf dem Markt. Das BVL wies jedoch darauf hin, dass die möglichen Wechselwirkungen eines solchen Pestizid-Cocktails noch kaum erforscht sein.

In diesem Jahr konzentrierte sich das BVL mit seinen Untersuchungen unter anderem auf Schimmelpilz-Gifte. Bei sieben Prozent der untersuchten Reisproben habe es problematische Befunde gegeben, hieß es in dem Bericht. Auch bei Lakritz und Schokolade seien teilweise hohe Werte gemessen worden. Die Belastung mit Pestizid-Rückständen betreffe 75 bis 90 Prozent der Proben von Birnen, roten Johannisbeere, Stachelbeeren sowie Mandarinen und Rooibostee. Bei Kartoffeln, Spinat, Zwiebeln, Apfelsaft, Schokolade und Olivenöl gab es in drei von vier Proben keine messbaren Pestizid-Rückstände.

Allerdings hat erst gestern das baden-württembergische Verbraucherschutzministerium erneut vor dem Verzehr von Birnen aus der Türkei gewarnt. In den Früchten sei das Pflanzenschutzmittel Amitraz in einer gefährlichen Konzentration nachgewiesen worden. Der Einsatz von Amitraz sei in Deutschland schon seit einigen Jahren, in der Europäischen Union seit Anfang 2008 verboten, hieß es.

Mit Blick auf den aktuellen Bericht zur Lebensmittelüberwachung empfahl Tschiersky-Schöneburg, sich möglichst ausgewogen und abwechslungsreich zu ernähren. Insgesamt enthielten Bio-Produkte weniger Pestizidrückstände und Schadstoffe als konventionell angebautes Obst und Gemüse.

Leser-Kommentare
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
EU-Gericht: Lindts Goldhase ist keine Marke
Bitteres Hasen-Urteil

Lindt-Goldhasen bekommen keinen EU-weiten Markenschutz.

Video Nachrichten mehr
Mitte Polizei sucht mit Bildern nach Angreifer vom Alex
Atemnot Elton John sagt Vegas-Konzerte ab
Spitzentreffen Immer noch keine Einigung zum Fiskalpakt
Nasa-Satellit SDO Spektakuläre Aufnahmen der Sonne veröffentlicht
 
PromoTeaser_img.jpg
Urlaub an der See

Aktuelle Reisetipps für Ihren nächsten Deutschlandurlaub.mehr

Sommerkoll-klein.png
Sommer Trends

Lindner - Das sind die Sommer Trends 2012!mehr

bio10_onsite-teaser.jpg
Netzwerker

Für eine moderne Energieversorgung in Berlinmehr

 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Kaufberatung

Günstige Digitalkameras unter 150 Euro im Test

Habgier

Deutscher wegen Lego-Diebstahls vor US-Gericht

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote