Deutschlandtrend
Bürger hätten am liebsten Guttenberg in Regierung
Die neue Regierung kommt – und dann? An tiefgreifende Veränderungen glauben die Bürger laut neuem Deutschlandtrend nicht. Doch viele Erwartungen haben sie schon, etwa zur Bewältigung der Wirtschaftskrise. Zugleich sehen sie bei Schwarz-Gelb wenig Engagement für die soziale Gerechtigkeit.
Von Daniel Friedrich Sturm
Die Mehrheit der Deutschen erwartet von einer künftigen Bundesregierung aus Union und FDP "keine wesentlichen Änderungen". Das sagen 54 Prozent der im neuen Deutschland-Trend des Meinungsforschungsinstituts Infratest Dimap für die ARD-"Tagesthemen" und Morgenpost Online befragten Bürger. Jeweils ein gutes Fünftel aber hat andere Erwartungen. So hoffen 22 Prozent der Deutschen, es werde unter einer schwarz-gelben Koalition "gerechter zugehen". Das Gegenteil befürchten 21 Prozent.
Die Erwartungen an die neue Regierung sind indes hoch. Die Mehrheit der Bürger ist der Ansicht, die konservativ-liberale Koalition sei die richtige Regierung, um für neues Wirtschaftswachstum zu sorgen (68 Prozent, siehe Grafik), die Folgen der Wirtschaftskrise zu bewältigen (58 Prozent) und für bessere Bildungschancen zu sorgen (57 Prozent). Erwartet wird daneben eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Kindererziehung (52 Prozent) und ein besseres Schulsystem (50 Prozent).
Auf anderen politischen Feldern aber gibt es durchaus große Zweifel an der künftigen Koalition. So sagen 55 Prozent der Bürger, CDU/CSU und FDP seien nicht die richtige Regierung, um für angemessene Löhne zu sorgen. An dem Engagement für soziale Gerechtigkeit zweifeln 53 Prozent, am Einsatz für die Integration von Einwanderern 51 Prozent.
Die überwiegende Mehrheit erwartet von CDU und FDP eine harmonische Zusammenarbeit – daneben aber prognostizieren die Bürger ein knirschendes Verhältnis zwischen der CSU und den Liberalen. Mehr als zwei Drittel (70 Prozent) der Befragten geben an, CDU und FDP "passten gut zusammen". Nur 23 Prozent beobachten das Gegenteil.
Als heikel wird dagegen das Verhältnis von Horst Seehofers Christsozialen und den Liberalen unter Guido Westerwelle betrachtet. 51 Prozent sagen, diese Parteien passten "nicht gut zusammen" – nur 38 Prozent glauben das Gegenteil.
Am liebsten sähen die Deutschen Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), Familienministerin Ursula von der Leyen (CDU) und den FDP-Vorsitzenden Westerwelle im Zweiten Kabinett Merkel. Mehr als zwei von drei Bürgern wollen sie als Minister sehen. Guttenberg liegt in dieser Liste mit 75 Prozent an der Spitze, gefolgt von von der Leyen (68 Prozent) und Westerwelle (67 Prozent). Als weiterer Favorit für eine neue Amtszeit gilt Wolfgang Schäuble (CDU), der aber stark polarisiert. 52 Prozent der Befragten sagen, Schäuble solle wieder Minister werden – 44 Prozent wollen das nicht.
Auf überwiegende Zustimmung können sich Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU, 43 Prozent) und Bildungsministerin Annette Schavan (CDU, 41 Prozent) stützen. Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP), die als Justizministerin gehandelt wird, weht Gegenwind ins Gesicht. Zwar wünschen sich 41 Prozent der Bürger sie als Ministerin, 42 Prozent aber lehnen sie ab. Den größten Widerstand verzeichnet Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU). 38 Prozent sagen, Koch sollte Minister werden; 52 Prozent lehnen das ab.
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