Vergangenheitsbewältigung
Ex-KZ-Stadt Dachau knüpft Freundschaft mit Israel
Dachau hat in Israel bis heute einen schrecklichen Klang. Im Konzentrationslager vor den Toren der Stadt ermordeten die Nazis mehr als 43.000 Menschen. Die meisten waren Juden. Jetzt hat Dachau eine Städtefreundschaft mit Rosh-HaAyin in Israel geknüpft – als erste ehemalige KZ-Stätte.
Von Peter Issig
Die Suche gestaltete sich mühsam. Dachau hat in Israel, wo 200.000 Überlebende des Holocaust leben, noch immer einen schrecklichen Klang: In der Kreisstadt vor den Toren Münchens bauten die Nazis im März 1933 das erste Konzentrationslager, bis zur Befreiung durch die amerikanischen Truppen im April 1945 wurden hier mehr als 43.000 Menschen ermordet, die meisten waren Juden.
Jetzt ist es Peter Bürgel, dem Oberbürgermeister von Dachau, nach fast zweijähriger Suche gelungen, einen Amtskollegen in Israel zu finden, der sich auf eine Geste der Versöhnung einlässt. Am Mittwoch stellten die Dachauer Kommunalpolitiker die Weichen für eine Städtepartnerschaft mit Rosh-HaAyin, einer Stadt rund 20 Kilometer östlich von Tel Aviv.
"Dachau ist ein Synonym für die Verbrechen der Nationalsozialisten. Eine Städtefreundschaft zwischen einer israelischen Stadt und Dachau ist in gewisser Weise eine ausgestreckte Hand für die Zukunft", sagt Oberbürgermeister Bürgel.
Sein Bürgermeister-Kollege Moshe Sinai hat "die ausgestreckte Hand aus Dachau ergriffen, um im gemeinsamen Erinnern und Lernen etwas zu gestalten", wie er sagt. Der 52-jährige Sinai ist in Israel geboren, seine Eltern stammen aus Polen und Rumänien. Sinai wurde erst kürzlich als Bürgermeister wiedergewählt. Er hatte Dachau und die KZ-Gedenkstätte erst im Juli für drei Tage besucht und dort Gespräche über eine Partnerschaft zwischen den Städten geführt.
Die Stadt Rosh-HaAyin hat knapp 40.000 Einwohner. Sie wurde 1950 auf dem Gelände eines britischen Militärlagers errichtet. Vor allem jemenitische Juden leben hier – Nachkommen der Familien, die 1949 über eine Luftbrücke nach Israel gebracht wurden.
Die Kontakte zu Bürgermeister Sinai knüpfte Godel Rosenberg, der das Verbindungsbüro des Freistaats Bayern in Israel leitet. Oberbürgermeister Bürgel war im Juni 2008 zusammen mit dem Direktor der Stiftung Bayerische Gedenkstätten, Karl Freller, nach Israel gereist. In der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem hatte er einen Kranz niedergelegt. "Dachau will eine Stadt des Friedens und ein Ort des Lernens und der Erinnerung für die Jugend der Welt sein. Das ist oberste Verpflichtung aus ihrer Geschichte", sagt der CSU-Politiker.
Erst seit Ende der 90er-Jahre zeigt das offizielle Dachau Interesse an einer offenen Auseinandersetzung mit der Geschichte der Stadt während des Nationalsozialismus. Ein Amt für Kultur- und Zeitgeschichte wurde eingerichtet, mit der Gedenkstätte arbeitet man inzwischen eng zusammen.
Bevor eine offizielle Städtepartnerschaft besiegelt wird, sollen Austauschprogramme für Schulen und Jugendliche ins Leben gerufen werden. Bürgel reist Ende Oktober mit dem Direktor des Dachauer Gymnasiums und einem Unternehmer nach Israel, um diese Projekte voran zu bringen.
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