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Drogenpolitik

Kopenhagen will mit Haschisch handeln

Der Sozialbürgermeister von Kopenhagen schlägt vor, den Haschischhandel in der dänischen Hauptstadt selbst in die Hand zu nehmen. Das Kopenhagener Modell sieht vor, dass von Produktion bis Konsum alles legal ist. Das Stadtparlament ist mehrheitlich für die Entkriminalisierung des Haschhandels.

Der Besitz, Konsum und die Erzeugung von Cannabis könnten in Kopenhagen zukünftig straffrei sein
Foto: REUTERS
Der Besitz, Konsum und die Erzeugung von Cannabis könnten in Kopenhagen zukünftig straffrei sein

Sie sind wieder da, die kleinen Holzbuden an der Pusherstreet im Kopenhagener Stadtteil Christiania. Wie auf einem Weihnachtsmarkt stehen die Verkaufsstände aneinandergereiht. Doch in den Auslagen gibt es nicht etwa Lebkuchenherzen oder Zuckerwatte, sondern andere Leckereien: Haschisch. Die Plättchen zu verkaufen, ist in Dänemark illegal, doch wenn es im Stadtteil Christiania geschieht, drücken die Ordnungshüter ein Auge zu. Der besteht nämlich aus einer alternativen Siedlung, deren Bewohner sie zur vom dänischen Staat unabhängigen „Freistadt“ ernannt haben. Bis jetzt duldeten die Regierungen das.

Und nun auch wieder den Haschischverkauf. Denn in den vergangenen Jahren hatte die Polizei hart durchgegriffen, ständig Razzien gemacht. Jetzt wird in Kopenhagen sogar diskutiert, den Verkauf von Haschisch wirklich zu legalisieren. Der Vorschlag aus dem Rathaus: Lasst den Staat die Drogen verkaufen. „Wir müssen feststellen, dass das Verbot fehlgeschlagen hat“, sagt Mikkel Werming, Sozialbürgermeister in Kopenhagen. Den Banden müsse die finanzielle Grundlage entzogen werden. Sein Verwaltungsstab hat ein Modell entworfen, wie der Haschischmarkt in Kopenhagen in Zukunft geregelt sein könnte.

Demnach soll ein staatliches Monopol die Verkaufsstellen betreiben und so den Umsatz von Cannabisprodukten regulieren. Und gleichzeitig sicherstellen, dass die Käufer bei Problemen gut beraten werden. „Man könnte den illegalen Straßenhandel so zurückdrängen und gegen den Bandenkrieg vorgehen“, sagt die 53-jährige Erzieherin Marlene Frederiksen, 53. Sie sieht aber auch Gefahren, denn der jungen Generation von heute fehle jedes Maß im Umgang mit der Droge. „Außerdem ist das Zeug inzwischen doch wesentlich potenter als noch vor 30 Jahren“, meint sie.

Im Jahr 2001 kam in Dänemark die konservativ-liberale Regierung an die Macht. Seither wurde die Polizei angewiesen, gegen die Sonderregelung hart durchzugreifen. Der Nebeneffekt: der Haschhandel breitete sich unkontrollierbar über die ganze Hauptstadt aus. Es kam zu Bandenkriegen, Hells Angels und Einwanderer kämpften um den lukrativen Drogenmarkt. Mehrere Menschen wurden erschossen. Kopenhagen ist zwar weiterhin eine der sichersten Großstädte, aber die Bürger sind beunruhigt. Striktere Regelungen, zum Beispiel das Verbot von Messern mit langen Klingen, haben die Situation nicht verbessert. Stattdessen fühlen sich nun viele, als würden sie in einem Überwachungsstaat leben. Also sind andere Mittel und Wege gefragt.

„Das von uns vorgeschlagene Modell kann mit dem schwedischen Systembolaget, den staatlichen Alkoholläden, verglichen werden“, sagt Ulrik Aarhus, Sprecher der Sozialverwaltung der Kommune Kopenhagen. Gibt es hier also bald Geschäfte, an deren Fassade ein grünes Hanfblatt prangt? Wichtig ist der Kommune, dass der Vorschlag nicht dem niederländischen Modell gleicht.

Dort dürfen Kunden Haschisch legal erwerben, der Verkäufer muss sich aber weiter auf dem illegalen Markt eindecken. Das Kopenhagener Modell sieht vor, dass von Produktion bis Konsum alles legal ist. „Wenn der Stoff wieder aus dem illegalen Markt kommt, trocknen wir den Handel nicht aus“, so Aarhus. Um das Modell zu etablieren, sind die Zustimmung des Stadtparlaments und eine Ausnahmeregelung der Regierung notwendig. Im Stadtparlament gibt es eine Mehrheit für die Entkriminalisierung des Haschhandels, die Aussichten sind also vergleichsweise gut. Nur die Regierung ist bisher noch dagegen.



Erschienen am 24.09.2009

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