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Vor der Wahl

SPD für Steuererhöhung, Union für Steuersenkung

Die Steuerpläne der Regierungsparteien für die Zeit nach der Wahl liegen weit auseinander. Die SPD lehnt Steuersenkungen ab und will Spitzenverdiener stärker belasten. Die Union dagegen hält an ihrem Steuersenkungsplan fest. Kritik kommt von der Linken – und von Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker.

Bundesfinanzminister Peer Steinbrück lehnt weitere Steuersenkungen strikt ab. Der SPD-Politiker sagte, die Wahlversprechen anderer Parteien seien nicht zu finanzieren. Wegen der Finanzkrise müsse der Bund im kommenden Jahr neue Kredite in Höhe von 100 statt der geplanten sechs Milliarden Euro aufnehmen. „Und da läuft jemand rum und streut ihnen Sand in die Augen, was für fantastische Steuersenkungen möglich sind.“

Die Steuervorschläge der Union nannte der Finanzminister „irreal“. Der Spielraum sei „gleich null“. Steinbrück sagte vor den 600 Teilnehmern des Deutschen Kongresses für Großhandel und Kooperationen zu den Steuerversprechungen von Union und FDP, er verspreche nichts, erinnerte aber daran, dass sowohl er als auch Bundeskanzlerin Angela Merkel zugesagt hätten, nach der Bundestagswahl die Mehrwertsteuer nicht zu erhöhen. Über die Ausweitung des verminderten Mehrwertsteuersatzes könne man durchaus reden: „Dazu bin ich gerne bereit, wenn es eine Nullsummenspiel ist.“

Der SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider sagte, nach der Wahl werde aber sicher nicht über Steuersenkungen geredet, sondern darüber, wie die Schulden bezahlt werden könnten. „Eine Erhöhung des Spitzensteuersatzes, das wird mit Sicherheit kommen“, sagte er.

Bayerns Finanzminister Georg Fahrenschon (CSU) sagte dagegen im ARD-„Morgenmagazin“, „Steuererhöhungen wären Gift für die jetzige Situation“. Die Menschen müssten weiter entlastet werden, um den privaten Konsum zu stabilisieren. Steinbrück baue Denkverbote auf. „Wenn wir so weiter arbeiten, bleibt die wirtschaftliche Lage miserabel“, kritisierte der CSU-Politiker.

Die Entlastungen kämen nach den Plänen der Union „so schnell wie möglich“, sagte Fahrenschon. Für 2009 und 2010 stünden sie schon im Gesetzblatt. „Und die Union ist wild entschlossen, den Kurs der Steuerentlastung auch ohne eine Unterbrechung fortzusetzen – im Jahr 2011, im Jahr 2012 und natürlich auch 2013.“

Linken-Parteivorstand Sahra Wagenknecht kritisierte die Finanzpolitik beider großer Parteien. Weder CDU noch SPD gäben Antworten auf die Frage, wie "fallende Steuereinnahmen und steigende Kosten für Arbeitslose" infolge der Krise finanziert werden sollten. Sie warf beiden Parteien vor, eine Mehrwertsteuererhöhung zu erwägen. Stattdessen solle man aber Reiche "zur Kasse bitten".

Kritisch äußerte sich auch Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker. Dem „Stern“ sagte er: „Die Krise ist noch nicht vorbei. Ich weiß auch nicht, wo bei unserer gegenwärtigen gewaltigen Verschuldung Platz sein soll für ein Versprechen bedeutender Steuererleichterungen.“ Für das kommende Jahr rechne er mit „neuen, starken Herausforderungen“.ddp/dpa/AFP/cn



Erschienen am 17.09.2009

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