Die Linke
Ramelows Sekretärin arbeitete für die Stasi
Schlagzeilen über seine Sekretärin bringen Bodo Ramelow in Erklärungszwang. Denn die Mitarbeiterin des Spitzenkandidaten der Linken bei der Landtagswahl in Thüringen war eine frühere hauptamtliche Mitarbeiterin des DDR- Ministeriums für Staatssicherheit (MfS).
Von A. Graw und M. Hollstein
Der Ministerpräsidentenkandidat der Linken in Thüringen, Bodo Ramelow, beschäftigt in seinem Berliner Bundestagsbüro eine frühere hauptamtliche Mitarbeiterin des DDR- Ministeriums für Staatssicherheit (MfS). Die Frau sei seit seiner Wahl in den Bundestagswahlen 2005 dort angestellt, bestätigte Ramelow Berichte der "Südthüringer Zeitung" und des Magazins "Der Spiegel".
"Das war nie ein Geheimnis und ist kein Skandal", sagte der Politiker. Die Frau sei keine inoffizielle Mitarbeiterin (IM) gewesen, dies habe er vorher überprüft. Ramelow ist stellvertretender Fraktionschef der Linken im Bundestag. Von der hauptamtlichen Tätigkeit seiner Mitarbeiterin für das MfS habe er gewusst.
Nach Informationen von Morgenpost Online war die 58-jährige Marion W. zuletzt Referatsleiterin. Sie arbeitete in der MfS-Hauptabteilung III Funkaufklärung, die für das Abhören von Politikern im Westen zuständig war. Ramelow sagte dazu, die Frau habe als Russisch-Übersetzerin gearbeitet. "Sie war eine technische Mitarbeiterin."
In einer Dienstbeurteilung von 1986, die Morgenpost Online ONLINE vorliegt, heißt es indes: "Als stellvertretender Referatsleiter ist die Genossin Hptm. W(…) auch für Zuarbeiten zu Planungsunterlagen, Berichterstattungen, Beurteilungen von unterstellten Mitarbeitern sowie für die Gewährleistung von Ordnung, Sicherheit und Konspiration im Anleitungsbereich verantwortlich".
In einer Beurteilung vom April 1989, sieben Monate vor Mauerfall, wird vermerkt, W. vertrete "zu den Problemen der Westverbindungen" einer anderen Person "einen kompromisslosen und parteilichen Standpunkt; ihrer Meldepflicht kam sie ordnungsgemäß nach." Auch habe W. schriftlich ihre Bereitschaft "zur Aufnahme eines Hochschulfernstudiums – Fachrichtung Staatswissenschaften – für 1990" erklärt.
Marion W. wollte sich auf Nachfrage von Morgenpost Online nicht äußern: "Ich gebe dazu keinerlei Auskünfte mehr."
Bodo Ramelow hatte sich zuvor verwundert über den Zeitpunkt der Veröffentlichung der ersten Berichte gezeigt: Die Tätigkeit der Mitarbeiterin ende in wenigen Wochen mit dem Ende der Legislaturperiode. "Es geht ganz offensichtlich um mich", sagte Ramelow, der derzeit die Chancen für ein linkes Regierungsbündnis in Thüringen auslotet.
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