Integration
Wahlfibel soll Deutsch-Türken zur Wahl animieren
Jetzt gibt's die Fünf-Prozent-Hürde auch auf Türkisch: Gut zwei Wochen vor der Bundestagswahl soll eine zweisprachige Wahlfibel die etwa 690.000 Deutschen mit türkischem Migrationshintergrund zum Wählen animieren. Das Dokument ist so gefragt, dass 10.000 Exemplare nachgedruckt werden müssen.
Eine neue deutsch-türkische Wahlfibel soll eingebürgerte Zuwanderer aus der Türkei zur Stimmabgabe bei der Bundestagswahl am 27. September ermuntern. Auf 35 Seiten werden etwa die Fünf-Prozent-Hürde, die Bedeutung der Zweitstimme oder die Funktion der Briefwahl auf deutsch und türkisch erläutert.
Zwischendurch werben prominente Deutsch-Türken wie der Fußballer Mesut Özil oder die Schriftstellerin Hatice Akyün, vom Wahlrecht Gebrauch zu machen. "Ich gehe wählen, weil Demokratie wie Sport ist", wird Mesut Özil zitiert. Finanziert wird die Wahlfibel, die beispielsweise türkischen Zeitungen beiliegt, zum großen Teil von der Bundeszentrale für politische Bildung. Sie ist derart gefragt, dass schon nach kurzer Zeit alle 60.000 Exemplare vergriffen waren. Nun sollen noch einmal 10.000 Exemplare nachgedruckt werden.
"Leider war es uns in der Kürze der Zeit nicht möglich, noch mehr Broschüren zu drucken", sagte der Präsident der Bundeszentrale für politische Bildung, Thomas Krüger. Zudem habe ganz einfach das Geld nicht für mehr Broschüren gereicht. "Es hat viele positive Reaktionen auf die Fibel gegeben", sagte die Integrationsbeauftragte für den Berliner Bezirk Tempelhof-Schöneberg, Gabriele Gün Tank, Morgenpost Online. Gerade die Einwanderer der ersten Generation, die erst seit kurzem Deutsche seien, hätten nach Informationen zum Wahlrecht verlangt. "Der Bedarf und das Interesse sind da", sagte Gün Tank.
Fast jeder fünfte Einwohner ist in Deutschland ausländischer Herkunft. Spätestens ab der Bundestagswahl 2013 dürfte es ähnliche Wahlfibeln auch für andere Minderheiten geben.
Für eine Demokratie sei es wichtig, dass alle Menschen und Gruppen die Möglichkeit der gleichberechtigten gesellschaftlichen Teilhabe und zur politischen Artikulation ihrer Interessen hätten, erklärte die Bundeszentrale.
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