Integration
Einbürgerungstest nach einem Jahr in der Kritik
Der vor einem Jahr eingeführte Einbürgerungstest hat sich nach Einschätzung des Bundesinnenministeriums bewährt. Er sei ein Erfolg, "den die wenigsten so vorausgesehen hätten." Dennoch ist der Test nicht unumstritten. Kritiker monieren, dass die Antworten nur auswendig gelernt werden.
Ein Jahr, nachdem der erste Ausländer einen Einbürgerungstest ausgefüllt hat, ist der Sinn dieses Tests weiter umstritten. Nach Ansicht des Innenministeriums fördert der Test die Einbürgerung, auch wenn ihn fast alle bestehen.
Dagegen stellt die Integrationsbeauftragte des Landes Brandenburg, Karin Weiss, infrage, dass bei dieser Erfolgsquote Aufwand und Nutzen in einem guten Verhältnis zu einander stünden. "Spätestens im Jahr 2010 muss der Test überprüft werden. Nur wenn dabei herauskommt, dass er dazu animiert, sich mit der deutschen Geschichte auseinanderzusetzen, ist er sinnvoll", sagte Weiss.
Bis Ende Juni haben nach Angaben des Ministeriums von 599 Teilnehmern bis auf drei Kandidaten alle bestanden. Die hohe Erfolgsquote sei mit der guten Integration der Zuwanderer zu begründen und deshalb "durchweg positiv".
Charity Okezie vom Internationalen Center für Deutsche und Migranten kann darin jedoch keine gelungene Einbürgerung erkennen. "Es gibt viel bessere Möglichkeiten, zu überprüfen, ob jemand in der Gesellschaft aufgenommen wurde und sich hier auskennt. Ein persönliches Gespräch wäre viel sinnvoller."
Um den Einbürgerungstest zu bestehen, müssen in einer Volkshochschule (VHS) 17 von 33 Fragen richtig beantwortet werden. Insgesamt gibt es einen Katalog von 310 Fragen, die im Internet zugänglich sind. "Die Teilnehmer haben die Antworten meist nur auswendig gelernt", berichtete Cordula Reichel von der VHS Kleinmachnow. Um sich mit der deutschen Geschichte zu beschäftigen, waren eigentlich spezielle Angebote vorgesehen.
"Wir haben Vorbereitungskurse angeboten, aber leider gab es nicht genügend Anmeldungen. Deshalb hat in Brandenburg bisher kein einziger solcher Kurs stattgefunden", beklagt Andrea Farago vom Brandenburgischen VHS- Verband. Ausgenommen vom Einbürgerungstest sind Kandidaten, die in Deutschland einen Schulabschluss erworben haben.
Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
- Studie: Auswanderung belastet Staat und Sozialkassen
- Integrationspolitik: Zuwanderung – Abrechnung mit einem Mythos
- Für ausländische Eltern: Schäuble will mit Deutschkursen besser integrieren
- Kenne deine Wurzeln: Das Geschäft mit dem Auswanderer-Tourismus
- Migration: Immer mehr Fachkräfte verlassen Deutschland
- Religion und Staat: Gebetsverbot stärkt die Neutralität der Schulen
-
16:56Entscheidungslösung: Jeder Bundesbürger soll über Organspende nachdenke...
-
16:43Währungsausschuss: EU will Ein- und Zwei-Cent-Münzen abschaffen
-
16:26Atomgespräche: Der Iran, die Bombe und das Prinzip Hoffnung
- 1. Live-Ticker Otto Rehhagel - "Ich habe so etwas noch nie erlebt"
- 2. Drogeriekette Berggruen macht Schlecker-Mitarbeitern Hoffnung
- 3. ifo-Index Griechenland-Krise schickte deutsche Wirtschaft auf Talfahrt
- 4. Bauexperten Zweifel am neuen Eröffnungstermin für BER wachsen
- 5. "Ein Scherz" Flugsicherung prüft juristische Schritte gegen RBB














