Tschetschenien-Konflikt
Putin unterstützt offenbar neuen Friedensplan
In die Bemühungen um einen dauerhaften Frieden in Tschetschenien kommt Bewegung. Offenbar billigt die russische Führung um Wladimir Putin und Dmitri Medwedjew jetzt die Einbindung von Achmed Sakajew in die Pläne. Der Chef der tschetschenischen Exilregierung wird bislang als Terrorist gesucht.
Von Dirk Banse
Im Tschetschenien-Konflikt deutet sich möglicherweise eine Wende an. Der von Moskau bislang als Kriegsverbrecher und Terrorist gesuchte Chef der tschetschenischen Exilregierung, Achmed Sakajew, soll nach dem Willen Russlands und der von ihm unterstützten tschetschenischen Regierung nun in die Friedensbemühungen im Nordkaukasus eingebunden werden. Das erklärte in London Dukwacha Abdurachmanow, ein Vertrauter des Moskau treuen tschetschenischen Präsidenten Ramsan Kadyrow.
In der britischen Hauptstadt hatte er sich in den vergangenen Tagen mit Sakajew getroffen. Sakajew war früher Vizepräsident der russischen Teilrepublik Tschetschenien, die in den 90er-Jahren in Konflikt mit Moskau geraten war. Im Zuge jahrelanger blutiger Kriege ließ der Kreml eine neue Regierung in Tschetschenien wählen, die nun Kadyrow führt.
Sein Gegenspieler Sakajew hat in zwei Kriegen gegen Russland gekämpft. Er lebt seit Jahren im Londoner Exil. Wiederholt hatte die russische Staatsanwaltschaft seine Auslieferung verlangt. Nun gibt es Bewegung. "Präsident Dmitri Medwedjew und Ministerpräsident Wladimir Putin haben ausdrücklich zugestimmt, Sakajew in den Friedensprozess einzubinden", teilte Kadyrows Abgesandter mit. Er hatte sich im Auftrag seiner Regierung bereits vor zwei Wochen in Oslo zu Gesprächen mit Sakajew getroffen.
Resultat: Bis Ende dieses Jahres soll der Tschetschenische Weltkongress, ein Gesprächskreis verschiedener tschetschenischer Gruppen im In- und Ausland, tagen. Das letzte Treffen im Oktober 2002 in Kopenhagen hatte die damalige russische Führung unter Putin noch scharf verurteilt. Diesmal unterstützt sie den Kongress.
"Ein Frieden in Tschetschenien ist nur mit der Unterstützung der Regierung in Moskau möglich. Das habe ich immer so gesehen. Deshalb freut es mich, dass Medwedjew und Putin nun den Prozess unterstützen. Sie haben wohl eingesehen, dass ein friedliches Tschetschenien auch Russland nützt", sagte Sakajew gestern in London. Auf das angebliche Angebot des tschetschenischen Präsidenten Kadyrow, in sein Heimatland zurückkehren zu können, ging er allerdings nicht ein.
Der Kurswechsel Moskaus könnte auch damit zusammenhängen, dass sich Sakajew vom militanten tschetschenischen Untergrund inzwischen distanziert hat. Er war sich gestern mit Abdurachmanow darin einig, dass die Gewalt in Tschetschenien eingedämmt werden müsse. Nach wie vor gibt es dort Entführungen, Folter und Morde. Zuletzt waren die Menschenrechtlerin Natalja Estemirowa und erst am Dienstag die Bürgerrechtlerin Sarema Sadulajewa und ihr Ehemann getötet worden.
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