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08.08.09

Grünen-Chefin

Claudia Roth verzichtete für ihre Karriere auf Kinder

Politik statt eigener Nachwuchs: Wegen ihrer Karriere verzichtete Grünen-Chefin Claudia Roth auf eigene Kinder. Für die Landtagswahlen im Herbst verbreitet die 54-Jährige Optimismus. Die chronische Schwäche der Grünen in Ostdeutschland ist nach ihrer Überzeugung bald überwunden.

© dpa
Roth
Claudia Roth verzichtete auf eigenen Nachwuchs, weil sie Politikerin werden wollte

Die Grünen-Bundesvorsitzende Claudia Roth verzichtete wegen ihrer politischen Karriere auf ein richtiges Privatleben und eigene Kinder. Als es um die Frage ging, ein Kind zu bekommen, habe sie sich beides zusammen nicht zugetraut, sagte die 54-Jährige dem Privatsender MAIN FM. "Die Infrastruktur war noch weniger da als sie jetzt da ist für die Vereinbarkeit von Kind und Beruf." Sie habe sich gesagt, "nee, dann lieber kümmere ich mich darum, dass es für Frauen selbstverständlicher wird, Kind und Berufsleben miteinander zu verbinden. Dann kämpfe ich dafür."

Die chronische Schwäche der Grünen bei Landtagswahlen in Ostdeutschland wird nach Überzeugung von ihrer Meinung bald der Vergangenheit angehören. "Wir wurden immer wieder mit der Auffassung konfrontiert: Grüne Themen sind gut und wichtig, aber wenn es hohe Arbeitslosigkeit gibt, kann man sich euch nicht leisten", sagte die Parteivorsitzende. "Das ändert sich deutlich." In den neuen Bundesländern sind die Grünen derzeit nur im sächsischen Landtag vertreten.

Als Grünen-Hochburg gilt indes Berlin. Bei den Abgeordnetenhauswahlen 2006 waren sie als viertstärkste Kraft mit 13,1 Prozent fast so stark wie die Linkspartei. Mut schöpft Roth vor allem auch aus den jüngsten Wahlergebnissen von Anfang Juni, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, wo die Grünen noch nie im Landtag saßen. "Bei den Europawahlen haben wir 5,5 Prozent bekommen, bei den Kommunalwahlen 5 Prozent", zählt Roth auf. Der Mitgliederzuwachs sei im Nordosten in diesem Jahr zudem mit fast 9 Prozent besonders hoch ausgefallen. Ähnliche Wahlergebnisse erzielte die Öko-Partei im Juni in Sachsen-Anhalt, wo sie bei drei Landtagswahlen in Folge an der Fünf-Prozent-Hürde gescheitert war.

Auch in Thüringen, wo in wenigen Wochen der Landtag neu gewählt wird, hatten die Grünen im Juni spürbar zugelegt. Aktuelle Umfragen sehen sie für die Landtagswahl am 30. August leicht über der Fünf-Prozent-Hürde. Die Grünen in Sachsen, wo ebenfalls Ende August das Landesparlament gewählt wird, halten sogar 10 Prozent der Stimmen für möglich. 2004 waren sie nach zehn Jahren parlamentarischer Abstinenz mit 5,1 Prozent nur knapp in den Landtag gerutscht.

Inhaltlich identifizierten sich inzwischen mehr Ostdeutsche auch jenseits der klassischen Umweltpolitik mit "grünen" Themen, meinte Roth. Mit Blick auf das umstrittene Kohlekraftwerk in Lubmin bei Greifswald sagte sie: "Viele fragen sich: Leben wir noch den Traum der großen Industrieanlagen? Oder ist es nicht vielmehr ein Problem, wenn zum Beispiel Schleswig-Holstein mehr Arbeitsplätze in den erneuerbaren Energien schaffen kann?"

Das Erbe der Bürgerrechtsbewegung Bündnis 90 aus der Wende-Zeit und die Geburtswehen bei ihrer Integration in die grüne Bundespartei sind aus Roths Sicht kein Hemmschuh, sondern eine Bereicherung. "Natürlich haben wir am Anfang unterschiedliche Auffassungen gehabt. Ich glaube aber, wir sind heute eher gesamtdeutsch als viele andere Parteien, die das von sich behaupten. Die Tatsache, dass "Bündnis 90 in unserem Namen ganz vorn steht, ist kein Etikettenschwindel."

Quelle: dpa/fas
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