28.02.13

Zum Rücktritt

Zollitsch würdigt Benedikt XVI. als "Fels in der Brandung"

Mit einem Festgottesdienst in der St. Hedwigs-Kathedrale in Berlin dankt die katholische Kirche in Deutschland Papst Benedikt XVI.

Foto: dpa

Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat Papst Benedikt XVI. dafür gewürdigt, dass er zwischen Wissenschaft und gelebtem Glauben unermüdlich Brücken geschlagen habe
Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Robert Zollitsch, hat Papst Benedikt XVI. dafür gewürdigt, dass er zwischen Wissenschaft und gelebtem Glauben unermüdlich Brücken geschlagen habe

Der Vorsitzende der deutschen Bischofskonferenz, Erzbischof Robert Zollitsch, hat Papst Benedikt XVI. als "Fels in der Brandung einer sich rasant verändernden Welt" gewürdigt.

Das religiöse Zeugnis Benedikts sei eindeutig gewesen, auch wenn er damit auf Widerstand und manchmal durchaus heftigen Widerspruch gestoßen sei, sagte Zollitsch laut Prediktmanuskript am Donnerstagabend bei einem Dankgottesdienst für den scheidenden Papst in der Berliner Kathedrale Sankt Hedwig.

Benedikt habe den Katholiken ein "geistliches Pontifikat" geschenkt – "geprägt von theologischer Tiefe und intellektueller Weite", sagte Zollitsch. "Wir schauen heute dankbar auf ihn, der ein großer Theologe unserer Zeit ist und der eine profunde Kenntnis der Kirchenväter in die Reflexion heutiger Fragen einbrachte." Der zurückgetretene Papst sei ein "gelehrter Zeuge und ein überzeugender Gelehrter des Evangeliums".

Der Vorsitzende der Bischofskonferenz verwies in seiner Predigt auf Benedikts Rede vor den Vereinten Nationen, in der dieser im Jahr 2008 die Religionsfreiheit als grundlegendes Menschenrecht einforderte, das nur im lebendigen Dialog realisiert werden könne. Auch erinnerte Zollitsch an Benedikts Rede vor dem Bundestag im September 2011, wo er neben den Schutz der Natur auch eine Achtung der Natur des Menschen, eine "Ökologie des Menschen" gefordert hatte.

Der Berliner Kardinal Rainer Maria Woelki sagte in seiner Begrüßung laut Redemanuskript, Benedikt habe die Botschaft von Jesus Christus "in Liebe, in Respekt vor seinem Gegenüber, in Demut und Bescheidenheit, mit offenem Herzen und einem offenen Ohr" verkündet. "So hat er uns an seiner Weisheit teilhaben lassen.

Papst Benedikt verabschiedete sich am Donnerstagnachmittag per Twitter so:



Gerüchte über Gründe für den Rücktritt zurückgewiesen

Zuvor hatte Zollitsch Gerüchte über die Gründe für den Rücktritt des Papstes zurückgewiesen. "Es hat immer wieder Verschwörungstheorien im Vatikan gegeben", sagte er dem TV-Sender Phoenix. "Da muss man sich fast dran gewöhnen." Es seien aber "wirklich die physischen Kräfte, die beim Papst sehr nachgelassen haben".

Zollitsch würdigte zugleich den "leisen Abschied" des Papstes. Dem ARD-"Morgenmagazin" sagte er, Benedikt XVI. habe vor seinem Rücktritt weder einen Abschiedsbrief hinterlassen noch Anweisungen für den kommenden Papst vorgegeben, weil er "in keiner Weise seinen Nachfolger irgendwo beeinflussen wollte". Das entspreche "seiner sehr bescheidenen, zurückhaltenden Art".

Im Deutschlandfunk sagte der Freiburger Erzbischof, Benedikt XVI. habe eine Generalaudienz gehalten wie an jedem anderen Mittwoch. "Man spürte, da war ein Stück Wehmut, da war ein Stück Trauer da, und es war zugleich einfach überwiegend der Dank für diese acht Jahre", beschrieb der Konferenzvorsitzende die Stimmung.

Zollitsch zeigte sich "dankbar und auch ein Stück stolz", dass acht Jahre ein Deutscher die Kirche geleitet habe. "Jedes Mal, wenn ich in Rom war und auch mit dem Papst sprach, hatte ich den großen Vorteil, in der Muttersprache mit ihm sprechen zu können."

Zollitsch räumte ein, dass Benedikt XVI. bei der Aufhebung der Exkommunikation der Bischöfe der Pius-Bruderschaft ein Fehler unterlaufen sei. Der Papst sei über die Holocaust-Leugnung durch Traditionalisten-Bischof Richard Williamson nicht informiert gewesen.

Wünsche an den Nachfolger

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Nikolaus Schneider, bilanziert zum Ende der Amtszeit von Papst Benedikt XVI. einen Stillstand in der Ökumene unter dem aus Deutschland stammenden Kirchenoberhaupt. Benedikt habe keine weitere Annäherung zwischen katholischer und protestantischer Kirche möglich gemacht, sagte Schneider im Deutschlandfunk.

Vom nächsten Papst wünsche er sich, dass dieser weiter das Gespräch mit den Kirchen der Reformation sucht. Ein wichtiges Ziel wäre das gemeinsame Abendmahl katholischer und evangelischer Christen, sagte der rheinische Präses. Die rheinland-pfälzische CDU-Vorsitzende Julia Klöckner wünscht sich als zukünftigen Papst einen Afrikaner. Es sei an der Zeit, Traditionelles zu durchbrechen, ohne Unrealistisches zu verlangen, sagte Klöckner, die dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken angehört.

Quelle: AFP/KNA/epd/sei
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