28.02.13

Altkanzler-Sohn

Peter Kohl macht seiner Stiefmutter heftige Vorwürfe

Der Sohn von Altkanzler Helmut Kohl bringt sein Buch über seine Mutter Hannelore neu heraus. In einem ergänzten Kapitel geht es um die heutige Frau seines Vaters – über die er Erschreckendes erzählt.

Von Sarah Maria Brech
Foto: dpa

Helmut Kohl mit seiner zweiten Ehefrau Maike im April 2010 an der Tür ihres gemeinsamen Hauses in Ludwigshafen-Oggersheim
Helmut Kohl mit seiner zweiten Ehefrau Maike im April 2010 an der Tür ihres gemeinsamen Hauses in Ludwigshafen-Oggersheim

Vor fast zwölf Jahren erschütterte die Tragödie der Familie Kohl die deutsche Öffentlichkeit. In der Nacht vom 4. auf den 5. Juli 2001 beging Hannelore Kohl, die Frau des Altkanzlers, mit einer Überdosis Tabletten Suizid. Sie hatte seit Jahren wegen einer schweren Lichtallergie in nahezu vollkommener Dunkelheit leben müssen. Nach ihrem Tod erst wurde bekannt, wie sehr sie darunter litt und wie viel Kraft es sie zuvor offenbar gekostet hatte, die Familie auch in der schweren Zeit der CDU-Spendenaffäre zusammenzuhalten.

Dieses neue Bild der Hannelore Kohl war vor allem ihrem jüngeren Sohn Peter zu verdanken. Der schrieb zusammen mit der Journalistin Dona Kujacinski eine Biografie über seine Mutter, die im Jahr 2002 zum Bestseller wurde. Jetzt, pünktlich zu Hannelore Kohls 80. Geburtstag am 7. März, gibt der Verlag Droemer Knaur die Biografie neu heraus, ergänzt um 27 Seiten. Diese Seiten, verfasst von Peter Kohl, sollen dem Buch vorangestellt werden.

Erscheinen wird die neue Version erst am 1. März. Doch der sonst öffentlich eher zurückhaltende Peter Kohl hat diesmal die Öffentlichkeit gesucht und sich mit einem Journalisten der "Süddeutschen Zeitung" getroffen. Und was er diesem erzählte, fügt dem Drama noch ein Kapitel hinzu.

Denn Peter Kohl berichtet in diesem Buch, dass sein Vater womöglich bereits in den 90er-Jahren eine Affäre mit seiner heutigen Frau Maike Kohl-Richter hatte. Bei der Feier zu Helmut Kohls 75. Geburtstag habe dessen ältester Sohn Walter Folgendes erfahren: "Ein engster Vertrauter unseres Vaters – jedoch kein Angestellter oder Beamter – datiert den Beginn der Beziehung mit Maike Richter auf die zweite Hälfte der Neunzigerjahre."

Gerüchte über eine Affäre des damals noch mit Hannelore verheirateten Helmut Kohl mit Maike Richter oder auch seiner langjährigen Sekretärin Juliane Weber schwirren schon seit Längerem umher. Kaum jemand hat sie allerdings bislang ausgesprochen. Fest steht: Kohls Hochzeit mit Maike Richter fand erst am 8. Mai 2008, also fast sieben Jahre nach dem Tod seiner ersten Frau, statt. Doch auch die angebliche Affäre der beiden ändert jetzt nichts mehr, wie Peter Kohl der "Süddeutschen" sagte: "Die Dinge sind geschehen, wie sie geschehen sind."

"Eine Art privates Helmut-Kohl-Museum"

Die Beziehung der Kohl-Söhne zu Maike Kohl-Richter gilt als schlecht. Der ältere Sohn Walter, der ein Buch über sein Leben als Sohn des Bundeskanzlers verfasste ("Leben oder gelebt werden", 2011), sagte einst, dass seit der Hochzeit der Kontakt zum Vater weitestgehend abgebrochen sei. Ehemalige Weggefährten berichten, dass Maike Kohl-Richter ihren Mann abschirme, nur ausgewählte Besucher zu ihm lasse.

Peter Kohl erzählt in der Ergänzung zu seinem Buch jetzt eine Geschichte, die wie die Faust aufs Auge zu den versteckten Andeutungen und Spitzen passt, die über Maike Kohl-Richter im Umlauf sind. Als sich das Paar und die Kohl-Söhne noch trafen, sei er einmal in Maike Kohl-Richters damaliger Wohnung gewesen. "In meiner männlichen Naivität war ich nicht vorbereitet auf das, was mich dort erwartete: Ich war in eine Art privates Helmut-Kohl-Museum geraten!" Überall hätten Kohl-Bilder gehangen, sogar ein gerahmter Brief mit seiner Unterschrift habe die Wohnung geschmückt. "Das Ganze sah nach jahrzehntelanger, akribischer Sammelleidenschaft zum Zwecke der Heldenverehrung aus, wie man es vielleicht auch von Berichten über Stalker kennt."

Das Ehepaar Kohl hat sich nie öffentlich über die Vorwürfe der Söhne geäußert. Helmut Kohl selbst sagte allerdings einmal: "Wenn meine Frau nicht gewesen wäre, wäre ich heute nicht mehr am Leben, und wenn sie nicht bei mir wäre, wäre mein Leben heute sehr viel weniger lebenswert." Nach einem Sturz in seinem Haus im Februar 2008 fällt ihm das Sprechen schwer, er sitzt im Rollstuhl, und seine Frau kümmert sich um ihn.

Peter Kohl jedenfalls wollte sich im Gespräch mit der "Süddeutschen" offenbar nicht lange mit seiner Stiefmutter aufhalten. Relevant sei für ihn vielmehr, welche Lehren man aus dem Tod seiner Mutter ziehen könne. Er selbst zieht ein trauriges Fazit: "Wenn Ehefrau eines Bundeskanzlers zu sein eine lebensgefährliche Angelegenheit wird, wer will dann noch Ehefrau eines Bundeskanzlers sein?"

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