28.02.13

"Peerlusconi"-Eklat

Nach "Clown"-Äußerung - Italiener reagieren heftig

Italienische Medien haben auf die Attacke von Peer Steinbrück gegen Silvio Berlusconi und Beppe Grillo mit heftiger Kritik reagiert.

Foto: dpa

SPD-Kanzlerkandidat wollte einfach mal Klartext sprechen
SPD-Kanzlerkandidat wollte einfach mal Klartext sprechen

Sie stellten sich dabei hinter die "Schlacht" des Staatschefs Giorgio Napolitano, der Respekt für Italien eingefordert und ein Treffen mit Steinbrück abgesagt hatte.

Steinbrück hatte Ex-Ministerpräsident Berlusconi und den Chef der populistischen Bewegung "5 Sterne", Grillo, als "Clowns" bezeichnet.

Zwischen Sorge und Flegelhaftigkeit

"Rüpelhafte Sätze und reale Befürchtungen" konstatierte der rechtsliberale Mailänder "Corriere della Sera" in seinem Aufmacher auf der ersten Seite.

"Zwischen Sorge und Flegelhaftigkeit gibt es doch einen Unterschied, den zu beseitigen niemandem erlaubt ist." Napolitanos Verhalten dazu sei "bestens". Das angesehene Blatt sprach von Steinbrück als dem "deutschen König der Ausrutscher" und der Furcht vor dem Populismus.

Auch die liberale Turiner "La Stampa" begrüßte Napolitanos Haltung "im Namen der europäischen politischen Korrektheit". Natürlich habe der Staatschef gut reagiert, als er ein Treffen mit Steinbrück ablehnte. Die linksliberale römische "La Repubblica", eine Anti-Berlusconi-Speerspitze, nannte Napolitanos Reaktion eine diplomatische Notwendigkeit, Italien stehe im Clowns-Kostüm da.

"Steinbrück ist ein außenpolitisches Sicherheitsrisiko"

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück steht wegen seiner Äußerungen zur Italien-Wahl weiter in der Kritik. "In die Schweiz schickt er die Kavallerie, nach Zypern die Piraten, italienische Politiker sind für ihn Clowns: Peer Steinbrück hat mehr als deutlich unter Beweis gestellt, dass er ein außenpolitisches Sicherheitsrisiko ist", sagte der stellvertretende Vorsitzende der FDP-Bundestagsfraktion, Volker Wissing, am Donnerstag Handelsblatt Online.

"Er mutiert zunehmend zu einem deutschen Peerlusconi." Was Steinbrück mit "Klartext" umschreibe, sei in Wahrheit "Stammtisch der untersten Kategorie".

Unterstützung für die Clown-Bezeichnung erhielt Steinbrück vom schleswig-holsteinischen SPD-Chef Ralf Stegner. Mit Blick auf den früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi sei diese "eher noch freundlich ausgefallen", sagte der Koordinator der Linken im SPD-Bundesvorstand zu Handelsblatt Online.

Napolitano sagt Abendessen mit Steinbrück ab

Nach dem starken Abschneiden Berlusconis und des Komikers Beppe Grillo bei den Parlamentswahlen in Italien hatte Steinbrück am Dienstag gesagt: "Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben."

Wegen der umstrittenen Äußerungen zum Wahlausgang in Italien hatte Staatspräsident Giorgio Napolitano ein für Mittwochabend geplantes Abendessen mit Steinbrück abgesagt. Napolitano sagte der "Bild"-Zeitung: "Peer Steinbrück hat mir am Telefon erklärt, dass er nicht beleidigend sein wollte. Aber ein Treffen war aus meiner Sicht nach den Äußerungen, die er gemacht hat, nicht mehr möglich."

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz (SPD), forderte, den politischen Willen der italienischen Wähler zu respektieren. "Mein wenig gutes Verhältnis zu Silvio Berlusconi ist bekannt. Wir sind bei der Betrachtung der Wahl alle gut beraten, zur Kenntnis zu nehmen, dass die Italiener diese Parteien und ihre Führer gewählt haben", sagte Schulz der "Passauer Neuen Presse".

"Ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub"

Linken-Chef Bernd Riexinger sagte der Zeitung: "Explosive Äußerungen in schwierigen Situationen sind jedenfalls kein Ausweis außenpolitischer Schlauheit."

Steinbrück hatte gesagt, Berlusconi sei "ein Clown mit einem besonderen Testosteron-Schub". Der SPD-Politiker sagte: "Mein Eindruck ist, dass zwei Populisten gewonnen haben." Steinbrück war zum Auftakt seiner Tour durch alle 16 Bundesländer für zwei Tage in Brandenburg unterwegs. Er verteidigte am Mittwoch seine Aussagen: "Ich bin dafür bekannt, dass ich auch Klartext rede."

Wiederholt hatte Steinbrück zuletzt mit Aussagen für Schlagzeilen gesorgt. Etwa zur Frage, ob das Kanzlergehalt im Vergleich zu Sparkassendirektoren angemessen ist. Union und FDP nahmen im aufziehenden Bundestagswahlkampf den neuen Zwischenfall umgehend zum Anlass für Kritik an Steinbrück – wobei auch die Koalition alles andere als glücklich ist über den komplizierten Wahlausgang in Italien, der die Euro-Stabilisierung erschweren könnte.

Quelle: BM/dpa
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