27.02.13

Benedikt XVI.

Papst verabschiedet sich mit bewegender Generalaudienz

Mehr als 100.000 Gläubige haben dem scheidenden Papst zugejubelt - darunter auch Kirchenoberhäupter und Politiker aus Deutschland.

Foto: AFP

"Ich habe mich nie einsam gefühlt am Steuer", erklärte Papst Benedikt XVI. am Mittwoch bei seinem letzten großen Auftritt.

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Mit einer bewegenden Generalaudienz hat Papst Benedikt XVI. am Mittwoch auf dem Petersplatz im Vatikan vor mehr als 100.000 Gläubigen Abschied von seinem Amt genommen. "Gott wird seine Kirche nicht kentern lassen", gab der sichtlich bewegte 85-Jährige den Besuchern mit auf den Weg. Mit seinem für diesen Donnerstagabend 20 Uhr geplanten Rücktritt macht er den Weg für die Wahl eines Nachfolgers frei, der bis Ostern feststehen soll.

Er sei sich bewusst, wie "wichtig" und ungewöhnlich sein Rücktritt sei, sagte Benedikt XVI., der als erstes katholisches Kirchenoberhaupt seit dem Mittelalter vor dem Tod auf eigenen Beschluss aus dem Amt scheidet.

Er habe sich angesichts seiner "schwindenden Kräfte" jedoch in "Gelassenheit" und "zum Wohl der Kirche" entschieden. "Der Herr hat mich immer geführt und war mir nah", sagte der Papst auf Deutsch und sprach "ein herzliches Vergelt's Gott".

Pontifikat war von "nicht einfachen Momenten" geprägt

Zu der letzten Generalaudienz, die bei strahlendem Sonnenschein stattfand, kamen Menschen aus zahlreichen Ländern. Über den Petersplatz verteilt wehten etwa deutsche und bayerische, aber auch spanische, polnische und US-Flaggen. Auf Spruchbändern dominierten Dankesworte an den scheidenden Papst, der künftig den Titel "emeritierter Papst" tragen wird. "Danke", "Merci", "Grazie" und das polnische "Dziekujemy" waren zu lesen.

"Die Kirche zu lieben heißt auch, den Mut zu schwierigen Entscheidungen zu haben", sagte Benedikt XVI. den Gläubigen. Er verwies darauf, dass ein Papst "keinerlei Privatleben mehr" habe. Dies strebe er aber auch nach dem Rücktritt nicht an.

Er wolle die Kirchenleitung abgeben, um sich dem Gebet zu widmen, sagte Benedikt XVI. und ergänzte mit Blick auf sein Pontifikat, dass dieses von Freude und Licht, aber auch von "nicht einfachen Momenten" geprägt gewesen sei.

Zollitsch, Meisner, Marx, Meisner und Seehofer reisten auch nach Rom

Vor dem Beginn der Audienz ließ sich Benedikt XVI. in einer großen Runde im Papamobil über den Petersplatz fahren, wo die Menschen ihm zujubelten und applaudierten. Die Audienz war wegen des Andrangs von der Audienzhalle auf den Petersplatz verlegt worden. Der Platz und die dorthin führende Via della Conciliazione waren von der bunten Menschenmenge gefüllt.

Zum Abschluss der Audienz dankte Benedikt XVI. den Besuchern in zwölf Sprachen. Aus Deutschland nahmen an dem Ereignis der Chef der Bischofskonferenz und Freiburger Erzbischof, Robert Zollitsch, sowie die Kardinäle Reinhard Marx und Joachim Meisner, Erzbischöfe von München und Köln, teil. Angereist war zudem Bayerns Regierungschef Horst Seehofer (CSU).

"Ein respektabler Entschluss, der Anerkennung verdient"

Zollitsch würdigte Benedikt XVI. als "einen der größten Theologen", der die Kirche "entscheidend geprägt" habe. Die Entscheidung, das Papstamt abzugeben, sei ein "respektabler Entschluss, der Anerkennung verdient", sagte er am Dienstagabend in Rom. Zur Frage, wie der Papst seinen Ruhestand gestalten könne, ergänzte Zollitsch: "Er ist immer noch Theologe, und das ist er gern."

Benedikt XVI. hatte seinen Amtsverzicht vor gut zwei Wochen bekannt gegeben. Sein knapp achtjähriges Pontifikat endet am Donnerstag um 20 Uhr, bereits um 17 Uhr will er per Hubschrauber den Vatikan verlassen, um sich für einige Wochen in die päpstliche Sommerresidenz Castel Gandolfo nahe Rom zu begeben. Im Vatikan soll bald darauf das Konklave zur Papstwahl zusammenkommen.

Die wichtigsten Begriffe zur Papstwahl

Konklave

Als Konklave bezeichnet man die Versammlung der Kardinäle der römisch-katholischen Kirche, die den neuen Papst wählt. Eine Wahl wird notwendig, wenn das Oberhaupt der römisch-katholischen Kirche gestorben oder von seinem Amt als Papst zurückgetreten und "der Stuhl des heiligen Petrus" damit unbesetzt ist.

Sedisvakanz

Sedisvakanz bezeichnet den Zeitraum, in dem das Papst-Amt nicht besetzt ist.

Camerlengo

Der Camerlengo ist ein im Kardinalsrang stehender Kämmerer der Kirche. Er stellt den Tod des Papstes fest und übernimmt während der Sedisvakanz als Vorsitzender der Sonderkongregationen, unterstützt von drei per Los bestimmten Kardinal-Assistenten, die Verwaltung der römischen Kirche, allerdings ohne Jurisdiktionsgewalt.

Quelle: BM/AFP
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Benedikt XVI. - eine Chronolgie
  • Wichtige Daten im Pontifikat

    Er ist der älteste Papst seit hundert Jahren und das am längsten amtierende katholische Kirchenoberhaupt aus Deutschland: Im Alter von 85 Jahren hat Benedikt XVI. nach fast acht Jahren im Amt am Montag seinen Rücktritt angekündigt. Stationen seines Pontifikats.

  • 19. April 2005

    Joseph Ratzinger wird als erster Deutscher seit fast 500 Jahren Papst.

  • 18. bis 21. August 2005

    Papst Benedikt XVI. besucht auf seiner ersten Auslandsreise Deutschland. Vor einer Million Pilger feiert er beim Weltjugendtag auf dem Kölner Marienfeld Gottesdienst.

  • 25. Dezember 2005

    Veröffentlichung der ersten Enzyklika „Deus caritas est“ (Gott ist die Liebe). Das Lehrschreiben hebt die zentrale Bedeutung von Liebe und Barmherzigkeit für das Zusammenleben der Menschen und das Handeln der Kirche hervor.

  • 20. Mai 2006

    Treffen mit dem russisch-orthodoxen Metropoliten Kyrill. Die Annäherung an die Orthodoxen wird zum zentralen ökumenischen Bestreben des Papstes.

  • 28. Mai 2006

    Auf seiner Polenreise besucht der Papst das NS-Konzentrationslager Auschwitz.

  • 9. bis 14. September 2006

    Besuch seiner bayerischen Heimat. In einer Rede in Regensburg zitiert Benedikt den byzantinischen Kaiser Manuel II. aus dem 14. Jahrhundert, wonach der muslimische Prophet Mohammed „nur Schlechtes und Inhumanes“ gebracht habe. Es folgen weltweite Proteste von Muslimen.

  • 30. November 2007

    Benedikt veröffentlicht seine zweite Enzyklika „Spe salvi“ (Über die christliche Hoffnung). Darin macht er deutlich, dass nicht Fortschritt und Wissenschaft die Menschheit retten können, sondern nur die im Christentum verwirklichte gemeinsame Hoffnung.

  • 15. bis 21. April 2008

    Bei einer USA-Reise trifft Benedikt als erstes Oberhaupt der katholischen Kirche Opfer des sexuellen Missbrauchs durch Geistliche.

  • 21. Januar 2009

    Der Holocaust-Leugner Richard Williamson und drei weitere Bischöfe der erzkonservativen Piusbruderschaft werden auf Anordnung des Papstes wieder in die Kirche aufgenommen. Die Entscheidung sorgt weltweit für Empörung.

  • 8. bis 15. Mai 2009

    Auf einer Reise ins Heilige Land ruft der Papst zum Dialog der Religionen auf und spricht sich klar gegen Antisemitismus aus.

  • 29. Juni 2009

    Papst Benedikt veröffentlicht seine dritte Enzyklika, die Sozialenzyklika „Caritas in veritate“ (Die Liebe in der Wahrheit). Darin befasst er sich kritisch mit der Globalisierung und den Folgen der Wirtschafts- und Finanzkrise.

  • 15. Januar 2010

    Die Enthüllungen am Berliner Canisius-Kolleg bringen nach einigen anderen Ländern auch in Deutschland einen Skandal um sexuellen Missbrauch durch katholische Priester ins Rollen.

  • 29. Juni 2010

    Einrichtung des neuen „Päpstlichen Rates zur Förderung der Neuevangelisierung“. Benedikt will damit gegen die schwindende Bedeutung des Christentums in vielen Ländern kämpfen.

  • 20. November 2010

    Für „begründete Einzelfälle“ etwa zum Schutz vor Aids erlaubt der Papst den Gebrauch von Kondomen und vollzieht damit eine Wende in der bisherigen Sexuallehre der katholischen Kirche.

  • 23. September 2011

    In einem historischen Akt trifft Benedikt an einer der Wirkungsstätten des Reformators Martin Luther in Erfurt Vertreter der Evangelischen Kirche. Hoffnungen auf schnelle Fortschritte in der Ökumene enttäuscht der Papst aber.

  • 28. März 2012

    Benedikt trifft Kubas Revolutionsführer Fidel Castro.

  • 6. Oktober 2012

    In der Affäre um den Diebstahl geheimer Vatikan-Dokumente wird der päpstliche Ex-Kammerdiener Paolo Gabriele zu 18 Monaten Haft verurteilt. Der Papst begnadigt ihn kurz vor Weihnachten.

  • 24. Oktober 2012

    Die Piusbruderschaft schließt den umstrittenen Bischof Williamson aus.

  • 12. Dezember 2012

    Der Papst wendet sich erstmals über den Kurznachrichtendienst Twitter an Gläubige. Quelle: dpa

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