27.02.13

Rudyard Kipling

50 Gedichte des "Dschungelbuch"-Autors entdeckt

"Rudyard Kipling muss neu erforscht werden": Ein amerikanischer Literaturwissenschaftler fand 50 bislang unbekannte Gedichte des Nobelpreisträgers, unter anderem bei Renovierungsarbeiten in Manhattan.

Von Iris Alanyali
Foto: picture-alliance / dpa

„Das Dschungelbuch“: Mit der Disney-Verfilmung von 1967 seines Kinderbuchklassikers um die Abenteuer des Menschenkindes Mogli wurde Rudyard Kipling einem Millionenpublikum bekannt
"Das Dschungelbuch": Mit der Disney-Verfilmung von 1967 seines Kinderbuchklassikers um die Abenteuer des Menschenkindes Mogli wurde Rudyard Kipling einem Millionenpublikum bekannt

Der amerikanische Literaturwissenschaftler Thomas Pinney beschäftigt sich seit Jahren mit der Erforschung und Rehabilitierung des wegen seines Kolonialismus' umstrittenen Schriftstellers Rudyard Kipling.

Recherchearbeiten ließen den emeritierten Professor der University of California zuletzt an unterschiedlichsten Orten fündig werden: In alten Familienpapieren, während der Renovierungsarbeiten eines Wohnhauses in New York und im Nachlass eines Vorstands der Kreuzfahrtlinie Cunard Line entdeckte Pinney insgesamt 50 bislang unbekannte Gedichte des englischen Nobelpreisträgers.

Sie wurden bereits der ersten kompletten Gesamtausgabe von Kiplings Lyrik zugefügt, die im März bei der Cambridge University Press erscheinen soll und über 1300 Gedichte enthält.

Wie lange das dreibändige Werk als vollständig gelten kann, ist allerdings fraglich: "Aus politischen Gründen wurde Kipling von der Wissenschaft lange vernachlässigt", sagt Pinney. "Sein Werk wurde nie richtig erforscht, aber das ändert sich langsam." Er selbst habe unlängst wieder ein bislang unbekanntes Werk Kiplings gefunden, und so werde es noch eine Zeit lang weitergehen: "Das ist eine extrem spannende Zeit für Wissenschaftler und Fans."

Zu simpel für die Wissenschaft

Kipling, 1865 in Bombay geboren, wuchs bei Pflegeeltern in England auf, bevor er mit 16 wieder nach Indien zurückkehrte. Sein wohl berühmtestes Werk, den Roman "Das Dschungelbuch", schrieb er in Amerika, wo er mehrere Jahre lebte, bevor er sich wieder in England niederließ. 1907 wurde ihm als bis dato jüngstem und erstem englischen Schriftsteller der Nobelpreis verliehen. 1936 starb er an einer Gehirnblutung.

Neben Romanen wie "Kim" schrieb Kipling zahlreiche Kurzgeschichten und Gedichte - die Zeilen aus "The White Man's Burden" sind zur viel zitierten Metapher eines schöngefärbten Imperialismus' geworden, mit dem Kipling die Erziehung "unzivilisierter" Eingeborener zur schweren Aufgabe der Weißen verkläre.

"Die Imperialismus-Angelegenheit macht die Sache natürlich noch schwieriger", sagte Linda Bree, Lektorin der Cambridge University Press, denn auch dem britischen "Guardian" über die Vernachlässigung von Kiplings in England immens populären Gedichten durch die Wissenschaft: "Ich persönlich glaube, dass es daran liegt, dass die Gedichte so simpel sind. Sie beschreiben oft einfache Szenen, vielleicht haben Forscher deshalb immer gerne die Finger davon gelassen."

Auch unter den neu entdeckten Fundstücken seien viele "sehr gefühlvolle kleine Gedichte über den Krieg, über seine große Sympathie für den einfachen britischen Soldaten und seinen Ärger über Ämter und Behörden." Auch kurze Momentaufnahmen seien darunter, die Kipling zum Beispiel auf langen Schiffsfahrten geschrieben und wahrscheinlich seinen Mitreisenden zur Unterhaltung vorgelesen habe.

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