25.02.13

"heute-show"

Kardinal Meisners sexistischer Ausrutscher

Die "heute-show"-Komikerin Carolin Kebekus wollte nicht viel vom Kölner Kardinal Meisner – nur Unterstützung bei ihrer Bewerbung als Päpstin. Seine Antwort geriet peinlich, was danach kam noch mehr.

Die Geistlichkeit der Welt hat es nicht mit Satire. Das ist nicht neu. Der Islam mag es nicht, wenn über den Koran gelacht werden soll, und radikale Islamisten reagieren gereizt, wenn Mohammed durch den Kakao gezogen wird, wie zuerst 2006. Da druckte die dänische Zeitung "Jyllands Posten" ihre Mohammed-Karikaturen und brauchte anschließend jahrelang Polizeischutz.

Auch Christen neigen bei Prophetenschelte zu Intoleranz. Als die englische Komikergruppe Monty Python den Film "Leben des Brian" herausbrachte, riefen viele christliche Kirchen zum Boykott auf. Eine Riesendebatte zu den Grenzen der Meinungsfreiheit folgte. Das war 1979.

Viel spaßtoleranter ist die Kirche seither offenbar nicht geworden. Am Freitag zeigte der Kölner Kardinal Meisner, dass er eher keine Kölner Frohnatur ist. Was passierte?

Geplant war Satire. Die Komikerin Carolin Kebekus hatte sich dem Kardinal bei einer Pressekonferenz genähert – und zwar im Auftrag des ZDF. Kebekus sagte, sie interessiere sich für Aufstiegschancen von Frauen in der katholischen Kirche. Sie habe die Absicht, so präzisierte sie, sich um die vakante Stelle des Papstes zu bewerben. Kebekus hatte eine Bewerbungsmappe dabei.

Kirche versteht keinen Spaß

Es handelte sich bei Kebekus' Recherche um einen Dreh für das ZDF-Format "heute-show". Vermutlich meinte sie es nicht ernst.

Kebekus versuchte nun, Meisner ihre Mappe in die Hand zu drücken. Sie ging dabei nicht unforsch vor, was die schwarzbekittelten Adlaten des Kardinals alarmierte. Schnell kamen sie herbei und versuchten, Frau Kabekus aus der Reichweite von Hochwürden zu drängen.

Aber Meisner selbst machte es ihnen schwer. Er hatte es rheinländisch-jovial zugelassen, dass die Journalistin ihm ihr orangefarbenes Mikrofon unter die Nase hielt und ihr Anliegen vortrug. Die Übergabe der Mappe konnten sie nun immerhin verhindern. "Ich möchte gern Päpstin werden", rief Kebekus ihm nach.

Peinlich, peinlicher, oberpeinlich

Ab diesem Moment wurde es dann peinlich. Denn jetzt wurde der Kardinal grob, eigentlich sogar anzüglich.

Er sagte: "Da haben Sie nicht die Figur dazu."

Das war zweifellos eine gute Antwort – jedenfalls im Sinne einer Satiresendung. Sie sei zwar vermutlich zu fett für den Papst-Posten, erläuterte Kebekus anschließend. Aber immerhin fülle sie "ein Dirndl aus".

Bis hierhin war es nur peinlich. Ab dann wurde es allerdings oberpeinlich. Denn die katholische Kirche schickte sich an, die Satire aus der Welt schaffen zu wollen. Und zwar so: Im Anschluss an den Altherren-Ausrutscher des Kardinals soll ein Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz beim ZDF angerufen und versucht haben, die Ausstrahlung der Szene zu verhindern.

Der Versuch misslang. Im ZDF ließen sie sich nicht drängen. Sie strahlten die Sequenz aus und riefen danach den "Spiegel" an, der die versuchte Einflussnahme süffisant meldete.

Angelegenheit ist erledigt

Später gab es dann auch noch eine öffentliche Darstellung der katholischen Kirche – diesmal gegenüber der Deutschen Presseagentur.

"In der Pressekonferenz war das Verhalten des ZDF-Teams gegenüber Kardinal Meisner unfair und bedrängend", ließ Meisners Sprecher Matthias Kopp am Sonntag mitteilen. "Deshalb habe ich vor Ort das Team gebeten, von der Ausstrahlung der Bilder abzusehen. Eine sachliche Pressekonferenz zu nutzen, um Satire zu produzieren, ist unangemessen."

Wie gesagt, Geistlichkeit und Satire passen nicht immer gut zusammen. Zwei kleine Unterschiede zu 1979 gibt es aber doch. Erstens wurde die Sendung ausgestrahlt und es gab keine Boykotte und keine Demonstrationen. Zweitens erklärte die katholische Kirche: "Für uns ist die Angelegenheit im übrigen erledigt."

Sehen Sie den Mitschnitt der Sendung auch hier.

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