25.02.2013, 10:30

Geoforschung Mauritia – der Mikrokontinent im Indischen Ozean


Die geologische Formation, die sich von den Inseln Mauritius und Réunion (großer roter Kreis) in einem Bogen bis zu den Seychellen (kleiner roter Kreis) erstreckt, haben Forscher als Überreste eines Minikontinents identifiziert

Foto: Google earth

Forscher haben die Erdkruste im Indischen Ozeans untersucht: Dabei identifizierten sie unter den Inseln Mauritius und Réunion Reste eines Minikontinents, der sich bis zu den Seychellen erstreckt.

Im Indischen Ozean schlummern unter den Inseln Mauritius und Réunion Überreste eines Mikrokontinents. Unter Lavagestein entdeckte ein internationales Forscherteam um Trond Torsvik von der Universität Oslo ein Kontinentalfragment, das sie im Fachblatt "Nature Geoscience" Mauritia nennen.

Der Kleinkontinent löste sich demnach vor 60 bis 80 Millionen Jahren, als die Landmassen von Madagaskar und Indien auseinanderdrifteten.

Die Forscher untersuchten Lava-Sand von Stränden auf Mauritius und fanden darin kleine Körner von Zirkon-Mineralen. Die ältesten davon waren etwa zwei Milliarden Jahre alt.

"Wir nehmen an, dass die Zirkone von alten Fragmenten eines Kontinents unterhalb von Mauritius stammen und dass sie durch Lava an die Oberfläche gebracht wurden", schreiben die Wissenschaftler, darunter ein Mitarbeiter vom Deutschen GeoForschungsZentrum (GFZ) in Potsdam.

Verräterische Dicke der Erdkruste

Mit Gravitationsmessungen untersuchte das Team dann die Dicke der Erdkruste in Teilen des Indischen Ozeans. Dabei entdeckten sie ein bogenförmiges Gebiet, in dem die Erdkruste 25 bis 30 Kilometer dick ist und das von Mauritius bis zu den Seychellen reicht.

Dies sei typisch für eine kontinentale Erdkruste, während die Kruste im Indischen Ozean sonst nur fünf bis zehn Kilometer messe. Ebenfalls bis zu 30 Kilometer tief reicht die Erdkruste unter den Inselgruppen vor dem indischen Subkontinent wie den Lakkadiven oder Malediven.

Vor etwa 170 Millionen Jahren brach der Osten des Urkontinents Gondwana auseinander, wobei aus dem Bruchstück unter anderem Madagaskar und Indien entstanden. Den Forschern zufolge löste sich Indien vor etwa 60 bis 80 Millionen Jahren von Madagaskar und driftete nach Nordosten.

Hotspot trieb Abspaltung an

Angetrieben wurde die Abspaltung unter anderem durch aufsteigende Magma eines sogenannten Hotspots bei Réunion, die die kontinentale Kruste durchdrang.

Vulkanisches Gestein habe Mauritia und womöglich auch andere kontinentale Fragmente überdeckt, schreiben die Forscher. Mit Tiefenbohrungen wollen sie weitere Erkenntnisse über Mauritia gewinnen.

(dpa/oc)
Bleiben Sie informiert:
Die Berliner Morgenpost in sozialen Netzwerken.
Folgen Sie uns auf Twitter