24.02.13

Studiengebühren

Hochschulen fordern Geld für jeden Studenten

Nach der Einigung in Bayern über Abschaffung der Studiengebühren fordern die Hochschulrektoren eine vollständige Kompensation auch in Zukunft. Sie sind sicher: Die Gebühren-Debatte wird wiederkommen.

Von Thomas Vitzthum
Foto: dpa

Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Seehofer (CSU) : Eigentlich waren sowohl FDP als auch CSU in Bayern noch vor nicht allzu langer Zeit für Studiengebühren. Doch im Wahljahr kann es sich schnell rächen, seinen Überzeugungen zu folgen
Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) und Seehofer (CSU) : Eigentlich waren sowohl FDP als auch CSU in Bayern noch vor nicht allzu langer Zeit für Studiengebühren. Doch im Wahljahr kann es sich schnell rächen, seinen Überzeugungen zu folgen

Der Präsident der Hochschulrektorenkonferenz (HRK), Horst Hippler, hat den Beschluss der schwarz-gelben Koalition in Bayern bedauert, die Studiengebühren abzuschaffen. "Diejenigen, die später die größten Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, sollten mit Studienbeiträgen an ihrer Ausbildung beteiligt werden", sagte Hippler im Gespräch mit der "Welt".

Er forderte Bayern und die übrigen Bundesländer, die die Gebühren bereits in den vergangenen Jahren abgeschafft hatten, auf, die Ausfälle vollständig auszugleichen: "Die Höhe der Kompensation muss sich dynamisch der steigenden Studierendenzahl anpassen. Die Hochschulen sind auf dieses Geld angewiesen."

Einigung durch Zugeständnisse an FDP

CSU und FDP hatten sich am Wochenende in München geeinigt, die Gebühren von 500 Euro pro Semester schon im Wintersemester 2013/14 zu streichen. Die Ausfälle sollen den Hochschulen aus dem Haushalt erstattet werden. Die Entscheidung wird im Landtag fallen. SPD und Grüne treten bereits seit Langem für die Abschaffung ein.

Die Liberalen gaben ihren Widerstand auf, nachdem Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) zusätzliches Geld für die Schuldentilgung und ein umfängliches Bildungspaket zusagt hatte, wie von Landeschefin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger gefordert. Profitieren sollen etwa die Eltern von Kindergarten-Kindern, indem die Gebühren für das zweite Jahr gesenkt werden.

Kostenfreie Kitas wichtiger als Unis?

Im Interview mit der "Welt" begrüßte Nordrhein-Westfalens Schulministerin Sylvia Löhrmann (Grüne) diese Entscheidung: "Ziel ist, dass Bildung insgesamt beitragsfrei wird. Zugangshürden in der Bildung müssen überall vermieden werden." Auch HRK-Chef Hippler plädiert dafür, den Einstieg in die Bildungslaufbahn kostenlos zu gestalten: "Die Verantwortung des Staates ist am Anfang der Bildungswege viel wichtiger. Kindergärten sollten kostenlos sein, nicht Hochschulbildung. Darüber sollte es keine Diskussion mehr geben."

Hippler ist überzeugt, dass die Gebührendiskussion bereits in wenigen Jahren wieder beginnen wird. Die Schuldenbremse werde die Länder zwingen, sich erneut mit dieser Frage zu beschäftigen. Wenn es dazu kommt, solle man über nachlaufende Beiträge nachdenken. Diese würden dann anfallen, wenn die Absolventen bereits Geld verdienen.

In der vergangenen Woche hatte die neue rot-grüne Regierung in Niedersachsen angekündigt, die Studiengebühren in dem Land schnellstmöglich abzuschaffen. Nun folgt Bayern als letztes Bundesland. Damit sind die Studienbeiträge in Deutschland kaum zehn Jahre nach ihrer Einführung bereits wieder Geschichte.

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