24.02.13

NSU-Terror

Verfassungsschutz zahlte 180.000 Euro an Neonazi

Der Verfassungsschutz hat einen Mann 18 Jahre lang bezahlt, um in der rechtsextremistischen Szene zu spitzeln. Der Mann mit dem Decknamen "Corelli" ist ein Bekannter des NSU-Mitglieds Uwe Mundlos.

Foto: dpa
Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen
Der neue Verfassungsschutz-Präsident Hans-Georg Maaßen

Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat einem V-Mann aus dem NSU-Umfeld nach Informationen der "Bild am Sonntag" rund 180.000 Euro Honorar gezahlt. Das belegen nach Angaben der Zeitung Verfassungsschutzakten, die dem NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages zugingen. Es handele sich um die bisher größte bekanntgewordene Summe für einen V-Mann.

Es geht um einen Neonazi aus Sachsen-Anhalt, der unter dem Decknamen "Corelli" jahrelang für den Verfassungsschutz in der rechtsextremen Szene gespitzelt haben soll. Sein Name fand sich in einem Adressbuch des Rechtsterroristen und NSU-Mitglieds Uwe Mundlos. Laut "Bild am Sonntag" wurde "Corelli" erst im November 2012 vom Geheimdienst abgeschaltet und in einem Zeugenschutzprogramm untergebracht. Seither lebe er mit neuer Identität in England.

"Corelli" spionierte dem Blatt zufolge 18 Jahre lang für den Verfassungsschutz in der rechtsextremistischen Musikszene, berichtete aber auch über den deutschen Ableger des Ku-Klux-Klan. Er sei auch zu einem Treffen des rassistischen Geheimbunds in die USA eingeladen wurde. Die Reisekosten habe der Verfassungsschutz gezahlt.

Opposition kritisiert V-Mann-Einsatz

Der Verfassungsschutz äußerte sich auf Anfrage der "Bild am Sonntag" nicht zu "Corelli". Der Vorsitzende des Parlamentarischen Kontrollgremiums im Bundestag, Thomas Oppermann (SPD), hält die Höhe der Honorare und die Dauer des V-Mann-Einsatzes für "hoch problematisch". "Der zuständige Innenminister Hans-Peter Friedrich muss erklären, wieso "Corelli" so viel Geld kassierte. Niemand darf allein von seiner Tätigkeit als V-Mann leben", sagte er der Zeitung.

Oppermann fordert ein V-Mann-Gesetz. "Bisher spielt das alles in einem rechtsstaatlichen Graubereich. Wir brauchen endlich klare gesetzliche Grundlagen für den Einsatz von Informanten."

Quelle: dpa/tma
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