23.02.13

Nordische Ski-WM

Björgen gewinnt zehntes Gold, Deutsche chancenlos

Die norwegischen Langläuferinnen laufen bei der nordischen WM in ihrer eigenen Liga. Marit Björgen feierte im Skiathlon schon ihr zweites Gold 2013, bei den Männern siegte ein Schweizer.

Foto: dpa
Marit Björgen
Marit Björgen feiert im Ziel von Val di Fiemme ihre Goldmedaille im Skiathlon

Tobias Angerer biss, rackerte und kämpfte, doch am Ende reichte es für den Skilanglauf-Routinier statt der erträumten WM-Medaille nur zu einem Achtungserfolg: Der 35 Jahre alte Vachendorfer musste sich beim Skiathlon-Triumph des Schweizers Dario Cologna trotz eines ganz starken Rennens mit Platz neun begnügen. Zuvor waren die deutschen Frauen beim zehnten Titelgewinn von Norwegens Ausnahmeläuferin Marit Björgen chancenlos geblieben.

"Die Top 10 waren das Ziel, letztlich war aber mehr drin", sagte Altmeister Angerer, nachdem er auf dem 3,4 km langen Kurs in Lago di Tesero lange das Geschehen mitbestimmt hatte und erst dem finalen Antritt des von lauten Kuhglocken der Fans angetriebenen Cologna zum Opfer gefallen war. "Ich habe mich in Positionskämpfen dumm angestellt, das muss ich selbstkritisch sagen", sagte Angerer, den letztlich 12,4 Sekunden von Cologna und 10,4 von einer Medaille trennten.

Bundestrainer Frank Ullrich war dennoch mit seinem Routinier zufrieden: "Top 10 ist ein gutes Ergebnis. Tobi war zum Schluss ein wenig eingeklemmt, da hat das Quäntchen gefehlt." Einen starken Auftritt legte bei seiner zweiten WM auch Hannes Dotzler hin, der zur Halbzeit als Zweiter die Skier wechselte und letztlich mit nur 33,2 Sekunden Rückstand auf den Schweizer Sieger Platz 24 belegte. Jens Filbrich (Frankenhein) und Andy Kühne (Oberwiesenthal) landeten auf den Plätzen 34 und 47. "Ich habe am Anfang zweimal meinen Stockteller verloren und musste mit einem zehn Zentimeter längeren Stock laufen", sagte Filbrich.

Im Frauen-Rennen hatte sich zuvor Nicole Fessel als beste Deutsche mit Rang 22 begnügen müssen. "Ich bin natürlich nicht zufrieden, hatte mir hier mehr erhofft. Nach der ersten Runde bin ich blau gegangen und habe mich irgendwie ins Ziel gerettet", sagte Fessel, immerhin WM-Siebte von Olso 2011. Kathrin Zeller, die 25. wurde, erlebte Ähnliches: "In Runde eins habe ich mitgehalten, dann kam die Blaumeise." Sandra Ringwald kam als dritte Deutsche auf Platz 51.

Norwegischer Vierfach-Triumph

Björgen stand bei ihrem bereits zehnten WM-Titel an der Spitze eines norwegischen Vierfach-Triumphs. Hinter der 32-Jährigen Ausnahmeathletin holten Therese Johaug (3,4 Sekunden zurück) und Heidi Weng (+14,9) Silber und Bronze, die polnische Mitfavoritin Justyna Kowalczyk wurde hinter Kristin Steira Störmer nur Fünfte.

Den totalen Triumph des Team Norge verhinderte danach Gesamtweltcupsieger Cologna, der nach einer bravourösen Attacke in der entscheidenden Phase letztlich vor drei Norwegern landete und sein erstes WM-Gold holte. Martin Sundby (+1,8) und Sjur Roethe (+2,0) sicherten sich Silber und Bronze, Titelverteidiger Petter Northug (Norwegen) wurde Vierter, Schwedens Olympiasieger Marcus Hellner landete nur auf Platz acht. Der für Togo startende Münchner Gervacio "Jayjay" Madja kam keine 3000 Meter weit, ehe er überrundet wurde und ausschied.

Das Damenrennen hatte das Team Norge zuvor vor den Augen von Ministerpräsident Jens Stoltenberg nach Belieben bestimmt. Fessel begann zwar couragiert und lief die ersten zwei Kilometer in der Spitzengruppe, musste dann aber schnell abreißen lassen

Björgen, die in diesem Winter wegen Herzrhythmusstörungen mehrere Wochen pausieren musste, liegt in der "ewigen" WM-Bestenliste der Langläuferinnen nur noch einen Titel hinter der Russin Larissa Lasutina. Die führende Jelena Wälbe (14 Titel), ebenfalls aus Russland, könnte Björgen erst bei der WM 2015 in Falun/Schweden erreichen.

Quelle: sid/jr
22.02.13 0:58 min.
Skispringen ist nicht nur Männersache. Freitag geht es für die Frauen um WM-Gold, Sonntag im Mixed mit den Männern. Im Video-Tagebuch berichtet "Welt"-Reporterin Melanie Haack aus Val di Fiemme.
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