22.02.13

Arzneimittel

Sieben Fragen, sieben Antworten zur "Pille danach"

Die katholische Kirche ist nicht mehr grundlegend gegen die "Pille danach" für vergewaltigte Frauen. Das Medikament führe nicht zum Abbruch der Schwangerschaft. Doch wie wirkt das Präparat eigentlich?

Foto: pa

Die deutschen Bischöfe billigen die nachträgliche Verhütung für Vergewaltigungsopfer. Sie reagierten damit auf die öffentliche Diskussion nach der Abweisung einer vergewaltigten Frau in zwei Kölner katholischen Kliniken
Die deutschen Bischöfe billigen die nachträgliche Verhütung für Vergewaltigungsopfer. Sie reagierten damit auf die öffentliche Diskussion nach der Abweisung einer vergewaltigten Frau in zwei Kölner katholischen Kliniken

Die katholischen Bischöfe in Deutschland sprechen sich nicht mehr grundsätzlich gegen die "Pille danach" für vergewaltigte Frauen aus. Kirchliche Einrichtungen sollen sie verabreichen dürfen, um die Befruchtung einer Eizelle zu verhindern – nicht aber, um eine befruchtete Eizelle abzustoßen.

Wie wirkt die "Pille danach"?

Im Notfall stehen in Deutschland zwei Präparate zur Verfügung: Pidana mit dem Wirkstoff Levonorgestrel und ellaOne mit dem Wirkstoff Ulipristalacetat. Beide unterdrücken oder verzögern den Eisprung. Sie verhindern dadurch eine Befruchtung, wenn es vor dem Eisprung zum Geschlechtsverkehr gekommen ist. Es wird jeweils eine Tablette genommen. Um den Eisprung herum ist die Wahrscheinlichkeit für eine Schwangerschaft am höchsten.

Wie lange wirken die Medikamente?

Je mehr Zeit nach dem ungeschützten Sex vergeht, desto weniger wirksam ist die "Pille danach". Sie sollte also so schnell wie möglich genommen werden. Die Pille mit dem Wirkstoff Levonorgestrel muss spätestens 72 Stunden (drei Tage) danach genommen werden. Nach 24 bis 48 Stunden ist sie nur noch zu 85 Prozent wirksam und danach nur noch zu 58 Prozent. Ulipristalacetat wirkt etwas länger, muss aber spätestens 120 Stunden (fünf Tage) danach genommen werden.

Gibt es einen 100-prozentigen Schutz vor Schwangerschaft?

Nein, nicht nur wegen der nachlassenden Wirkung. Auch die gleichzeitige Einnahme beispielsweise von Antibiotika, Antidepressiva, Mitteln gegen Epilepsie und Arzneien mit Johanniskraut kann die Wirksamkeit mindern. Nach Angaben des Frauenärzte-Verbandes ist aber bei der Hälfte der Frauen nach ungeschütztem Sex gar keine "Pille danach" nötig, weil sie nicht in ihrer fruchtbaren Phase sind.

Führt die "Pille danach" zu einem Schwangerschaftsabbruch?

Nein. Hat sich die Eizelle bereits in die Gebärmutter eingenistet, wirkt die Pille nicht mehr. Sie führt auch nicht zum Abbruch der Schwangerschaft und ist damit nicht mit einem medikamentösen Schwangerschaftsabbruch vergleichbar.

Kann sie als normales Verhütungsmittel verwendet werden?

Nein. Die "Pille danach" ist ein hoch wirksames Hormonpräparat und kein reguläres Verhütungsmittel. Es sollte nur im Notfall eingenommen werden. Ihre Sicherheit ist zudem nicht mit anderen hormonellen Verhütungsmitteln zu vergleichen. Auch liegt zum Beispiel die Dosis von Levonorgestrel beim 15-fachen der üblichen Tagesdosis von Antibabypillen.

Welche Nebenwirkungen können auftreten?

Es kann zu Blutungen, Übelkeit und Erbrechen, Schwindel, Schmerzen im Unterbauch und Kopfschmerzen kommen. Die Pille muss von Ärzten verschrieben werden. Zu bekommen ist sie beim Frauenarzt, am Wochenende und Feiertagen auch beim Notdienst oder in der ärztlichen Ambulanz im Krankenhaus.

Was ist, wenn eine Frau trotzdem schwanger wird?

Sie kann sich an ihren Frauenarzt oder eine Schwangerschaftsberatungsstelle wenden. Wer einen Abbruch in Erwägung zieht, muss ein Gespräch bei einer anerkannten Schwangerschaftskonflikt-Beratungsstelle führen. Ein Beratungsschein ist Voraussetzung dafür, dass der Abbruch in den ersten zwölf Wochen straffrei bleibt.

Quelle: AFP/oc
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Heute ist die Pille für Millionen Frauen ein sehr sicheres Verhütungsmittel. Kritiker warnten aber vehement vor einem moralischen Verfall als sie auf den Markt kam.

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