18.02.13

"Absolute Mehrheit"

Was Stefan Raab zur CSU-Politikerin Bär sagen darf

Der Kandidat für das Kanzler-TV-Duell läuft sich warm: In der zweiten Folge seiner Show "Absolute Mehrheit" hat Stefan Raab einen Vorgeschmack auf die große Polit-Show geliefert.

Foto: dpa

Bei Raabs Talkshow „Absolute Mehrheit“ waren dabei (v.l.n.r.): Die Vize-Generalsekretärin der CSU, Dorothee Bär, die Frauenpolitische Sprecherin der Partei Die Linke, Yvonne Ploetz, Moderator Stefan Raab sowie Linda Teutenberg, Mitglied des Bundesvorstandes der FDP, die Kinder- und Familienpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen, Katja Dörner und der Musiker Olli Schulz.

2 Bilder

Raab saß auf dem Sofa wie ein Cowboy: breitbeinig, zurückgelehnt, ein Grinsen im Gesicht, ab und zu ein flotter Spruch. "Darf ich Doro sagen?", fragte er CSU-Politikerin Dorothee Bär anfangs feixend, sprach sodann gönnerhaft von den "Ladys" auf seinem Podium und witzelte später, ihn habe bei Karl-Theodor zu Guttenberg nicht die Plagiatsaffäre schockiert, sondern vielmehr die fehlende Brille nach dessen USA-Aufenthalt.

Schön und gut, bei Raab ist Politik auch Show, daraus macht der 46-Jährige keinen Hehl. Bei ihm darf Politik unterhalten, und sie kann sogar verhältnismäßig reich machen.

Das Konzept der Sendung auf ProSieben: Welcher Gast per Zuschauer-Voting mehr als 50 Prozent der Stimmen für seinen Auftritt auf sich vereint, bekommt 200.000 Euro. Die Zuschauer wiederum können ein nagelneues Auto gewinnen. Jedenfalls für 50 Cent pro Anruf oder SMS.

Allein das dürfte die Kassen des Senders und von Moderator Raab ganz gut gefüllt haben. Schon bei der ersten Sendung von "Absolute Mehrheit – Meinung muss sich wieder lohnen" im November hatten immerhin 18,3 Prozent der 14- bis 49-jährigen Zuschauer eingeschaltet; ein gutes Vorzeichen auch für die aktuelle Folge. Nicht nur finanziell hat sich die Show in erster Linie für Raab selbst gelohnt statt für die teilnehmenden Politikerinnen.

Der Abend stand unter dem Motto "Ladies Night". Nacheinander wurden drei Themen durchgearbeitet: die Frauenquote, die Moral in der Politik und steigende Mieten in großen Städten. Vier der fünf Gäste waren weiblich: Neben Dorothee Bär war Grünen-Abgeordnete Katja Dörner gekommen, außerdem Yvonne Ploetz (Die Linke) und Linda Teuteberg von der FDP. Der einzige Mann in der Runde neben Raab: Musiker Olli Schulz.

Im Vorfeld – und auch in den sozialen Medien während der Sendung – ging es allerdings nicht um deren Argumente, sondern vielmehr um den Auftritt von Raab.

Erste inoffizielle Qualifikationsrunde

Seit Bayerns Ex-Ministerpräsident Edmund Stoiber (CSU), Vorsitzender des Beirats der ProSiebenSat.1 Media AG, Raab vor einigen Tagen als möglichen Moderator für das TV-Duell vor der Bundestagswahl ins Spiel gebracht hatte, steht die Frage im Raum: Kann der das?

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück fand dies zunächst nicht, immerhin sei Politik ein "ernstes Geschäft" und "keine Unterhaltungssendung". Doch dann die Kehrtwende: Wenn auch Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) mit Raab einverstanden sei, "wird es so geschehen", hatte sich Steinbrück korrigiert. ProSiebenSat.1 verkündete daraufhin, Raab werde für die Sendergruppe das TV-Duell moderieren. Das soll vor allem junge Leute für Politik interessieren – ein erklärtes Ziel, das auch Raab mit seinem Polit-Talk hat.

Auch wenn das Wort "TV-Duell" in der Sendung kein einziges Mal gefallen ist, war sie Raabs erste inoffizielle Qualifikationsrunde. Was im Vergleich zu anderen Talkern von Günther Jauch bis Sandra Maischberger angenehm auffällt: Es gab kein Durcheinandergerede.

Zudem gelang es Raab, sich deutlich mehr durch kritische, wenn manchmal auch flapsig vorgebrachte Zwischenfragen zu profilieren als seine Kollegen bei den öffentlich-rechtlichen Sendern.

Das mag an seiner guten Vorbereitung liegen. Oder daran, dass man den Sprücheklopfer Raab im Allgemeinen eher unterschätzt. In seinem Polit-Talk ist es ihm trotz aller Witze und der permanenten Einblendung der Gewinnspiel-Rufnummer gelungen, hartnäckig zu bleiben – etwa als er die stets ausweichende Linke-Politikerin Ploetz darauf festzunageln versuchte, ob Linke-Fraktionschef Gregor Gysi zurücktreten müsse, wenn sich der Verdacht auf eine Stasi-Mitarbeit bewahrheiten sollte.

"Heckenschützentum und Denunziantentum"

Eine wirkliche Diskussion kam allerdings fast nie zustande während der Sendung. Kaum hatte jeder sein Eingangsstatement zu einem Thema abgegeben, musste Raab abbrechen und zum nächsten überleiten – oder den kommenden Werbeblock ankündigen.

Am meisten Austausch gab es noch bei der Moral-Debatte. "Wulff, Brüderle, Schavan – muss man sich über alles und jeden aufregen?", wollte Raab wissen. Olli Schulz, der in der Runde recht fehl am Platze wirkte, meinte: "Ich glaube, es gibt in jeder Partei Arschlöcher."

Etwas qualifizierter äußerte sich FDP-Politikerin Teuteberg: "Im Moment gibt es eine ziemliche Hysterie bei manchen Themen." Was sie zudem störe, sei ein stärker werdendes "Heckenschützentum und Denunziantentum" im Politikbetrieb.

Außenseiterin gewinnt

Als Landtagsabgeordnete in Brandenburg war Teuteberg unter den drei Bundespolitikerinnen zumindest karrieretechnisch das kleinste Licht – tat sich argumentativ aus Sicht der Zuschauer aber am meisten hervor. Für sie hat sich der Auftritt bei Raab gelohnt. Nach jedem der drei Themenblöcke führte sie das Ranking an und gewann am Ende, denn auf sie entfielen die meisten Stimmen. Allerdings waren es nur 39,9 Prozent und keine 50 – für den Geldpreis hat es also nicht ganz gereicht.

Für Dorothee Bär übrigens auch nicht. Auf Raabs Eingangsfrage, ob er "Doro" sagen dürfe, hatte sie geantwortet: "Wenn's Stimmen bringt, dürfen Sie alles zu mir sagen!" Das Gelächter war zwar groß, der Nutzen jedoch nicht.

Und so heißt der echte Gewinner von "Absolute Mehrheit" am Ende Stefan Raab. Die Debatte über seinen Einsatz im TV-Duell wird nach der Sendung so schnell nicht abbrechen – und ist weiterhin beste PR für die nächste Folge. Die ist übrigens nicht erst in drei Monaten, sondern schon für Ende März geplant.

Das sagten Stefan Raabs Gäste

Dorothee Bär,

Vize-Generalsekretärin der CSU:

 

Wenn's Stimmen bringt,

dürfen Sie alles zu mir sagen.

Katja Dörner,

Kinder- und Familienpolitische Sprecherin

 von Bündnis 90/Die Grünen:

 

Die Quote ist ein wichtiges Instrument,

um Frauen zu motivieren, sich etwas zuzutrauen.

Linda Teuteberg,

Mitglied des Bundesvorstandes der FDP:

 

Als Liberale bin ich für Wettbewerb und Vertragsfreiheit.

Die Unternehmen müssen deshalb selbst

über Frauen in ihren

 Führungsetagen entscheiden können.

Yvonne Ploetz,

Frauenpolitische Sprecherin

 der Partei Die Linke:

 

Politikerinnen und Politiker

 müssen vor allem eins sein:

ehrlich.

Olli Schulz,

Musiker:

 

Ich glaube, es gibt in jeder Partei Arschlöcher.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Mehr Obst und Gemüse: Viele Schulen wünschen sich gesünderes Essen für ihre Schüler
07:16Schulessen
Berliner Senat verdirbt Eltern den Appetit

Die Reform des Schulessens wird am Donnerstag im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses abgestimmt. Eltern sollen künftig 37 Euro statt 23 Euro zahlen. Sie hoffen jetzt auf eine soziale Staffelung. mehr...


Die 13.000 BVG-Beschäftigten können sich über ein Lohnplus von knapp 4,8 Prozent in zwei Jahren freuen
07:16Kommentar
Die BVG ist einen bemerkenswerten Kompromiss eingegangen

Die Berliner Verkehrsbetriebe und die Gewerkschaften haben sich rasch auf einen neuen Tarifabschluss geeinigt. Nun ist die Landespolitik gefordert, die sich klar zu ihrer BVG bekennen muss. mehr...


Am Dienstagnachmittag gegen 17.30 Uhr wurde 82 Jahre alter Mann in einer Supermarkt-Filiale erstochen
07:14Mord an Fleischtheke
Verdächtiger wird voraussichtlich in Psychiatrie eingewiesen

Nach der tödlichen Messerattacke auf einen 82-Jährigen in einer Kaufland-Filiale im Wedding muss geklärt werden, ob der mutmaßliche Täter voll schuldfähig ist. Sein Motiv ist weiterhin unklar. mehr...


Am Tatort im Londoner Viertel Woolwich rekonstruieren Ermittler den Tathergang und betreiben Spurensicherung
10:27London
Islamisten köpfen Mann auf offener Straße mit Machete

Zwei Männer mit Messern, Machete und Fleischerbeil bringen in London einen Mann um. Mitten am Tag, mitten auf der Straße. Danach unterhalten sich die Täter mit Passanten und warten auf die Polizei. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
 
Top-Thema
title
Start-ups in Berlin

Gründerzeit: Die Serie und das Blog der Berliner Morgenpost.

Video Nachrichten mehr
Queen of Soul Aretha Franklin braucht eine kleine Auszeit
USA Bär spaziert durch Vorort von Los Angeles
London Islamisten töten britischen Soldaten
DW In Norditalien kommt die Erde nicht zur Ruhe
 
Top Bildershows mehr
Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Bilder von oben

Das zerstörte Oklahoma City aus der Luft

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote