17.02.13

Umkämpfter Automarkt

Der Streit über das Q – Audi verklagt die Chinesen

Die VW-Tochter lässt dem chinesischen Autobauer Qoros den Namen GQ3 untersagen. In der Branche heißt es, die Europäer seien wegen der Konkurrenz aus Fernost nervös. Audi hat eine andere Erklärung.

Foto: Qoros

Qoros – Der Designchef Gert Hildebrand will einfach nur solide, konkurrenzfähige Autos ohne Extravaganzen
Qoros – Der Designchef Gert Hildebrand will einfach nur solide, konkurrenzfähige Autos ohne Extravaganzen

Sie haben immer wieder ihre weltweite Offensive angekündigt, die chinesischen Automobilhersteller. Geworden ist daraus, abgesehen von empfindlichen Fehlschlägen von Marken wie Brilliance oder Landwind, bislang nichts. Doch nun nehmen die Autobauer aus Fernost einen neuen Anlauf: Der Hersteller Qoros will auf dem Genfer Autosalon Anfang März den ersten Chinakracher für die Weltmärkte präsentieren.

Hinter Qoros stehen erfahrene Automanager aus der ganzen Welt, an der Spitze zwei Männer aus Deutschland, und internationale Kapitalgeber. Das könnte Massenhersteller wie Opel, Ford, Fiat und Toyota oder selbst Hyundai-Kia aus Korea unruhig machen. Qualitativ gute Autos zu Kampfpreisen ist das Letzte, was die Produzenten für den Volumenmarkt derzeit brauchen können, immerhin schwächelt die Nachfrage in Europa erheblich.

Aber nach Informationen der Berliner Morgenpost fühlt sich ausgerechnet der Premiumhersteller Audi durch Qoros herausgefordert und will die Deutsch-Chinesen bremsen. Vor Gericht haben die Ingolstädter inzwischen einen ersten Sieg errungen.

Qoros, an dem der chinesische Autoriese Chery und der israelische Mischkonzern Israel Corporation jeweils die Hälfte halten, hat eine Menge vor. Mitte des Jahres soll eine viertürige Limousine in China auf den Markt kommen, kurz darauf auch in Europa.

Ehrgeizige Pläne der chinesischen Autobauer

Das ist für einen in der Volksrepublik ansässigen Autobauer extrem ehrgeizig. Danach planen die starken Männer bei Qoros, Volker Steinwascher und Gert Hildebrand, in schneller Folge weitere Autos.

Die Rede ist von neuen Modellen und Varianten alle halbe Jahre; einem Crossover, SUV, Kombi, irgendwann auch Hybrid- und Elektroautos – und all das in einer Qualität, die mit westlichen und japanischen Herstellern mithalten soll.

Dabei wolle man nicht an Sicherheit oder Komfort sparen, sondern auf Schnickschnack verzichten und so 15 Prozent billiger sein als die Konkurrenz bei vergleichbaren Modellen, hatten die Qoros-Leute angekündigt. 15 Prozent billiger ist eine gigantische Größe in diesem Geschäft, das würde die gesamte Branche aufmischen.

Erster Aufschlag soll das Flaggschiff GQ3 werden. So jedenfalls lautete der Arbeitstitel jener Limousine, die Anfang März in Genf Weltpremiere hat. Doch Audi stört sich an dem Q im Namen, schließlich ist das der Kennbuchstabe für die erfolgreiche SUV-Reihe.

Namensstreit vor dem Hamburger Landgericht

Die Premiumtochter des VW-Konzerns leitete rechtliche Schritte gegen Qoros ein und brachte den Namensstreit vor das Landgericht in Hamburg. Mit Erfolg. Die für Markenfragen zuständige Zivilkammer hat Qoros die Verwendung des Kürzels für die Limousine untersagt – sie darf kein Q im Namen haben. "Die Kammer hat am 14. Januar eine entsprechende einstweilige Verfügung erlassen", sagte ein Gerichtssprecher der Berliner Morgenpost.

In der Branche heißt es nun, die Europäer wollten alles tun, um die unliebsame Konkurrenz aus China auszubremsen. Und die Aktion von Audi sei eben eine der Maßnahmen. Auffällig ist es schon, dass die VW-Tochter, die Qoros wirklich nicht fürchten muss, die rechtlichen Schritt so kurz vor der Messe in Genf und der Weltpremiere des China-Autos einleitet.

In Ingolstadt hat man jedoch eine andere, ganz unaufgeregte Erklärung für die Anrufung eines Gerichts: "Der Buchstabe Q ist ein geschützter Bestandteil unserer Markenfamilie", heißt es. "Wenn gerade ein anderer Automobilhersteller das Q für einen Modellnamen nutzt, tangiert uns das natürlich." Das leuchtet ein, schließlich ist der Name ein erfolgreiches Element einer Marke.

Und wertvolle Marken sind die Basis des Erfolgs von Automobilherstellern, gerade wenn sie – wie die Deutschen – im Oberklassesegment unterwegs sind. Dass die Geländewagenreihe Q von Audi besonders erfolgreich ist, braucht an dieser Stelle nicht erwähnt zu werden. Seltsam ist nur, dass auch andere Hersteller das Q für ihre Marken verwenden. Toyota zum Beispiel. Und das ganz ungestört.

Am Q von Toyota nahm keiner Anstoß

Die Japaner bauen unter anderem das Modell iQ. "Uns hat Audi deswegen nie attackiert", heißt es bei Toyota gegenüber der Berliner Morgenpost. Liegt das daran, weil der iQ ein Kleinstwagen ist, der unterhalb der Wahrnehmungsgrenze der Premiumtochter von VW ist? Oder ist im Fall von Qoros doch das Unbehagen vor neuer Konkurrenz ausschlaggebend? Schließlich ist Seat, in etwa in einer Liga mit Qoros, eine Schwestermarke von Audi unter dem großen VW-Dach. Wollten die Ingolstädter der Schwester zu Hilfe eilen?

Oder hat das Vorgehen gegen Qoros gar eine menschliche Komponente? Der Macher bei Qoros, Volker Steinwascher, war einmal Chef des US-Geschäfts von Volkswagen und spielte eine wichtige Rolle bei der Übernahme von Škoda durch VW. Und im Reich des Ferdinand Piëch verfolgt man besonders aufmerksam, was ehemalige Spitzenmanager aus den eigenen Reihen so machen.

Qoros gibt sich trotz der Niederlage vor Gericht selbstbewusst. Man habe schon länger mit einem solchen Vorgehen gerechnet und werde Gegenmaßnahmen ergreifen. Dass sich der chinesische Hersteller in Genf mit einem Auto, das unter anderem von einem etablierten europäischen Hersteller wie Magna Steyr mitentwickelt wurde, präsentiert, kann bei Audi und Co. nicht auf Begeisterung stoßen.

Aus China wird ungewohnte Qualität erwartet

Was immer Qoros Anfang März aus dem Hut zaubert, wird von anderer Qualität sein als das, was bisher aus China kam. "Man torpediert uns, wo man kann", sagt Qoros-Chefdesigner Gert Hildebrand der Berliner Morgenpost. "Die Konkurrenz wird offensichtlich nervös. Aber wir sind sehr zuversichtlich, dass die Präsentation in Genf ein großer Erfolg wird", sagt Hildebrand, der von BMW zu Qoros stieß.

Von der Audi-Attacke so kurz vor dem wichtigen Termin in Genf wurde man in Shanghai aber letztlich doch überrumpelt. "Wir haben den Namen GQ3 beim Europäischen Markenamt angemeldet und darüber auch Audi informiert", sagt ein Sprecher. "Seitens Audi kamen keine Einwände. Insofern sind wir von der Klage überrascht." Hinnehmen werde man die einstweilige Verfügung des Landgerichts nicht. "Wir werden die Entscheidung anfechten, und dafür haben wir gute Argumente", so der Sprecher.

Bis ein aus dem Namensstreit entstehendes Verfahren allerdings entschieden ist, können Monate vergehen. Der GQ3, der so nicht heißen darf, soll dann längst auf den Straßen Chinas rollen.

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