15.02.13

Terrorismus

Stiftung soll Opferfamilien der NSU-Morde helfen

Bundespräsident Joachim Gauck empfängt die Angehörigen der Mordopfer am Montag. Die FDP will sich jetzt für eine bessere finanzielle Entschädigung der Familien stark machen.

Foto: dpa

Rosen für das Mordopfer Süleyman Tasköprü – ein Mitglied der Türkischen Gemeinde legt die Blumen in der Schützenstraße in Hamburg nieder, wo Tasköprü bereits 2001 ermodert worden war.
Rosen für das Mordopfer Süleyman Tasköprü – ein Mitglied der türkischen Gemeinde legt die Blumen in der Schützenstraße in Hamburg nieder, wo Tasköprü bereits 2001 ermordet worden war

Gut ein Jahr nach der Enttarnung der Neonazigruppe NSU fordert die FDP eine "Opferschutzstiftung" des Bundes. "Damit sollen Opfer von Straftaten und Opferangehörige in Strafverfahren stärker als bisher finanziell unterstützt werden", sagte Hartfrid Wolff, der FDP-Obmann im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestags, der Berliner Morgenpost.

Die Stiftung sollte in Kooperation mit engagierten Organisationen ins Leben gerufen werden. "Zum Beispiel in Zusammenarbeit mit dem Weißen Ring", sagte Wolff. Der Vorsitzende des Arbeitskreises Innen und Recht der FDP-Bundestagsfraktion hat Signale, dass die Union die Gründung einer solchen Opferstiftung unterstützt.

Wolff reicht der bereits vorhandene Härtefall-Fonds für die rund 65 Angehörigen der zehn Mordopfer des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) nicht aus, mit dem die Bundesregierung unbürokratisch knapp eine Million Euro zur Verfügung gestellt hatte. "Das kann nur ein erster Schritt sein", unterstrich Wolff.

Angehörige kommen ins Schloss Bellevue

Die Opfer und Familien sollen nach dem Konzept von Wolff in Zukunft grundsätzlich in die Planung staatlicher Veranstaltungen zum Gedenken von Straftaten einbezogen werden. "Falls sie solche Gedenkveranstaltungen ablehnen, muss darauf verzichtet werden", sagte Wolff. Polizisten und Verfassungsschützer sollten künftig zudem nicht mehr unter einer falschen Legende, beispielsweise eines Journalisten, Angehörige von Opfern vernehmen.

"Das muss gesetzlich sichergestellt werden. Bei Verstößen sollte es dann mindestens beamtenrechtliche Konsequenzen geben", sagte Wolff der Berliner Morgenpost.

Hintergrund des Vorstoßes ist ein Treffen von Bundespräsident Joachim Gauck mit Angehörigen der Mordopfer des NSU. Gauck will sie am kommenden Montag in seinem Berliner Amtssitz Schloss Bellevue zu Gesprächen empfangen. Eingeladen sind auch Betroffene der Bombenanschläge der Neonazigruppe sowie Barbara John, die Ombudsfrau der Bundesregierung für die Hinterbliebenen der vom NSU verübten zehn Morde.

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