14.02.13

Siri & Co.

Welche Handy-Sprachsteuerung gehorcht am besten?

Ob iPhone, Samsung oder Nokia: Per Sprachsteuerung lassen Sie Ihr Smartphone nach Ihrer Pfeife tanzen. Doch der Test zeigt: Siri & Co. können das Nervenkostüm der Nutzer mitunter arg strapazieren.

Von Michael Link
Foto: Computer Bild

Redakteurin Daniela Leistikow fragt das Handy, wo's was zu essen gibt
Redakteurin Daniela Leistikow fragt das Handy, wo's was zu essen gibt

SMS oder E-Mails tippen? Viele Handy-Nutzer rufen lieber an. Denn selbst mit normal großen Händen tippt man auf den Zwergen-Tastaturen öfter daneben als die Uroma im Fußball-Toto.

Besser wär's, wenn das Handy einfach tun würde, was Sie ihm sagen: per Sprachsteuerung. So was haben viele Smartphones. "Computer Bild" hat sich mit den Sprachsteuerungen Siri (Apple), S-Voice (Samsung) und Windows Phone 8 in einem aufwendigen Test den Mund fusselig geredet. Die Android-Sprachsteuerung für Google-Handys blieb außen vor – auf Deutsch kann sie noch zu wenig.

Die Erkennung gliedert sich in mehrere Schritte. Zuerst zerlegt die Handy-Elektronik die vom Mikrofon aufgeschnappten Wörter in einzelne Laute und schickt die Daten übers Internet an einen Server. Ohne Internetverbindung per WLAN oder Mobilfunk klappt Spracherkennung bei den Testkandidaten bis auf wenige Befehle nicht.

Aus Lauten werden nach einer Lautanalyse erst Buchstabenfolgen, dann Wörter. Die nächste Stufe, die Lautunterscheidung, entscheidet über Zweifelsfelle – wie "Fälle" oder "Felle".

Siri & Co. im Test

Bei allen Kandidaten war es nicht nötig, übertrieben deutlich zu sprechen. Irgendwie logisch: Beim Labortest verstanden die Handys in ruhiger Umgebung mehr als mit eingespielten Hintergrund-Geräuschen. Mit lauten Nebengeräuschen kam aber nur Siri gut zurecht. Neben der Worterkennung prüfte "Computer Bild" mit Alltags-Szenarien, wie gut Sprachsteuerungen Wörter interpretieren. Denn das ist die größte Herausforderung für Siri & Co.

Nach der Umwandlung von Tönen in Wörter fischt die Spracherkennung Schlüsselbegriffe aus dem Wörtersee, etwa "Wetter", "navigiere" oder "Nachricht". Doch mit diesen Schlüsselwörtern gehen die getesteten Sprachsteuerungen sehr unterschiedlich um.

- S-Voice und Windows Phone 8 setzen fast vollständig auf die erkannten Schlüsselwörter. Die stehen jeweils für eine Aktion, so löst etwa "Ruf" einen Anruf aus.

Problem: Was für den Menschen ein Schlüsselwort ist, muss fürs Handy keins sein. So verstand S-Voice im Test zwar "Zeige alle Notizen", aber nicht "Zeige erste Notiz". Offenbar konnte S-Voice mit dem Wort "erste" nichts anfangen und fragte: "Welche davon?". S-Voice verstand allerdings auch diese Antwort nicht.

- Siri hingegen nutzt zwar Schlüsselwörter, versteht aber auch Umschreibungen. So interpretiert sie "Sing ein Lied" richtig und lässt sich dazu bringen, "Alle meine Entchen (zu) singen". Siri deutet auch die Frage "Kann ich heute einen Schneemann bauen?" richtig und antwortet mit dem Wetterbericht.

Nur Apples Sprachsteuerung weiß auch auf Anschlussfragen Antwort: Nach einer Frage etwa zur Wetterlage in Köln können Sie nachsetzen mit "Und in München?". Bei Befehlen wie "Ruf meinen Bruder an" fragt Siri artig nach dem Namen in Ihrem Telefonbuch und ob es sich den als Bruder merken soll. Was sie dann aber leider nicht tut.

Anders als Menschen können Handys Wörter nicht gut aus dem Zusammenhang heraus deuten. So kann ein Mensch auf "Sage mir ein Tier der Urzeit" mit "Saurier" antworten, Siri versucht's aber mit "Es ist 16:58" – also der Uhrzeit. Nicht ganz, Apple! Samsungs S-Voice schlägt sofort die Suche im Internet vor, Windows Phone auch.

Was kapieren Handys denn?

Standardbefehle – etwa zum Anrufen und Diktieren von SMS – klappten im Test bei allen Kandidaten recht ordentlich. Texte von Notizen erkannten die Geräte ganz passabel, wenn auch selten fehlerfrei.

So spielt die Handy-Sprachsteuerung ihre Stärken besonders im Auto aus, denn als Autofahrer können Sie so die Straße im Blick behalten. Kommt eine SMS, lassen Sie sich die einfach vorlesen. Ganz ohne Tastendruck klappt das aber nur mit Windows Phone.

Siri tritt zwar zum Diktat einer E-Mail an, kann aber empfangene Nachrichten nicht vorlesen. Bei S-Voice und Windows fehlen sprachgesteuerte E-Mail-Funktionen ganz.

Auffällig: Oft zeigten Handys im Test den gesprochenen Text fehlerlos an, reagierten aber falsch. So erkennt Siri den Text "Wie hat der HSV gegen Bremen gespielt?" richtig, antwortet aber mit dem Ergebnis der Partie HSV gegen Bayer Leverkusen. So verdient Siri keine Dauerkarte fürs Stadion!

S-Voice gab sich eher pampig, wusste auf "Bist du besser als das iPhone?" nur: "Keine Ahnunge, wer Siri ist, aber die Antwort ist ja." Wer das Samsung-Handy mit "Hallo, Galaxy" begrüßt, liest: "Hallo, angenehm, dich kennenzulernen". Sagen Sie dann bloß nicht Ihren Namen, denn darauf reagiert es mit der menschlichen Wärme eines Eisschranks: "Ich werde im Internet nach einer Antwort auf hallo, ich bin XYZ suchen."

Ab und zu führt S-Voice seine Nutzer auch in die Irre. So quittiert es eine diktierte Notiz mit "In Memo gespeichert", aber der Befehl "Zeige Memo" geht danach ins Leere.

Nur nicht aufregen!

Alle Sprachsteuerungen haben Macken, die das Nervenkostüm der Nutzer arg strapazieren können:

- Apple: Siri kann Apps zwar starten, aber nicht beenden. Und: Es versteht keine fremdsprachigen Begriffe und Namen. Probieren Sie es aus mit "Spiele AC/DC!". Selbst wenn Sie Musik von den australischen Rockern haben, lautet Siris Antwort: "Ich kann Risibisi in deiner Musik nicht finden." Genauso versagt die Wahl eines Kontaktes mit ausländisch klingendem Namen.

- Samsung: Vorsicht beim Einstellen von Terminen: Wer mittags einen Alarm für "halb sieben" zum morgendlichen Wecken stellt, wird stattdessen um 18.30 Uhr aus dem Büroschlaf geschreckt. Dagegen hilft nur die konsequente Ansage von "morgens" und "abends" und die Prüfung des gesetzten Termins.

Skurril: Im Test führte die Frage "Brauche ich morgen eine dicke Jacke?" zur Wettervorhersage von Phoenix im US-Bundesstaat Arizona.

- Windows Phone 8: Oft erscheint im Display ein Vorschlag für ein Textkommando – im Test funktionierten diese Befehle aber häufig nicht. Mit dem Windows Phone lässt sich per Befehl "Mailbox anrufen!" der Anrufbeantworter anwählen. Aber: Wer die Nummer in den Handy-Einstellungen nicht festgelegt hat, bekommt nur "unbekannter Fehler" angezeigt.

Fazit: Keine Sprachsteuerung ist rundum gut, Testsieger Siri von Apple erwies sich aber als fast alltagstauglich. Samsungs S-Voice schwächelt abseits von Standardaufgaben noch deutlich, und Windows Phone hinkte im Test wegen des begrenzten Funktionsumfangs noch hinterher.

Quelle: "Computer Bild". Mehr zum Thema finden Sie in der "Computer Bild", Ausgabe 4/2013.

Testergebnisse kompakt

Wie gut versteht das Handy Wörter?

Apple Siri: Gut. In leiser Umgebung erkennt es 90 Prozent, in lauter Umgebung 85 Prozent. Note: 2,04.

Samsung S-Voice: Eher schlecht. In leiser Umgebung erkennt es 95 Prozent, in lauter 50 Prozent. Note: 4,25.

Microsoft Windows Phone 8: Schlecht. In leiser Umgebung erkennt es 45 Prozent, in lauter Umgebung 30 Prozent. Note: 5,00.

Braucht das Handy feste Befehlswörter?

Apple Siri: Nein, auch ähnliche Begriffe und Umschreibungen funktionieren. Manchmal sind jedoch Schlüsselwörter nötig, etwa "Film" zur Suche von Kinofilmen. Note: 3,50.

Samsung S-Voice: Ja, aber nur wenige Befehle lassen sich mit passenden anderen Begriffen aufrufen. Einige Wörter verwirren S-Voice bei der Interpretation. Note: 4,00.

Microsoft Windows Phone 8: Ja, es gibt aber nur sieben Befehle (anrufen, Wahlwiederholung, Notiz aufnehmen, Mailbox anrufen, SMS senden und vorlesen, App starten, im Internet suchen). Note: 5,00.

Versteht das Handy auch indirekte Kommandos (etwa "Ruf meinen Bruder an")?

Apple Siri: Ja, in vielen Bereichen (Wetter, Suche im Internet, Beziehungen). Siri merkt sich Kommandos und versteht Anschlussfragen, etwa nach "Wetter in Köln?" die Frage "Und in Kiel?". Note: 2,40.

Samsung S-Voice: Ja, aber nur in wenigen Bereichen, etwa beim Wetter: "Regnet es?" oder "Schneit es?". S-Voice versteht keine Anschlussfragen. Note: 3,75.

Microsoft Windows Phone 8: Nein. Note: 6,00.

Wie gut lässt sich der Wetterbericht abrufen?

Apple Siri: Gut. Und zwar für beliebige Orte, heute und für mehrere Tage, aber es gibt nur wenige Details (Temperatur (min/max.), Niederschlag). Note: 2,00.

Samsung S-Voice: Gut. Und zwar für beliebige Orte, heute und für mehrere Tage, aber es gibt nur wenige Details (Temperatur (min/max.), Niederschlag). Note: 2,00.

Microsoft Windows Phone 8: Schlecht. Ab Werk funktioniert der Abruf gar nicht. Wetter-Info ist nur indirekt durch den Start einer (nicht eingebauten) Wetter- App oder per Internetsuche möglich. Note: 5,00.

Kann ich sprachgesteuert Termine anlegen und Notizen aufnehmen?

Apple Siri: Eingeschränkt. Terminprüfung auf doppelte Termine war teilweise fehlerhaft. Notizen lassen sich nicht mit Diktierbefehlen wie "Letztes Wort löschen" korrigieren. Note: 3,50

Samsung S-Voice: Eingeschränkt. Termineintrag funktioniert, versteht aber Zeiten falsch (etwa 18.30 Uhr statt 6.30 Uhr). Notizaufzeichnung klappt, wird "in Memo gespeichert", aber Notizen lassen sich nur mit "Notizen" finden. Note: 4,25.

Microsoft Windows Phone 8: Sehr eingeschränkt. Terminverwaltung nicht möglich, Notiz aufnehmen unpraktisch: Schon nach kurzen Sprechpausen stoppt die Aufzeichnung (für Microsoft One Note). Note: 5,00.

Lassen sich Facebook und Twitter per Sprache steuern?

Apple Siri: Teilweise. Das Senden neuer Meldungen klappt (keine Fotos möglich), bei Twitter wird auch nach Hashtags gefragt. Facebook- und Twitter-Meldungen lassen sich aber nicht abrufen. Note: 3,00.

Samsung S-Voice: Teilweise. Das Senden von Meldungen klappt (ohne Fotos), bei Twitter wird nach Hashtags (= Stichwort wie "#BSF" für "Bauer sucht Frau") gefragt. Facebook- und Twitter-Meldungen lassen sich nicht anrufen. Note: 3,50.

Microsoft Windows Phone 8: Nein. Note: 6,00.

Kann ich per Sprachbefehl Nachrichten diktieren und vorlesen (etwa für SMS und E-Mail)?

Apple Siri: Größtenteils. SMS versenden klappt gut, SMS vorlesen ebenfalls. E-Mails lassen sich versenden, aber leider nicht vorlesen. Note: 3,00.

Samsung S-Voice: Teilweise. SMS versenden klappt gut, SMS vorlesen je nach Voreinstellung (Fahrzeugmodus). Es gibt keine E-Mail-Funktionen. Note: 3,50.

Microsoft Windows Phone 8: Teilweise. SMS versenden bei deutlicher Aussprache gut, zum Absenden ist ein Tastendruck nötig. SMS werden nach Voreinstellung vorgelesen. Direktes Antworten ist möglich. Es gibt keine E-Mail-Funktionen. Note: 3,50.

Was weiß mein Handy vom Leben da draußen?

Apple Siri: Einiges. Siri kennt ein paar Witze und ist bedingt schlagfertig. Einige Bereiche aus Unterhaltung, Finanzen und Sport sind direkt abfragbar, vieles aber sehr lückenhaft (etwa Sport: nur Fußball-Bundesliga). Note: 3,50.

Samsung S-Voice: Fast nichts. S-Voice kennt einige Witze, verweist aber oft auf eine Suche im Internet. Note: 4,25.

Microsoft Windows Phone 8: Nichts. Die Sprachsteuerung startet sofort eine Internetsuche. Note: 6,00.

Kann ich per Sprache Handy-Funktionen steuern?

Apple Siri: Eingeschränkt. Sprachsteuerung lässt sich innerhalb vieler Apps nicht nutzen, WLAN/Bluetooth/GPS nicht zugänglich. Gut: Bei vielen Abläufen ist kein Tastendruck nötig. Apps aufrufen klappt problemlos. Note: 3,75.

Samsung S-Voice: Eingeschränkt. Sprachsteuerung innerhalb vieler Apps nicht nutzbar, WLAN/Bluetooth zugänglich. Bei vielen Abläufen müssen Tasten gedrückt werden. Apps aufrufen und schließen klappt problemlos. Note: 3,50.

Microsoft Windows Phone 8: Nur wenige. Gut: Mailbox-Anruf klappt, muss aber vorher eingestellt werden. Note: 4,50.

Testergebnisse

Apple Siri: befriedigend (2,94).

Samsung S-Voice: ausreichend (3,50).

Microsoft Windows Phone 8: mangelhaft (4,7).

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