12.02.13

Papst-Rücktritt

Aus Benedikt wird wieder Joseph Ratzinger

Erhält ein ehemaliger Papst eine Rente? Nach seinem überraschenden Rücktritt hinterlässt Benedikt XVI. auch eine Menge offener Fragen.

Von Paul Badde, Gernot Facius und Karsten Kammholz
Foto: dpa

Vor Benedikt XVI. ist noch kein Papst freiwillig zurückgetreten
Vor Benedikt XVI. ist noch kein Papst freiwillig zurückgetreten

Vatikansprecher Federico Lombardi ist um sein Amt momentan wirklich kaum zu beneiden. Er muss Fragen beantworten, die sich der katholischen Kirche in ihrer Geschichte noch nie stellten. Die Rücktrittsankündigung von Papst Benedikt XVI. hat den Vatikan überrascht. Zumindest eine Frage lässt sich nach und nach klarer beantworten: wie das Leben des Papstes nach seinem Rückzug aussehen wird. Hierzu die zehn wichtigsten Aspekte:

Bleibt Benedikt weiter Benedikt oder heißt er ab 1.März wieder Joseph Ratzinger?

Aus Benedikt wird wieder Joseph Ratzinger. Auch als Papst behielt er – dies ist seinen Büchern zu entnehmen – immer eine besondere Nähe zu seinem eigentlichen Taufnamen. Auch für seinen Bruder Georg blieb er immer Joseph. Die Rückkehr zu seinem Geburtsnamen wird ihm demnach nicht schwerfallen. Dennoch: Eine klassische Regel, wonach Päpste nach ihrem Rücktritt wieder ihren ursprünglichen Namen annehmen, gibt es nicht.

Bleibt er Kardinal und Erzbischof?

Er bleibt Kardinal, aber dies in relativer Isolation. Eines Tages wird er wohl auch als ehemaliger Papst im Petersdom beerdigt werden.

Wird es einen offiziellen Abschied am 28.Februar geben?

Darüber dürfte weiter spekuliert werden. Selbst wenn die Öffentlichkeit eine Abschiedshandlung erwartet, dürfte es für Benedikt schwierig werden, eine passende öffentliche Form dafür zu finden. Wenn er sich an die Liturgievorgaben der Fastenzeit halten will, die keine Extrafeste in dieser Zeit vorsieht, dann wird der Abschied des Papstes ein stiller. Der Gottesdienst zu Aschermittwoch wird die letzte große liturgische Feier Benedikts gemeinsam mit den Kardinälen und Bischöfen der Kurie sein.

Wird Benedikt dabei sein, wenn der neue Papst gewählt wird?

Auf keinen Fall. Dies hat Vatikan-Sprecher Lombardi ausdrücklich ausgeschlossen. Auch theoretisch dürfte Benedikt nicht am Konklave teilnehmen, da er das Wahlalter von höchstens 80 Jahren schon überschritten hat.

Kann er Einfluss auf die Wahl des Nachfolgers nehmen?

Nein, kann er nicht. Und er wird es auch gar nicht versuchen. Indirekten Einfluss hat Benedikt allerdings schon in seinen Amtsjahren insofern auf die kommende Wahl genommen, als er selbstverständlich Kardinäle ernannt hat. Das Wahlgremium – das Konklave – trägt somit Benedikts Handschrift. Voraussichtlich werden 117 Kardinäle an der Papstwahl teilnehmen.

Ist er für den Rest des Lebens verpflichtet, sich nicht mehr öffentlich zu äußern – oder kann er sich weiter einmischen?

Es ist ein Präzedenzfall, in jeder Hinsicht. Einen Amtsverzicht eines Papstes gab es zuletzt vor 719 Jahren, als CoelestinV. nach nur wenigen Monaten im Amt zurücktrat. So wie Benedikt es angekündigt hat, wird er sich der inneren Einkehr widmen und nicht mehr öffentlich äußern und einmischen. Er wird auch nicht mehr sichtbar sein. Benedikt hat seine persönliche Perspektive in seinen Rücktrittsworten so ausgedrückt: "Was mich selbst betrifft, so möchte ich auch in Zukunft der Heiligen Kirche Gottes mit ganzem Herzen durch ein Leben im Gebet dienen."

Erhält Benedikt eine Rente?

Eine klassische Rente gilt als unwahrscheinlich, auch weil er sie schlicht nicht braucht. Er verdient ohnehin an seinen Buchveröffentlichungen und wird auch in Zukunft im Haushalt des Vatikans mitleben. Bevor Papst Johannes PaulII. ihn 1981 zum Präfekten der Kongregation für die Glaubenslehre ernannte, hatte Benedikt als Erzbischof von München und Freising und davor als Professor in Regensburg Pensionsansprüche erworben. Auf diese verzichtete er allerdings, als er nach Rom wechselte. Gedanken an eine materielle Absicherung sind Benedikt ohnehin immer fremd geblieben. Er blickt vielmehr auf ein Leben zurück, in dem er sozusagen aus Gottes Hand alles hatte, was sich ein Priester wünschen kann.

Wo lebt Benedikt, wenn er das Amt abgegeben hat?

In dem Kloster Mater Ecclesiae inmitten der prächtigen vatikanischen Gärten will Benedikt seinen Lebensabend verbringen. In dem dreistöckigen Gebäude gibt es in den oberen Etagen zwölf Zellen, ausgestattet mit zahlreichen Kruzifixen und religiösen Gemälden. Im Erdgeschoss befinden sich größere Räume, eine Bibliothek, eine Küche und natürlich eine Kapelle. Die Gärten sind Benedikt bereits durch seine regelmäßigen Spaziergänge wohlvertraut. Hier wachsen Früchte wie Zitronen und Orangen, auch Paprika, Zucchini und Kohl. Außerdem werden hier zwei seltene Rosenarten kultiviert: die rosafarbene "Beatrice d'Este" und die weiße "Giovanni PaoloII". Bis zum Abschluss der Umbauarbeiten im Kloster soll Benedikt in der päpstlichen Sommerresidenz Castel Gandolfo bei Rom wohnen. Mittelfristig werden im Vatikan demnach zwei Päpste leben, ein aktiver und ein ehemaliger. Auch so eine Situation hat es im Vatikan bisher noch nicht gegeben.

Wann kommt Benedikt wieder nach Deutschland?

Den deutschen Boden wird Benedikt auch nach seinem Rücktritt nicht mehr betreten. Sein Bruder Georg Ratzinger sagte: "Eine Dienstreise kommt sowieso nicht mehr infrage, und auch einen privaten Besuch halte ich für höchst unwahrscheinlich." Er rechne auch nicht mehr mit einer Visite Benedikts in seinem Regensburger Haus, ergänzte der langjährige Domkapellmeister. Der Papst-Bruder verwies zugleich darauf, dass die neue Wohnung Benedikts im Vatikan bereits eingerichtet werde. Auch für ihn werde es dann ein Gästezimmer geben, verriet der 89-jährige Bruder.

Welche Kleidung wird Benedikt in Zukunft tragen?

Er wird auch anhand seiner Garderobe sichtbar machen müssen, dass er das Papstamt aufgegeben hat. Auf die Farbe Weiß wird er mit großer Sicherheit verzichten. Wahrscheinlich trägt er in Zukunft eine schwarze Soutane – vielleicht mit purpurroten Bordüren, wie sie auch Kardinäle haben. Aber auch dieses Element seiner Garderobe könnte Joseph Ratzinger möglicherweise auch nur für den Sonntag wählen. Sein Papstring wird nach dem Ende seiner Amtszeit zerstört. Er werde möglicherweise zerbrochen, sagte der Vatikan-Sprecher. Alle "Objekte, die direkt mit dem Pontifikat in Verbindung stehen, müssten zerstört werden", so Lombardi. Der Ring wird normalerweise nach dem Tod des Papstes mit einem Hammer in Teile zerschlagen.

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