08.02.13

USA

Rache-Cop im asymmetrischen Krieg gegen Polizisten

An der US-Westküste ist ein Ex-Polizist auf einem Rachefeldzug: Drei Menschen hat er schon getötet. Die Fahnder halten Christopher Dorner für extrem gefährlich – sie haben ihn schließlich ausgebildet.

Von Michael Remke
Quelle: Reuters
11.02.13 1:07 min.
Für Hinweise zum Aufenthaltsort des mutmaßlichen Mörders und Ex-Polizisten Christopher Dorner hat die Polizei die höchste Prämie in der Kriminalgeschichte Südkaliforniens ausgesetzt.

Wer Fotos von Christopher Dorner sieht, dem fällt vor allem eines sofort auf: sein breites und freundliches Lächeln. Doch hinter dem sympathischen Gesicht verbirgt sich nicht der nette Mann von nebenan, sondern ein kaltblütiger Mörder.

Mindestens drei Menschen soll der 33 Jahre alte, frühere Navy-Soldat und Ex-Cop aus Los Angeles bereits getötet haben. Hunderte Polizisten und Spezialkräfte des FBI haben jetzt die Jagd auf den Amokläufer aufgenommen. Insgesamt 10.000 Beamte in Kalifornien, Nevada und selbst im angrenzenden Mexiko wurden in Alarmbereitschaft versetzt.

"Er ist extrem gefährlich und bis an die Zähne bewaffnet", warnt Charlie Beck, Polizeichef von Los Angeles. "Und er kann überall sein." Beck rief die Bevölkerung zu "extremer Wachsamkeit" auf.

Manifest im Internet

Auf seiner Facebook-Seite, die mittlerweile nicht mehr aufrufbar ist, kündigt der bullige, durchtrainierte Dorner noch mehr Morde an. Neben einer Sammlung von zahlreichen "lächelnden Bildern" von sich selbst hat Dorner auch ein elf Seiten langes Manifest ins Internet gestellt.

Darin prophezeit er nicht nur eine "unkonventionelle und asymmetrische Kriegsführung", sondern den "baldigen Tod" von weiteren 40 Personen, die meisten davon Polizisten. "Erst wenn die Wahrheit ans Licht kommt", schreibt Dorner, "wird das Töten aufhören".

Getrieben wird der Amokläufer dabei von einem tiefen Hass auf seinen ehemaligen Arbeitgeber. Die Polizei von Los Angeles hatte ihn 2007 nach einer Falschaussage fristlos aus dem Dienst entlassen. Dorner hatte über eine Kollegin behauptet, sie hätte einen psychisch kranken Verdächtigen misshandelt. Ein Vorwurf, der sich später als falsch herausstellte.

Seit seiner Entlassung hat Dorner mehrmals erfolglos versucht, auch über Gerichte, seinen alten Job wieder zurückzubekommen. Zuletzt wies ein Richter 2011 seine Klage zurück.

Grenze zu Mexiko abgeschottet

Dorners Rachefeldzug begann am vergangenen Sonntag, als er das Ehepaar Monica Quan und Keith Lawrence in Irvine, knapp 60 Kilometer südlich von Los Angeles, in ihrem Auto mit mehreren Schüssen tötete. Die 28-jährige Quan ist die Tochter eines pensionierten Polizisten, ein Ex-Kollege von Dorner.

Vier Tage später eröffnete Dorner das Feuer auf zwei Polizisten, die in Riverside, 60 Autominuten östlich von Los Angeles an einer roten Ampel standen. Der eine war auf der Stelle tot, der andere wurde schwer verletzt.

Danach wurde die Großfahndung auf ganz Kalifornien und Nevada, wo Dorner ein Haus besitzt, ausgeweitet. Auch an der Grenze zu Mexiko wurden Zusatzposten aufgestellt. Doch von Dorner fehlte zunächst jede Spur.

"Er weiß ganz genau, was er tut"

Erst am Donnerstagabend wurde der Pick-up Truck des zweieinhalb Zentner schweren Dorner nahe Big Bear Lake, einem Skigebiet 160 Kilometer von Los Angeles, gefunden. Der Wagen war ausgebrannt. Die Polizei fand Spuren, glaubte aber an eine Finte des Amokläufers. "Er weiß ganz genau, was er tut", sagte Polizeichef Beck. "Wir haben ihn ausgebildet."

Während die Beamten den Truck untersuchten, war unterdessen bei CNN ein Päckchen von Dorner aufgetaucht. Darin hatte der Dreifachmörder eine DVD gelegt, eine Notiz mit den Worten "Ich habe nie gelogen", eine Anspielung auf seine Entlassung bei der Polizei, und eine Münze mit drei Einschusslöchern. Es ist ein Souvenir des früheren Polizeichefs von Los Angeles, Bill Bratton.

"Er ist ein unglaublich gefährliches Individuum", sagte dieser im Interview mit CNN. Auch Bratton ist auf einem der Fotos, die der Amokläufer auf seine Facebook-Seite gestellt hat, zu sehen – er gibt einem lächelnden Dorner die Hand.

Foto: AP

Der ehemalige Polizist Christopher Dorner ist in den USA zurzeit auf einem mörderischen Rachefeldzug.

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