07.02.13

Hitler-Kult

Griechische Neonazis wollen "Zelle" in Nürnberg

Nürnberg, einst Hauptstadt der NS-Propaganda, zieht griechische Neonazis an: Die Partei Chryssi Avgi will hier Fuß fassen. Gelungen ist das nicht – doch gab es Treffen mit deutschen Neonazis.

Foto: dpa

Der Chef der rechtsextremen griechischen Partei Chryssi Avgi, Nikos Michaloliakos (r.), bewundert NS-Diktator Adolf Hitler
Der Chef der rechtsextremen griechischen Partei Chryssi Avgi, Nikos Michaloliakos (r.), bewundert NS-Diktator Adolf Hitler

Die Auswahl der Stadt ist wohl nicht ganz zufällig – griechische Neonazis suchen ausgerechnet im früheren Propagandazentrum Adolf Hitlers Kontakt zu ausgewanderten griechischen Neonazis.

Auf ihrer griechisch-sprachigen Webseite brüsten sich Anhänger der ultrarechten griechischen Partei Chryssi Avgi ("Goldene Morgenröte") damit, bereits in Nürnberg eine "Zelle" – die erste in Deutschland – aufgebaut zu haben.

In jeder der Ecke der Welt, in denen Auslandsgriechen leben, sollen künftig Parteizellen entstehen, verkündete die Neonazipartei.

Parteichef bewundert Hitler

Das Interesse der Partei an Nürnberg überrascht nicht. Schließlich gilt ihr Vorsitzender Nikolaos Michaloliakos als großer Bewunderer von NS-Diktator Adolf Hitler. Der hatte einst Nürnberg zur "Führerstadt" erhoben und hier in den 30er-Jahren die NS-Reichsparteitage ausrichten lassen.

Noch heute erinnern die Überreste gigantischer Propagandabauten an die einstigen NS-Massenaufmärsche. Von der Zeppelintribüne herab schwor der Führer des verbrecherischen NS-Regimes "Volk und Vaterland" auf den Zweiten Weltkrieg ein. In Nürnberg wurden auch die Rassegesetze beschlossen, mit denen die Nazis die Ermordung von Millionen von Juden besiegelten.

Heute leben in Nürnberg, die sich als "Stadt der Menschenrechte" politisch zu rehabilitieren versucht, rund 10.000 Griechen.

Angebliche Website von Chryssi Avgi Nürnberg

Kenner der Athener Parteienszene halten derweil Berichte von einem Nürnberger Ableger der griechischen Neonazi-Partei in Nürnberg für überzogen. Bislang, so heißt es in der griechischen Hauptstadt, gebe es nur einen Versuch der "Morgenröte"-Partei, eine Niederlassung im Ausland zu eröffnen – und zwar in New York.

In Nürnberg scheine es derzeit nur ein paar Chryssi-Avgi-Sympathisanten zu geben, "die bislang viel Krach machen". Auf einer Internetseite behaupten Unbekannte zwar, sie seien Chryssi Avgi Nürnberg. Auf der offiziellen Webseite von Chryssi Avgi gibt es dagegen keinen Hinweis auf eine Nürnberger Zelle.

Auch die griechische Gemeinde Nürnberg hat keine Hinweise, dass in der Stadt bereits eine Chryssi Avgi-Zelle existiert. "In Nürnberg gibt es nichts Konkretes, dass sich dort ein rechter Ableger etabliert hat", sagte Gemeindemitglied und SPD-Stadtrat Theodoros Agathagelidis. Die Webseite hält Agathagelidis für die "unüberlegte Aktion einiger Jugendlicher in der Art von Hooligans".

Partei trifft Neonazis im Ausland

Auch nach Einschätzung der "Allianz gegen Rechtsextremismus", einem breit angelegten Bündnis von Neonazi-Gegnern im Großraum Nürnberg, kann von der Gründung einer Chryssi Avgi-Zelle "im derzeitigen Stadium nicht die Rede sein".

Richtig sei allerdings, dass sich Vertreter der griechischen "Morgenröte"-Partei in Nürnberg mit bayerischen Neonazis getroffen habe, berichtete Doris Groß von der "Allianz"-Geschäftsstelle.

Das wiederum bestreitet Chryssi Avgi. Sie pflege keine Beziehungen mit fremden politischen Organisationen, teilten die griechischen Neonazis auf ihrer Internetseite mit. Bayerns Verfassungsschutz hat da andere Erfahrungen gemacht: Ein Behördensprecher sagte, Chryssi-Avgi-Vertreter hätten wiederholt im Ausland bayerische Neonazis getroffen.

Quelle: dpa/jw
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