07.02.13

Doktortitel-Affäre

"Der Fall Guttenberg holt Schavan jetzt ein"

Politologe Gerd Langguth sieht Bildungsministerin Annette Schavan nach der Aberkennung ihres Doktorgrads in der "Glaubwürdigkeitsfalle". Die Affäre sei ein großes Problem – auch für Angela Merkel.

Foto: picture-alliance/ dpa

Plagiatsaffären beschädigen die Glaubwürdigkeit: Annette Schavan und Karl-Theodor zu Guttenberg (Archivbild)
Plagiatsaffären beschädigen die Glaubwürdigkeit: Annette Schavan und Karl-Theodor zu Guttenberg (Archivbild)

Nach der Aberkennung ihres Doktortitels sieht der Bonner Parteienforscher Gerd Langguth Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) in der "Glaubwürdigkeitsfalle".

"Sie hat nicht in dem Ausmaß wie der frühere Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg plagiiert. Der Fall holt sie jetzt aber ein. Sie hatte damals nicht ohne Häme erklärt, sie schäme sich nicht nur heimlich. Das fällt nun auf sie zurück", sagte Langguth den "Ruhr Nachrichten". "Die beschädigte Glaubwürdigkeit ist ein großes Problem, auch für die Kanzlerin."

Diese werde nun erst einmal die Lage sondieren und abwarten, wie sich die Debatte entwickelt. "Es ist möglich, dass sie dann ihre Vertraute, Frau Schavan, bitten wird zurückzutreten."

Nida-Rümelin: Keine Doppelstandards

Der Philosoph und frühere Kulturstaatsminister Julian Nida-Rümelin zeigte sich befremdet, dass es darüber überhaupt eine Diskussion gebe. "Es darf keine doppelten Standards geben, weil sie viele Verbindungen hat, weil viele abhängig von den Geldflüssen des Wissenschaftsministeriums sind", sagte Nida-Rümelin dem 3sat-Magazin "Kulturzeit".

Der Dresdner Politikwissenschaftler Werner Patzelt hielt Schavan zugute, "dass sogar Kapitalverbrechen nach 25, 30 Jahren verjähren. Und im Vergleich damit sind Plagiate in wissenschaftlichen Arbeiten, in die ohnehin kaum jemand hineinblickt, doch eine ganz andere Schwere von Tat."

Trotzdem gehörten sie unnachsichtig und streng verfolgt, sagte Patzelt, der an der TU Dresden forscht, dem Radiosender MDR Jump.

Doktorgrad nach 33 Jahren entzogen

Nach Aberkennung ihres Doktortitels ist die politische Zukunft von Bildungsministerin Schavan offen. Zwar hatte Regierungssprecher Steffen Seibert versichert, Kanzlerin Angela Merkel (CDU) habe "volles Vertrauen" in Schavan.

Zugleich vermied er aber ein ausdrückliches Bekenntnis zum Verbleib Schavans im Amt. Die Uni Düsseldorf hatte der 57-Jährigen nach neun Monaten Prüfung wegen "vorsätzlicher Täuschung" in ihrer Promotionsarbeit den vor 33 Jahren erworbenen Doktortitel entzogen.

Schavan befindet sich auf einer fünftägigen Dienstreise in Südafrika. Am Mittwoch hatte sie in einem kurzen Pressestatement mitgeteilt, dass sie gegen die Aberkennung klagen werde. Am Freitag soll die Ministerin nach Berlin zurückkehren.

Quelle: dpa/jw
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