04.02.13

Gebietsreform

Thüringer Landkreise wollen nach Bayern wechseln

Die thüringischen Kreise Sonneberg und Hildburghausen wollen bayerisch werden, das Eichsfeld denkt ebenfalls über einen Wechsel nach – nach Niedersachsen.

Foto: dpa

Werden auch die betroffenen Bürger Thüringens einen Wechsel nach Bayern bejubeln?
Mit einer Bayern- und einer Deutschlandfahne bejubeln Wintersportfans ihre Helden. Würden auch Bürger Thüringens für Bayern jubeln – und sich gar dem anderen Bundesland anschließen?

Sylt oder Usedom hätten es da schon schwerer, wenn sie plötzlich zu Bayern gehören wollten. Solchen Wünschen stände geografisch einfach zu viel im Wege, wenngleich es politisch – jedenfalls rein theoretisch – denkbar wäre. Zwei Landkreise in Thüringen, denen es daheim nicht mehr gefällt, haben es da jedenfalls viel, viel leichter. Sie sind nämlich bereits heute Nachbarn der Bayern, und der Gesetzgeber müsste nur die Grenze verschieben, und schon wäre sie bayerisch.

Diesen Wunsch gibt es wirklich. "Die Landräte von Sonneberg und Hildburghausen, Christine Zitzmann und Thomas Müller (beide CDU), denken über einen Wechsel nach Bayern nach", berichtet der Mitteldeutsche Rundfunk (MDR). Und Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) hält einen Wechsel Südthüringer Landkreise nach Bayern grundsätzlich für machbar.

Aber warum wollen die Thüringer eigentlich plötzlich Bayern werden? Weil Sonneberg und Hildburghausen die Pläne ihres Landes für einen Großkreis Südthüringen kategorisch ablehnen. "Die in Erfurt sollten uns endlich ernst nehmen", sagt Müller. Er und Frau Zitzmann begründen ihre Sehnsucht nach Bayern aber auch mit der kulturellen Nähe zum benachbarten Franken. Rund um Sonneberg und Hildburghausen redeten die Menschen schließlich Fränkisch und hätten starke Verbindungen nach Oberfranken. Das Frankenland gehe ohnehin bis zum Rennsteig, sagen sie.

Gemeinden haben ein Riesenproblem

Nun planen die Thüringer nicht aus Jux und Tollerei irgendwelche Großkreise. Es ist nicht so, dass irgendwer in der Landeshauptstadt Erfurt den betroffenen Landräten eins auswischen will. Die Wahrheit ist: Thüringen schrumpft, das heißt, die Bevölkerungszahl sinkt, und das schon seit der Einheit. Schrumpfen aber ist für Städte und Gemeinden ein Riesenproblem. Es macht sie hässlich, weil Häuser leerstehen, Abwasserleitungen verrotten und stinken, weil nicht mehr genügend Menschen da sind, die sie nutzen. Auf dem Land schließen Geschäfte und Arztpraxen, und zurück bleiben Alte und Kranke, die nicht mehr wissen, wo sie einkaufen und zum Arzt gehen sollen.

Aus all diesen Gründen also plant die Landesregierung eine Gebietsreform. Sie will die politischen Strukturen den neuen Gegebenheiten anpassen. Eine Expertenkommission hat empfohlen, die Zahl der Kreise von 17 auf 8 und die der kreisfreien Städte von 6 auf 2, nämlich Erfurt und Jena, zu verringern. Die vielen Landesbehörden sollen in vier großen Ämtern und dem Landesverwaltungsamt in Weimar aufgehen.

All das gefällt den Landräten von Sonneberg und Hildburghausen nicht. Das Land brauche keine Experten für eine Gebietsreform, sondern eine Expertenkommission für die Landesbehörden, sagt Zitzmann und bringt damit den Linke-Fraktionsvorsitzenden Bodo Ramelow auf die Palme. Die Debatte mache deutlich, dass es den CDU-Landräten in erster Linie nicht um die Zukunft des Landes, sondern um ihre eigene gehe, schimpft der. Und: "Offensichtlich sollen nicht mehr Bürgerinnen und Bürger souverän über eine Verwaltungs- und Gebietsreform entscheiden, sondern die hochherrschaftlichen Landfürsten einer Stillstandspartei."

Volksentscheid?

Übrigens mag sich auch das Eichsfeld nicht mit der Gebietsreform anfreunden und denkt über einen Landeswechsel nach. Hier böte sich Niedersachsen an, aber so eine "Zuwanderung" ist auch bei geografischer Nähe und kultureller Verbundenheit nicht ohne Hürden.

Bayerns Innenminister Joachim Herrmann sagt, solch ein Übertritt sei ein kompliziertes Verfahren. Weshalb sich Bayern nicht auf einen schnellen Gebietszuwachs einstelle. Noch pessimistischer ist der Bayerische Städtetag. Er sieht kaum Chancen für einen Wechsel Thüringer Landkreise nach Franken. Für die Änderung von Gebietsgrenzen gebe es große rechtliche Hürden, sagt Geschäftsführer Bernd Buckenhofer. Im Grunde gebe es nur einen Ausweg nur über einen Volksentscheid. Das scheint keine schlechte Idee zu sein, denn da würde sich dann ja zeigen, wie viele Bürger die abwanderungswilligen Landräte, die, wie Ramelow sagt, vor allem um ihren Job bangen, tatsächlich auf ihrer Seite haben.

© Berliner Morgenpost 2013 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams
Obama in Berlin
18.06.13US-Präsident zu Besuch
Minutenprotokoll – Barack Obamas Ankunft in Berlin

US-Präsident Barack Obama ist mit seiner Frau Michelle und den Töchtern Sasha und Malia in Berlin gelandet. Die Präsidentenfamilie hat im Hotel eingecheckt. Der Tag im Minutenprotokoll. mehr...


Nicht nur für die Einheimischen ist der Besuch von Barack Obama etwas Besonderes. Auch die Touristen empfinden ihn als eine Extra-Attraktion
05:18US-Präsident
Gelassene Touristen treffen auf aufgeregte Demonstranten

Eine Stadt in Erwartung: Wo können Berliner den Präsidenten sehen? Wird er im Fitnessstudio des Hotels eine Trainingseinheit einlegen? Und bekommen die Polizisten auch keinen Hitzschlag? mehr...


Sekunden vor der Landung: Auf diesen Moment haben die Fans der „Air Force One“ gewartet
18.06.13Obama in Berlin
Blick auf die "Air Force One" macht Planespotter glücklich

Sie warten und warten – auf den einen Moment. Planespotter haben sich am Flughafen Tegel versammelt, um Barack Obama landen zu sehen. Die "Air Force One" ist für viele das schönste Flugzeug der Welt. mehr...

BMO_ObamaLimo.jpg
18.06.13Interaktive Grafik
Die Staatskarosse des US-Präsidenten ist ein rollendes "Biest"

Bei der Sicherheit des US-Präsidenten wird nichts dem Zufall unterlassen. Seine Dienstlimousine ist wie ein fahrender Hochsicherheitstrakt. Daher hat es auch den Spitznamen "The Beast" - das Biest. mehr...

Leser-Kommentare Kommentare
Leserkommentare sind ausgeblendet.
Kommentare einblenden
Die Technik der Kommentarfunktion "DISQUS" wird von einem externen Unternehmen, der Big Head Labs, Inc., San Francisco/USA., zur Verfügung gestellt. Weitere Informationen, insbesondere darüber, ob und wie personenbezogene Daten erhoben und verarbeitet werden, finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen

Die Moderation der Kommentare liegt allein bei MORGENPOST ONLINE.
Allgemein gilt: Kritische Kommentare und Diskussionen sind willkommen, Beschimpfungen / Beleidigungen hingegen werden entfernt. Wie wir moderieren, erklären wir in der Netiquette.
blog comments powered by Disqus
Top-Thema

Aus dem Bett ihrer Suite im „Ritz-Carlton“ kann das Präsidentenpaar auf den Potsdamer Platz schauen
Obamas Hotel in Berlin

Hier übernachtet die First Familiy

Video Nachrichten mehr
US-Präsident So bereitet sich Berlin auf den Obama-Besuch vor
Berlin-Besuch Obamas Rede an der Siegessäule
Staatsbesuch In Berlin gilt höchste Sicherheitsstufe für Obama
USA Obama verteidigt Abhöraktionen der Geheimdienste
Die Welt - Aktuelle News
  1. 1. WirtschaftAltersabsicherungWarum die Rente mit 69 allen Deutschen helfen soll
  2. 2. DeutschlandUS-Präsident in BerlinDeutschland empfängt die Familie Obama
  3. 3. WirtschaftSteueroasenG-8-Staaten wollen Google & Co. an den Kragen
  4. 4. KommentareG-8-GipfelDie Bundesregierung lag in der Syrien-Frage falsch
  5. 5. AuslandTürkeiErdogan verkündet Sieg über die Demonstranten
 
Top Bildershows mehr
Staatsbesuch

Von Kennedy bis Bush – US-Präsidenten in Berlin

Absperrungen

US-Präsident Barack Obama in Berlin

US-Präsident

Straßensperrungen zum Besuch von Obama in Berlin

"Ritz-Carlton"

Hier übernachtet Barack Obama in Berlin

 
In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote