03.02.13

FDP-Politiker

Minister Niebel klagt über Sexismus gegen Männer

Auch viele Männer würden sexuell belästigt, so Minister Dirk Niebel. Als Konsequenz aus der Brüderle-Debatte spricht der FDP-Politiker mit Journalistinnen nur noch in Anwesenheit einer Mitarbeiterin.

Von Karsten Kammholz und Claudia Ehrenstein
Foto: AFP

„Dass Männer belästigt werden, passt nicht zum Mainstream“: Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel
"Dass Männer belästigt werden, passt nicht zum Mainstream": Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel

FDP-Präsidiumsmitglied Dirk Niebel fordert eine Debatte über Sexismus gegen Männer. Es gebe auch viele Männer, die belästigt werden, sagte Niebel der "Welt". Er beklagte: "Darüber wird kaum gesprochen, und dieser Aspekt wird extrem verschämt behandelt. Dass Männer belästigt werden, passt ja nicht zum Mainstream."

Der Entwicklungsminister zieht persönliche Konsequenzen aus den Sexismus-Vorwürfen gegen FDP-Fraktionschef Rainer Brüderle. Er habe bei einem Interview mit einer Journalistin bereits dafür gesorgt, dass nicht nur sein Pressesprecher, sondern auch eine Mitarbeiterin dabei war. "Ich werde das in Zukunft weiter so handhaben", sagte Niebel.

Ein lange geplantes Interview mit der "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich habe er abgesagt. "Ich habe bei ihr kein Vertrauen mehr auf ein faires Interview."

Warnung vor "Situation wie in den USA"

Niebel warnte vor einer "Situation wie in den USA", wo man als Mann einen Fahrstuhl nicht mehr betrete, wenn dort eine Frau allein unterwegs sei. "Und das aus Sorge, es könnte gegen ihn verwendet werden."

Wenn man nicht mehr bei einem Parteitag abends an der Bar ein freies Gespräch mit Journalisten führen dürfe, sondern Konsequenzen fürchten müsse, "weil nicht alles druckreif formuliert wurde und das Gesagte falsch verstanden werden könnte, dann bekommen wir es mit einer anderen Republik zu tun".

Wie das Magazin "Focus" berichtet, misst eine Mehrheit der Deutschen der Sexismus-Debatte große Bedeutung bei, selbst betroffen fühlt sich aber eine Minderheit. Laut einer Emnid-Umfrage für das Magazin würden 80 Prozent der Befragten eine gesellschaftliche Diskussion über den richtigen Umgang der Geschlechter miteinander für wichtig halten. Unter den Frauen ist der Anteil mit 85 Prozent noch höher, doch auch drei von vier Männern (75 Prozent) sind dieser Meinung.

Durch sexuell anzügliche Bemerkungen belästigt gefühlt haben sich der Umfrage zufolge 24 Prozent der Frauen und sechs Prozent der Männer. Das Meinungsforschungsinstitut TNS Emnid befragte für "Focus" am 30. und 31. Januar 1008 repräsentativ ausgewählte Personen.

Quelle: mit dpa
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