03.02.13

Biologie

Zerstörungswut nagt an märkischen Bibern

So ein Biber weckt bei den meisten Menschen eine romantische Vorstellung von eleganten Schwimmern, tollen Burgen und gestauten Wasserläufen. Wenn ihr Tun Schäden anrichtet, schlägt die Stimmung um.

Von Peter Jähnel
Foto: ZB

Diese Spuren eines Bibers kann man nicht mehr als dezent bezeichnen. Die Biber-Population in Brandenburg hat sich seit dem Krieg, als die Tiere vom Aussterben bedroht waren, deutlich erholt
Diese Spuren eines Bibers kann man nicht mehr als dezent bezeichnen. Die Biber-Population in Brandenburg hat sich seit dem Krieg, als die Tiere vom Aussterben bedroht waren, deutlich erholt

Die emsige Arbeit der Biber an Brandenburgs Gewässern freut Naturschützer und ärgert manchmal Betreiber von Fischteichen. Einerseits verbessern Biber den Wasserhaushalt, indem sie Wasser in Gräben und Bächen aufstauen. Doch wenn die kräftigen Tiere Abflüsse verstopfen und Dammbrüche bei Fischteichen verursachen, ziehen sie den Zorn der Teichbesitzer auf sich.

Welche zerstörerische Arbeit Biber anrichten können, zeigte sich im Dezember gleich an zwei Orten. Im Forellenhof in Fünfeichen im ostbrandenburgischen Schlaubetal brach der Damm eines Teiches. Das Wasser floss in einen Nachbarteich und in den Wald und riss Karpfen, Hechte und Zander mit.

Auch an einem Fischteich in Krayne (Spree-Neiße) gab der Damm nach, und rund 500 Kilogramm Karpfen und Schleie strömten in ein tiefer gelegenes Speicherbecken. Der Landesfischereiverband schätzt den Schaden allein an den Dammanlagen in beiden Fällen auf mehr als 130.000 Euro.

Als Verursacher machten Experten jeweils Biber aus. Die Nager können eine Länge von einem Meter und ein Gewicht von 30 Kilogramm erreichen. Sie graben in den Dämmen bis zu einem Meter lange Gänge zu ihren Wohnhöhlen und legen von dort Luftlöcher zum Atmen an. Dies führt gemeinsam mit der Tätigkeit anderer Nager wie Mäusen dazu, dass ältere Deiche und Dämme dem steigenden Wasserdruck nachgeben und brechen.

Biber sorgt für bleibendes Wasser

Naturschützer sehen das Problem etwas anders. "Der Elbe-Biber, von dem 2500 Tiere in Brandenburg leben, ist für uns ein nützliches Tier", sagt Katharina Weinberg, Brandenburger Geschäftsführerin des Naturschutzbundes Deutschland (Nabu). "Der Biber sorgt durch den Dammbau an Fließgewässern gratis dafür, dass das Wasser in der Region bleibt und nicht abfließt. Dafür setzen auch wir uns ein." Wenn Biber allerdings ihre Gänge in Deichen oder Dämmen von Fischteichen bauen und diese dadurch gefährden, müssten die Tiere dort ferngehalten werden.

"Um dies zu erreichen, werden die Biberbaue in den Deichen verfestigt und unterirdische Gitterzäune eingebaut", erläutert Weinberg. "Das wird bei der Modernisierung der Deiche mitgemacht und ist genehmigungspflichtig."

Auch der Naturschutzbund müsse dabei gefragt werden. Einen Abschuss der geschützten Tiere, wie es der Landkreis Märkisch-Oderland wegen der Wühltätigkeit an den Oderdeichen genehmigt hatte, lehnt die Naturschützerin ab. "Stattdessen sollte kein Biberfutter wie Pappeln oder Weiden auf Deichen und Dämmen oder Mais auf angrenzenden Feldern angepflanzt werden."

Schutzziel erreicht

Für den von Bibern verursachten Schaden sind die Kreisverwaltungen zuständig. Sie sind aber knapp bei Kasse und verweisen auf Fördermittel aus dem Fonds für Integrierte Ländliche Entwicklung (ILE). Doch auch dieses Geld ist begrenzt.

"Besser wäre es, wenn die Naturschutzbehörden sich selbst darum kümmern, Schäden durch geschützte Tiere wie Biber, Kormorane oder Wölfe zu verhindern", sagt Lars Dettmann, Geschäftsführer des Landesfischereiverbandes. "Das könnte in einem Biber-Managementplan festgelegt werden ähnlich dem Brandenburger Wolfs-Management."

Die Biber-Population in Brandenburg habe sich seit dem Krieg, als die Tiere vom Aussterben bedroht waren, deutlich erholt und das Schutzziel sei erreicht. "Jetzt muss das Zusammenleben von Mensch und Biber neu organisiert werden", fordert Dettmann. Ein gutes Beispiel dafür seien die im Januar vom Umweltministerium und 80 Partnern beschlossenen neuen Regelungen für den Umgang mit Wölfen.

Quelle: dpa/cl
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