31.01.13

Tuvia Tenenbom

Jüdischem Autor droht Ärger wegen Hitler-Gruß

Bei einem Neonazi-Aufmarsch wollte Tuvia Tenenbom die Rechtsextremisten mit dem Hitler-Gruß provozieren. Diese meldeten das der Polizei – die nun gegen den israelisch-amerikanischen Autor ermittelt.

Foto: AFP

Tuvia Tenenbom ist Autor und Regisseur. In New York City gründete er das Jewish Theater of New York
Tuvia Tenenbom ist Autor und Regisseur. In New York City gründete er das Jewish Theater of New York

Der israelisch-amerikanische Autor Tuvia Tenenbom hat wegen einer Provokation von Neonazis Ärger mit der Polizei. Die Magdeburger Behörden ermitteln gegen den 55-Jährigen ("Allein unter Deutschen") wegen des Zeigens des Hitler-Grußes am Rande eines Neonazi-Aufmarsches in Magdeburg.

Die Polizei bestätigte einen entsprechenden Bericht der "Magdeburger Volksstimme". Es bestehe der Verdacht des Verwendens verfassungsfeindlicher Symbole. Am 12. Januar waren rund 900 Neonazis in der Hauptstadt von Sachsen-Anhalt aufmarschiert, was zu zahlreichen Protestkundgebungen und Gegenaktionen geführt hatte.

Die Zeitung zitierte den jüdischen Autor und Regisseur mit den Worten: "Die Idee war es, die Neonazis zu einem Interview zu bringen. Das ist aber gar nicht so einfach. Also habe ich provoziert und den Hitlergruß gezeigt."

Dabei sei er von einem ARD-Kamerateam begleitet worden. Die Neonazis hätten sich aber nicht provozieren lassen. Einer von ihnen habe außerdem seine Verkabelung mit dem Fernsehteam bemerkt. Tenenbom: "Da war es vorbei."

Neonazis beschuldigten ihn bei Polizei

Schließlich hätten die Neonazis den Autoren bei der Polizei beschuldigt, den Hitler-Gruß gezeigt zu haben, berichtete die Zeitung weiter. Der Autor des geplanten Fernsehbeitrags sagte, die Provokation sei spontan und nicht abgesprochen gewesen.

In Deutschland ist das Zeigen der Hitlergrußes verboten. Ausnahmen gibt es in Kunst und Wissenschaft.

Polizeisprecherin Beatrix Mertens: "Sollte sich herausstellen, dass der Hitlergruß zum Beispiel als dramaturgisches Mittel eingesetzt wurde, könnte das zum Einstellen des Verfahrens führen." Dies könne aber nur die Staatsanwaltschaft entscheiden.

Bürger demonstrierten mit Hakenkreuzen

Die rund 900 Neonazis waren am südlichen Stadtrand von Magdeburg aus Anlass des Jahrestages der Zerstörung der Stadt im Zweiten Weltkrieg aufmarschiert. Mehrere 1000 Gegendemonstranten und Bürger auf einem eigens organisierten Straßenfest hatten verhindert, dass die Rechtsextremisten in der Innenstadt marschieren konnten. Aufsehen löste auch eine Aktion von rund 30 Bürgern aus, die mit roter Farbe und Hakenkreuzen gegen die Rechtsextremen demonstrierten.

Tenenbom ist Gründer des Jewish Theater of New York in New York City. Er arbeitet auch als Kolumnist für mehrere Zeitungen. Für sein Buch "Allein unter Deutschen" (im Original: "I Sleep in Hitler's Room") pendelte er sechs Monate zwischen Hamburg und München und war im Osten sowie im Ruhrgebiet unterwegs.

Dabei sprach er mit Autonomen und Neonazis, Journalisten und Unternehmern oder auch Nonnen und Pfarrern.

Quelle: dpa/jw
© Berliner Morgenpost 2014 - Alle Rechte vorbehalten
P.S.: Sind Sie bei Facebook? Dann werden Sie Fan von der Berliner Morgenpost.
Die Favoriten unseres Homepage-Teams

Top-Thema
title
Die besten Berlin-Videos

Das sind die Youtube-Favoriten der Redaktion.

Video Nachrichten mehr
Kult-Kalender Bei Pirelli dreht sich diesmal alles um Fetisch
Ausgestopft Hier lebt Eisbär Knut ewig weiter
Pakistan Lynchmord wegen Facebook-Kommentar
50 Milliarden Dollar Russland muss Mega-Schadenersatz zahlen
Top Bildershows mehr
Willkommen in Berlin

Hurra, ich bin da! Das sind Berlins süße Babys

Jeden Tag

Kopfnoten für Politiker, Manager und Prominente

Fotogalerie

Das sind die Berliner Bilder des Tages

Abfahrt

Weltreise im Oldtimer - Heidi Hetzer bricht auf

In eigener Sache
Weitere Morgenpost Angebote