30.01.13

"The Last Stand"

Äktschn mit Arnold, dem gealterten Helden

Nach zehn Jahren Politik kehrt Arnold Schwarzenegger ins Kino zurück. Im Film "The Last Stand" spielt er einen alternden Kleinstadtsheriff. Begegnung mit einem 65 Jahre alten Actionhelden.

Von Andreas Rosenfelder

Arnold Schwarzenegger spricht lieber Englisch. Man möchte ihm fast dafür danken, denn die Sätze, die er mit dunkler und brüchiger Stimme sagt, klingen so wie die Tonspur zu einem Film. "Ich mag es, ein Leben der Gefahr zu führen, ein Leben der Verwirrung. Je chaotischer die Dinge sind, umso größer der Reiz. Wenn es nicht mehr zu managen ist, erst dann habe ich Spaß. Ich mag Ärger."

Man weiß in diesem Moment nicht, ob der Mann, der den Samtsessel des Kölner Hotels sehr eindrucksvoll ausfüllt, gerade als ehemaliger Gouverneur von Kalifornien spricht oder als Filmschauspieler, der mit "The Last Stand" nach zehn Jahren auf die Leinwand zurückkehrt. Das aber steht fest: So kann nur ein Actionheld reden.

Eigentlich ist dieser Terminus, um es geschwollen zu formulieren, natürlich eine Tautologie. Denn was bitte sollte das sein, ein Held ohne Handlung? Hamlet zum Beispiel, werden die Erzähltheoretiker auf den billigen Plätzen jetzt einwerfen, dessen Drama ja eben darin besteht, dass er so gut wie nichts unternimmt.

Aber diesen Fehler von Shakespeare hat Schwarzenegger schon 1993 in "Last Action Hero" korrigiert, wo er den Prinzen von Dänemark in einem kurzen Einspieler auf seine ganz eigentümliche Weise interpretierte: Er klemmte sich eine Zigarre zwischen die Zähne, schleuderte Claudius, den Mörder seines Vaters, durch ein Kirchenfenster und sprengte nach dem Sein-oder-nichtsein-Monolog ganz Helsingör in die Luft.

Schwarzeneggers Autobiografie ist großartig

Genau 20 Jahre liegt dieser Film jetzt zurück. Er tauchte die Welt des Actionfilms schon damals ins milde Licht der Erinnerung und setzte Schwarzenegger, den Superstar der Achtzigerjahre, als Stellvertreter eines aussterbenden Kinos ein, als Letzten seiner Art eben. Auch der letzte "Terminator"-Film, den Schwarzenegger kurz vor seinem Amtsantritt als Gouverneur von Kalifornien 2003 drehte, zeigte ihn als leicht fehlerhaften Kampfroboter aus der technischen Ur- und Frühgeschichte.

Durch seine Heldenfiguren hat Schwarzenegger das Publikum immer wieder dazu verführt, ihn als primitive Handlungsmaschine misszuverstehen. Dass der österreichische Bodybuilder, der neben seiner Muskelmasse auch eine ungewöhnliche Intelligenz als Startkapital nach Hollywood brachte, das Drehbuch für sein Leben selbst verfasst und seinen Körper mit dem Kalkül eines Bildhauers geformt hat, nahmen die Medien eher misstrauisch zur Kenntnis, als er im Herbst seine großartige Autobiografie "Total Recall" veröffentlichte.

Ein ganzes Jahrzehnt lang hat Arnold Schwarzenegger keine Rolle auf der Leinwand gespielt. Er räumte Kalifornien von 2003 bis 2011 nicht etwa mit den Mitteln einer autoritären Actionfigur auf, sondern vertrat im Gegenteil einen sehr modernen Konservatismus, legalisierte weiche Drogen und verheiratete homosexuelle Paare – was nur Kinokritiker wundern kann, die lieber in einer von Woody Allen regierten Gelehrtenrepublik leben würden, wo jedes Gesetzgebungsverfahren in neurotischen Parlamentsdebatten unterginge.

Schon als Kind hat er Waffenlager ausgehoben

Nun kehrt Schwarzenegger, symbolische 65 Jahre alt, ins Kino zurück, und er selbst vergleicht diese Form der Pensionierung mit dem Rückzug des römischen Politikers Cincinnatus, der nach seiner Alleinherrschaft wieder als Bauer auf dem Land lebte. Er habe alles über den Mann gelesen, sagte Schwarzenegger der "New York Times Book Review", der habe seinen Job gemacht und sei dann wieder gegangen. "Das ist die reinste Form des Dienstes an der Öffentlichkeit."

Auch in "The Last Stand", der ersten Hollywoodproduktion des koreanischen Regisseurs Kim Jee-woon, übt Arnold Schwarzenegger ein öffentliches Amt aus – allerdings nur als Sheriff in einer Grenzstadt in Arizona, wo er sich mit Falschparken und ähnlichen Kleindelikten beschäftigt, bis ein mexikanischer Kartellboss auf der Flucht vor dem FBI in seiner umgebauten Corvette und mit 400 Stundenkilometern auf den Ort zusteuert.

Der Sheriff rekrutiert – fast wie der einsame Marshal in "High Noon" – eine Mannschaft aus Alkoholikern und Dorftrotteln, um den Feind aufzuhalten. Es ist, wie der Titel sagt, sein letztes Gefecht.

Ist es eine selbstironische Metapher, dass der einstige Gouverneur von Kalifornien nun für ein Nest in der Wüste zuständig ist? Geht es in "The Last Stand" am Ende auch um Politik? Nein, das habe mit seinem Vater zu tun, sagt Arnold Schwarzenegger. Der war Polizeibeamter in einem Dorf in der Steiermark. Als Kind sei er oft mit auf Patrouille gewesen, habe verdächtige Hütten im Wald inspiziert und Waffenlager ausgehoben. Deshalb spiele er so gerne Gesetzesvertreter.

Schwarzeneggers Philosophie des Handelns

Es gibt in "The Last Stand" eine Szene, in der Schwarzenegger durch das Schaufenster eines Diners fliegt. Auf die Frage "How are you, Sheriff?" antwortet er knapp: "Old." Man könnte das so verstehen, als bereite sich das Genre des Actionfilms allmählich auf den Ruhestand vor.

Bullshit, sagt Schwarzenegger, den alternden Actionhelden habe Clint Eastwood schon 1993 mit "In the Line of Fire" erfunden. Das sei als Rolle einfach attraktiv und ab einem bestimmten Zeitpunkt glaubwürdiger. Er trainiere immer noch jeden Tag, anderthalb Stunden, Kreislauf und Gewichte.

"Ich kann in jeden Film gehen und alles tun", sagt er lachend. Das ist ein nur scheinbar banaler Satz. Arnold Schwarzeneggers Lebenswerk handelt davon, dass Handlung möglich ist.

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