27.01.13

Rechter Terror

NSU-Trio spähte offenbar Ziele in Stuttgart aus

Auch in Stuttgart hat die NSU-Terrorzelle offenbar Ziele ausgespäht. Im Brandschutt der Zwickauer Wohnung wurden Fotos gefunden, die türkische Bistros und Lebensmittelläden zeigen.

Foto: dapd

Ein Bildschirmfoto aus dem Bekennervideo der NSU-Terrorgruppe. Im Büro der Linken in Weimar wurde nach einem Einbruch auch eine DVD gefunden
Ein Bildschirmfoto aus dem Bekennervideo der NSU-Terrorgruppe. Im Büro der Linken in Weimar wurde nach einem Einbruch auch eine DVD gefunden. Offenbar spähte die Gruppe auch Anschlagsziele in Stuttgart aus

Die Terrorzelle "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU) hat 2003 Anschlagsziele in Stuttgart ausgespäht und auf Fotos dokumentiert. Das gehe aus einer CD hervor, die im Brandschutt der letzten NSU-Wohnung in Zwickau gefunden wurde, wie die Tageszeitung "taz" berichtet.

Laut den der Zeitung vorliegenden Ermittlungsunterlagen zeigen die Fotos Aufnahmen eines türkischen Bistros und eines türkischen Lebensmittelladens in der Nähe des Stuttgarter Nordbahnhofs.

Das Bundeskriminalamt (BKA) habe "keine begründbaren Zweifel", dass dort "zwei mögliche spätere Anschlagsziele ausbaldowert worden sind", heiße es in den Akten. Für die Ausspähungen in Stuttgart zelteten die Neonazis Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos nach Erkenntnissen des BKA im Juni 2003 drei Tage auf einem Campingplatz am Cannstatter Wasen.

Unterdessen zahlte die Staatsanwaltschaft Heilbronn den drei wichtigsten Hinweisgebern zum Terror-Trio jeweils 7000 Euro Belohnung aus. Insgesamt hatte die Behörde nach dem Mord an der Polizistin Michèle Kiesewetter 2007 40.000 Euro ausgelobt.

Die restliche Summe werde "nach Abschluss des Strafverfahrens gegen die mutmaßliche NSU-Terroristin Beate Zschäpe" ausgezahlt, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft dem Nachrichtenmagazin "Focus". Der Prozess gegen Zschäpe, die mutmaßlich das einzige noch lebende Mitglied der NSU ist, soll noch im Frühjahr vor dem OLG München beginnen.

Bekenner-DVD in Weimar aufgetaucht

Eine Bekenner-DVD der NSU ist jetzt in einem Büro der Linken in Weimar aufgetaucht, mehr als ein Jahr hatte es dort unentdeckt gelegen. Erst nach einem Einbruch vor einer Woche hätten sich die Mitarbeiter an das brisante Stück erinnert, sagte der Chef der Linken-Fraktion im Landtag, Bodo Ramelow, am Sonntag. Die DVD sei daraufhin sofort dem Bundeskriminalamt übergeben worden. Über den Fall hatte das Magazin "Spiegel" vorab berichtet.

Die Mitarbeiter seien sich offensichtlich nicht der Brisanz dieser DVD bewusst gewesen und hätten sie "abgeheftet", sagte Ramelow. Der Inhalt, der von dem Terrortrio als Bekennerfilm konzipierte "Paulchen Panther"-Film, sei uninteressant, da er von anderen DVDs weithin bekannt sei.

Vielmehr sei zu hoffen, dass sich auf der Scheibe noch Fingerabdrücke derjenigen finden, die sie bei dem Büro eingeworfen haben, erläuterte Ramelow. Sie sei in den Briefkasten gesteckt worden und nicht per Post gekommen. Ein Brief sei nicht dabei gewesen.

Auf der Adressliste des Terror-Trios

Laut Ramelow hatte das Weimarer Büro wie etliche andere der früheren PDS auf einer Adressliste des Trios gestanden, an die Zschäpe nach dem Tod von Mundlos und Böhnhardt im Herbst 2011 die Bekennervideos geschickt hat – allerdings per Post.

Er sei verwundert, dass die Ermittler nicht schon früher bei der Linken in Weimar nachgefragt haben, sagte Ramelow. Aus seiner Sicht deute vieles darauf hin, dass Beate Zschäpe selbst die DVD in Weimar abgeliefert haben könnte.

Auch der Einbruch in das Büro gebe Rätsel auf, erläuterte Ramelow. Dabei seien zwei Blechschränke geöffnet und ein Computer gestohlen worden, für etliche andere Wertgegenstände hätten sich die Einbrecher aber nicht interessiert. Haben die Diebe möglicherweise nach der DVD gesucht? "Ich will da nichts ausschließen", sagte Ramelow.

Quelle: dpa/AFP/sara
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