24.01.13

FDP

Westerwelle nimmt Brüderle gegen "Stern" in Schutz

FDP-Spitzenkandidat Rainer Brüderle schweigt zu dem Vorwurf einer jungen Reporterin, er sei ihr gegenüber zudringlich geworden. Doch mehrere Parteifreunde, darunter der Außenminister, verteidigen ihn.

Foto: dapd

Parteifreunde: Außenminister Guido Westerwelle (FDP, l.) und der designierte Spitzenkandidat der Liberalen beid er Bundestagswahl, Rainer Brüderle
Parteifreunde: Außenminister Guido Westerwelle (FDP, l.) und der designierte Spitzenkandidat der Liberalen bei der Bundestagswahl, Rainer Brüderle

Außenminister Guido Westerwelle (FDP) hat den designierten FDP-Spitzenkandidaten Rainer Brüderle gegen Belästigungsvorwürfe einer "Stern"-Journalistin in Schutz genommen. "Diese Art der Berichterstattung ein Jahr nach einem angeblichen Vorfall ist zutiefst unfair", sagte Westerwelle auf dem Flug nach Lissabon. Zudem sei es "unmöglich", Brüderles Ehefrau Angelika in die Berichterstattung hineinzuziehen.

Der FDP-Fraktionschef wird von der "Stern"-Journalistin Laura Himmelreich beschuldigt, am Rande des traditionellen Dreikönigstreffens der Partei vor einem Jahr anzügliche Bemerkungen gemacht zu haben.

Der 67-Jährige soll die FDP auch als Spitzenkandidat in die Bundestagswahl führen. Westerwelle hält sich seit Mittwoch zu einem Besuch in Spanien und Portugal auf. Es ist ungewöhnlich, dass ein Bundesaußenminister auf Auslandsreisen zu Vorgängen in Deutschland Stellung nimmt.

"Das riecht nach Inszenierung"

Brüderle selbst, seine Fraktion und Partei äußerten bislang nicht zu dem Vorwurf. Der FDP-Politiker Rainer Stinner sagte im Deutschlandfunk, er halte es für unprofessionell, dass die Journalistin diese Vorwürfe genau dann herauskrame, wenn Brüderle eine herausragende Position in der Partei übernehme. Das sei "durchsichtig und primitiv".

Der thüringische Bundestagsabgeordnete Patrick Kurth meinte: "Das riecht nach Inszenierung statt Recherche." Der in Halle erscheinenden "Mitteldeutschen Zeitung" sagte er, es gebe keine Belege und keine Zeugen für die Darstellung.

Im Kurznachrichtendienst Twitter schrieb er zudem, er werde künftig nur noch mit "alten grauen Redakteuren" sprechen. Der Medienunternehmer und stellvertretende Landesvorsitzenden der Jungen Liberalen in Rheinland-Pfalz, Tobias Huch, twitterte an die Adresse der Journalistin: "Da ist der Wunsch der Vater des Gedanken."

DJV wundert sich über das Schweigen der FDP

Die Vorsitzende der FDP-Frauenorganisation, Doris Buchholz, erklärte: "Ich weiß nicht, warum die Journalistin ein ganzes Jahr wartet und jetzt so eine Story daraus macht. Da reagiere ich doch sofort."

Auch der SPD-Politiker Sebastian Edathy kritisierte den Bericht und den Zeitpunkt der Veröffentlichung. In der "taz" warf er der Journalistin ein "merkwürdiges Berufsverständnis" vor, wenn sie "um Mitternacht an einer Hotelbar ein offizielles Gespräch mit einem Politiker" habe führen wollen. "Wenn die betroffene Journalistin das Geschehen als übergriffig empfunden hat, hätte sie das schon vor einem Jahr öffentlich machen können."

Dagegen thematisierte der Bundesvorsitzenden des Deutschen Journalisten-Verbandes (DJV), Michael Konken, das Schweigen der FDP. "Die Veröffentlichung wirft kein gutes Licht auf Brüderle. Es ist schon verwunderlich, dass er dazu noch keine Stellung bezogen hat." Aus der Pressestelle der Fraktion hieß es: "Kein Kommentar." Auch der Landesverband Rheinland-Pfalz, dessen Ehrenvorsitzender Brüderle ist, äußerte sich auf Anfrage nicht.

"Stern"-Chefredakteur verteidigt Veröffentlichung

"Stern"-Chefredakteur Thomas Osterkorn verteidigte die Schilderung seiner Mitarbeiterin. "Der erste Eindruck, den Laura Himmelreich vor einem Jahr von Brüderles Umgang mit Frauen gewonnen hatte, bestätigte sich im Laufe der Zeit bei weiteren Beobachtungen und Begegnungen", erklärte er auf "stern.de". Er halte die Berichterstattung für legitim. "Denn es scheint ein wiederkehrendes Verhalten von Brüderle zu sein."

Die Autorin selbst rechtfertigte ihre Schilderungen zum jetzigen Zeitpunkt per Twitter: "Warum kommt erst jetzt die Geschichte? Weil es relevant ist, wenn das 'neue Gesicht' der FDP veraltete Klischees lebt."

Brüderle soll neben dem Parteivorsitzenden Philipp Rösler die FDP in erster Reihe in den Bundestagswahlkampf führen. Auf die Tandemlösung verständigte sich die FDP Anfang dieser Woche.

Quelle: dpa/dapd/ks
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