24.01.13

GM-Vize Girsky

"Opel ist definitiv nicht zu verkaufen"

Entgegen anders lautender Nachrichten wird Opel nicht an die Franzosen verkauft. Statt dessen entwickeln Opel und Peugeot Citroën gemeinsam mehrere Autoplattformen und erschließen neue Märkte.

Von Nikolaus Doll
Foto: dpa

PSA-Chef Philippe Varin (r.) und GM-Vize Steve Girsky erklären die weitere Strategie der Auto-Allianz
PSA-Chef Philippe Varin (r.) und GM-Vize Steve Girsky erklären die weitere Strategie der Auto-Allianz

Es gibt Momente, da hat die Harmoniebereitschaft von Amerikanern und Franzosen ein Ende – selbst wenn es gerade dann entscheidend sein könnte, Eintracht zu demonstrieren. Ob man das Gespräch auf Französisch führen könne, wurde Opel-Aufsichtsratvorsitzende und GM-Vize Steve Girsky bei einem gemeinsamen Auftritt in Brüssel mit PSA-Chef Philippe Varin gefragt. "Nein", antwortet der New Yorker knapp. Worauf Varin stichelt: "Kein Mensch ist perfekt." Wenn es um ihre Muttersprache geht, sind Franzosen eben empfindlich.

Ansonsten klappt es aber offenbar mit der Verständigung innerhalb der transatlantischen Auto-Allianz. "Wir machen gemeinsam gute Fortschritte", sagte Girsky und versuchte damit, das hartnäckige Gerücht zu entkräften, das Bündnis der beiden Automobilhersteller stünde vor dem Aus. Andere Insider wollten in den vergangenen Wochen das Gegenteil erfahren haben, nämlich dass General Motors seine Konzerntochter Opel an PSA verkaufen will. "Da ist absolut nichts dran. Opel ist definitiv nicht zu verkaufen. Und PSA will Opel nicht kaufen", stellte Girsky klar. Die Allianz, so wie sie derzeit bestehe, könne auch so ihre Ziele erreichen. Und die sind ehrgeizig.

Neben enger Kooperation bei Einkauf und Logistik wollen die beiden Hersteller gemeinsam mehrere Baureihen entwickeln und ab 2016 in Europa pro Jahr 3,5 Millionen der darauf basierenden Autos verkaufen, wie Girsky und Varin erstmals ankündigten. Das würde einen erheblichen Sprung nach vorne bedeuten.

Opel und Peugeot Citroën müssen Werke schließen

Opel und Peugeot Citroën macht die Schwäche auf dem europäischen Markt schwer zu schaffen. Beide Firmen schreiben hohe Verluste und planen Werksschließungen, Opel das Werk Bochum, PSA einen Standort bei Paris.

PSA hatte im vergangenen Jahr rund 2,9 Millionen Autos seiner Marken Peugeot und Citroën verkauft, Opel nur noch knapp 950.000. Das ist für jeden der beiden Hersteller zu wenig, um in einer Liga, in der es um Masse geht, mithalten zu können. Vor allem gegen weltweit aufgestellte Branchenriesen wie Toyota oder Volkswagen, die zuletzt jeweils mehr als neun Millionen Autos verkauft haben. Das Opel zum GM-Konzern gehört, der ebenfalls ganz oben mitspielt, nutzt den Rüsselsheimern in diesem Fall wenig, da sie ihre Modelle überwiegend in Europa verkaufen und an ihrem Erfolg dort gemessen werden.

Gemeinsame Plattformentwicklung

Derzeit arbeiten die beiden Konzerne an drei gemeinsamen Plattformen, die die Basis für einen kleineren und mittelgroßen Familien-Van sein sollen, vergleichbar mit dem, was Opel derzeit mit dem Zafira und Meriva im Angebot hat. Hinzu kommt eine neue Kleinwagenbaureihe, also die Corsa-Klasse.

Der Beitrag von PSA überwiegt dabei: Denn die beiden Familien-Vans sollen von Peugeot und Citroën entwickelt werden. Die neuen Kleinwagen sollen in gemeinsamer Arbeit entstehen, federführend dort ist Opel.

Von den Vans sollen pro Jahr – über alle drei Marken Opel, Peugeot und Citroën gesehen – rund zwei Millionen Stück verkauft werden, von den Kleinwagen in etwa 1,5 Millionen pro Jahr. "Wir sprechen hier aber nicht von identischen Fahrzeugen. Die Marken werden sich auch in Zukunft klar voneinander unterscheiden", sagte PSA-Chef Varin.

Damit will er Befürchtungen zerstreuen, die beiden Herstellern würden künftig standardisierte Einheitsmodelle anbieten, die sich in erster Linie nur noch durch das Markenzeichen unterschieden. Opel lebt auf dem Heimatmarkt immer noch dem Ruf, eine zuverlässige heimische Marke zu sein und im Ausland, unter anderem in Russland vom positiven Image "Made in Germany".

Wo Arbeitsplätze wegfallen, ist unklar

Unklar ist derweil weiter, wo die gemeinsam entwickelten Autos in Zukunft gebaut werden sollen. Davon hängt maßgeblich ab, wie viele Arbeitsplätze mittelfristig gesichert sind. Die Betriebsräte beider Unternehmen haben Sorge, dass ein Wettlauf der Werke darum entsteht, wer künftig welches Modell baut und dass dabei jeder mit möglichst geringen Kosten punkten will. "Eine Entscheidung, wo welche Baureihe vom Band läuft, kommt voraussichtlich erst 2014", sagte Girsky.

Immerhin zerstreuten die beiden Konzernchefs Befürchtungen, die auf Einsparung zielende Allianz könnte zu einer weiteren Welle von Stellenstreichungen führen. "Ich sehe durch unsere Allianz keine negativen Auswirkungen auf die Stellen in Frankreich und in Deutschland", erklärte PSA-Chef Varin. An die Mitarbeiter im Opel-Entwicklungszentrum Rüsselsheim gerichtet sagte Girsky: "Die Zusammenarbeit mit den Franzosen bedeutet, dass unsere Entwickler dort für GM, Opel und PSA arbeiten, dass es mehr Arbeit gibt. " Am Schließungsbeschluss für Bochum hält Girsky aber fest.

Was die beiden Autobauer planen, ist nach Worten der Konzernchefs erst der Anfang: "Wir wollen auf mehr Märkten gemeinsam antreten, zusammen mehr Technologien entwickeln und Autos bauen", kündigte Girsky an. Und die Allianz soll globale Dimensionen annehmen: "Wir haben neben West- und Mitteleuropa auch Russland und Lateinamerika im Visier", sagte Varin. Speziell an den südamerikanischen Markt angepasste Modelle seien denkbar. Vor allem für PSA wäre das ein wichtiger Schritt, denn der große Schwachpunkt der Franzosen ist die starke Ausrichtung auf den europäischen Markt. Ob Opel von den Plänen zu einer globaleren Ausrichtung hin profitiert, ist dagegen wenig wahrscheinlich. Amerika, egal ob Nord- oder Süd-, war immer den anderen GM-Marken vorbehalten.

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