Eintrittsalter
Kaum ein Arbeitnehmer geht mit 65 in Rente
Montag, 13. Juli 2009 17:04Noch immer schafft es kaum ein Arbeitnehmer bis zum 65. Geburtstag zu arbeiten. Nur jeder 14. im Alter von 63 bis 65 Jahren hat eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle. Das geht aus der Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linkspartei hervor. Die Statistik stärkt die Position von Gegnern der Rente ab 67.

Nur jeder 14. im Alter zwischen 63 und 65 Jahre hat eine sozialversicherungspflichtige Vollzeitstelle. Das ergibt die Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linkspartei hervor, aus der die „Frankfurter Rundschau“ zitiert. Demnach sinkt die Beschäftigungsquote, also der Anteil der Menschen mit einem vollwertigen Job, rapide ab Mitte 50.
So sank laut Bundesregierung die Zahl der 55- bis 65-jährigen Arbeitslosen zwischen Mai 2007 und Mai 2008 um 14 Prozent (67 000). In den zwölf Monaten danach nahm sie aber um 17 Prozent (74 000) zu. Dramatisch stellt sich demnach die Lage für die über 58-Jährigen dar. Ihre Arbeitslosenzahl sei binnen eines Jahres um 96 Prozent hochgeschnellt, habe sich also fast verdoppelt.
Die Bestandsaufnahme ist für Union und SPD politisch heikel, weil sie die Kritiker der Rente mit 67 bestärkt. Die Koalition hat erklärt, ein späterer Beginn für die reguläre Rente sei nur sinnvoll, wenn die Menschen tatsächlich länger arbeiten könnten. Das Gesetz schreibt daher vor, diese Voraussetzung für die Rente mit 67 erstmals 2010 zu überprüfen.
Die strittige Diskussion um die Rentengarantie geht unterdessen weiter. Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) sagte in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“, er sehe in der Frage der Rentengarantie keinen Konflikt zwischen Steinbrück und Bundesarbeitsminister Olaf Scholz (SPD). Steinbrück habe schließlich dem Gesetzentwurf und dem Vorschlag von Scholz zugestimmt. Es sei aber Aufgabe eines Finanzministers, zu sagen, dass die Gesetzesänderung irgendjemand irgendwann bezahlen müsse. Mehrere SPD-Landesverbände kritisierten Finanzminister Steinbrück wegen der neuen Diskussion um die Rentengarantie und warnten vor einem Wahldebakel bei der Bundestagswahl. Der niedersächsische SPD-Chef Garrelt Duin sagte der „Bild“-Zeitung: „Peer Steinbrück sollte dringend in den Urlaub fahren, denn die Diskussion ist völlig überflüssig. Wenn wir uns in der SPD ständig selbst zerfleischen, können wir keine Wahlen gewinnen.“Bayerns SPD-Chef Florian Pronold kritisierte Steinbrück ebenfalls für dessen Aussagen zur Rentengarantie. Pronold sagte der BILD-Zeitung: „Diese Diskussion jetzt zu führen, ist überflüssig und schädlich für die SPD.“
Der Sozialverband VDK warnte die SPD offen vor einem Wahlkampf gegen Rentner. VDK-Chefin Ulrike Mascher: „Wer die Rentengarantie in Frage stellt, muss damit rechnen, bei der Bundestagswahl abgestraft zu werden.“ Lob für Steinbrück kam dagegen vom Arbeitgeberverband. Arbeitgeber-Chef Dieter Hundt sagte: „Der Beschluss, die Renten selbst bei sinkenden Löhnen stabil zu halten, ist ein falsches Signal. Es muss alles unterlassen werden, was die Beschäftigten und die Wirtschaft zusätzlich belastet.“ .dpa/AFP/dcs






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