24.01.13

Annette Schavan

"Ich erhalte viel Zuspruch aus der Wissenschaft"

Annette Schavan denkt nicht an Rücktritt: Auch nach der Einleitung eines Prüfverfahrens ihrer Dissertation will die Bildungsministerin "weiter kämpfen". Zudem habe das Verfahren auch etwas Gutes.

Foto: dpa

Bildungsministerin Annette Schavan: „Ich bin davon überzeugt, dass die Vorwürfe unberechtigt sind“
Bildungsministerin Annette Schavan: "Ich bin davon überzeugt, dass die Vorwürfe unberechtigt sind"

Bundesbildungsministerin Annette Schavan (CDU) schließt einen Rücktritt auch nach der Einleitung eines Verfahrens zur Überprüfung ihres Doktortitels weiter aus. Der "Südwest Presse" Ulm sagte sie auf die Frage, ob sie Rücktrittsgedanken hege: "Nein. Ich erhalte seit Wochen derart viel Zuspruch aus der Wissenschaft, dass ich auch die Verantwortung spüre, nicht aufzugeben."

Dies und der Zuspruch in ihrem Ulmer Wahlkreis bestärke sie "weiter zu kämpfen".

Auf die Frage, ob sie gegen eine Entscheidung der Universität Düsseldorf gerichtlich vorgehen werde, sagte Schavan: "Gerade weil ich Wissenschaftsministerin bin, setze ich auf die Souveränität der Wissenschaft und den wissenschaftlichen Disput. Und ich bin davon überzeugt, dass die Vorwürfe unberechtigt sind." Allerdings habe sie der Vorwurf der Täuschung "bis ins Mark getroffen. Hier geht es ja nicht um meinen Doktortitel, sondern um meine Integrität."

Dennoch sieht Schavan in dem nun eingeleiteten Verfahren auch eine Chance: "Inzwischen dreht sich die Debatte um eine sehr grundsätzliche Frage: Ab wann spricht man in der Wissenschaft von einem Plagiat?" Wenn aus dem Verfahren ein Kodex zum wissensgerechten Umgang mit Plagiatsvorwürfen entstünde, "dann wäre das ein gutes Ergebnis".

Opposition bisher "sehr fair"

Zudem sei die Opposition trotz Bundestagswahlkampfs bisher "sehr fair" mit ihr umgegangen, betonte Schavan. "Ich kann mich auch hier überhaupt nicht beschweren."

So erhielt sie jüngst nicht nur aus den eigenen Reihen, sondern auch aus der Opposition Rückendeckung. "Ich rate allen dazu, dieses Verfahren abzuwarten. Solange das Verfahren läuft, gilt die Unschuldsvermutung", sagte Grünen-Fraktionschef Jürgen Trittin der "Rheinischen Post". Sollte Schavan der Doktortitel allerdings aberkannt werden, "dann wäre sie als Ministerin für Forschung nicht mehr tragbar", erklärte er.

Von Schavans Unschuld überzeugt zeigte sich auch CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe. "Sie hat die gegen sie erhobenen Vorwürfe von Anfang an entschieden zurückgewiesen. Dem vertraue ich uneingeschränkt", sagte Gröhe ebenfalls der "Rheinischen Post". Der Fakultätsrat der Universität Düsseldorf habe ausdrücklich gesagt, dass die Prüfung der Dissertation ergebnisoffen sei. "Ich habe volles Vertrauen in Annette Schavan", sagte er.

"Im Fall Schavan ist die Sache komplizierter"

Gröhe verwies zudem auf die breite Unterstützung für Schavan in der Wissenschaft und forderte die Universität zu einer Prüfung der Arbeit durch weitere Experten auf. "Zu Recht hat die Allianz der Wissenschaftsorganisationen ein Mehraugen-Prinzip sowie die Trennung von Gutachtern und Entscheidern angemahnt. Dies muss der Fakultätsrat sicherstellen."

Auch Unionsfraktionsvize und Bildungsexperte Michael Kretschmer forderte von der Hochschule, der Bundesbildungsministerin "das Recht auf eine faire und unvoreingenommene Überprüfung" zu garantieren. "Die Uni Düsseldorf muss endlich auch unabhängigen Expertenrat einholen", sagte Kretschmer der "Leipziger Volkszeitung".

Er verteidigte Schavan auch mit Blick auf ihre eigene Kritik vor rund zwei Jahren im Plagiatsfall des ehemaligen Bundesverteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU). Damals hatte Schavan erklärt, sie schäme sich und das nicht nur heimlich. "Zu Guttenberg hat den Titel in einer fairen Überprüfung mit unabhängigen Gutachtern verloren. Im Fall Schavan ist die Sache komplizierter", sagte Kretschmer.

Schavan sei so lange unschuldig, bis das Gegenteil bewiesen ist. "Alles andere sind ungelegte Eier", antwortete Kretschmer auf die Frage eines möglichen Rücktritts. Dass zudem gewichtige Stimmen aus der Wissenschaft ihr den Rücken stärkten, spreche doch für sich. "Annette Schavan ist eine honorige Persönlichkeit und eine sehr angesehene und erfolgreiche Bundesforschungsministerin."

Quelle: dapd/dpa/mcz
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