23.01.13

Tumor

Großstudie soll beste Prostatakrebs-Therapie finden

Prostatakrebs ist die häufigste Tumorart bei Männern in Deutschland. Doch welche Therapie hilft dagegen nun wirklich am besten? Das soll eine Langzeituntersuchung klären.

Foto: picture alliance / Picture Allia

Bei älteren Herren ist Prostatakrebs eine gefürchtete Diagnose – und die häufigste Tumor-Art. Jetzt soll herausgefunden werden, welche Therapie am effektivsten ist
Bei älteren Herren ist Prostatakrebs eine gefürchtete Diagnose – und die häufigste Tumor-Art. Jetzt soll herausgefunden werden, welche Therapie am effektivsten ist

Eine neue Großstudie zum Prostatakrebs soll nun erstmals die vier gängigen Therapien vergleichen und bewerten. Die Deutsche Krebshilfe und die Krankenkassen haben eine Langzeituntersuchung mit insgesamt 7600 Patienten gestartet. Ziel sei es, am Ende für die Betroffenen die individuell beste Therapie zu finden, erklärte Thomas Wiegel, einer der Studienleiter.

In Deutschland erkranken nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) jährlich etwa 67.600 Männer an einem bösartigen Tumor der Vorsteherdrüse. Mehr als 12.000 sterben jedes Jahr an einem Prostatakarzinom.

Bei einem auf die Prostata begrenzten Tumor gibt es vier Behandlungsmöglichkeiten: Das operative Entfernen der Prostata, die Bestrahlung von außen, die aktive Überwachung mit regelmäßigen Kontrollen oder die Behandlung des Tumors durch dauerhaft in der Prostata platzierte Strahlenquellen, die sogenannte Brachytherapie. Vor allem zu dieser Therapie liegen bislang keine ausreichenden Daten vor.

Auswirkungen auf Lebensqualität

In der bis 2030 laufenden Studie sollen die vier Behandlungsoptionen hinsichtlich ihrer Effektivität, der Nebenwirkungen und ihrer Auswirkungen auf die Lebensqualität der Betroffenen verglichen und bewertet werden. Bisher gebe es keine beweiskräftigen Daten, ob eine der vier Alternativen "der anderen überlegen, unterlegen oder tatsächlich gleichwertig ist", erklärte der zweite Studienleiter Michael Stöckle. Die Patienten müssten bislang ihrer eigenen Intuition folgen oder der Intuition des Therapeuten vertrauen.

Erstmals werde nun wissenschaftlich untersucht, von welchem Behandlungsweg "die betroffenen Männer am meisten profitieren und welche Methode für die Patienten am wenigsten belastend ist", erklärte Uwe Deh vom AOK-Bundesverband. An der Studie sind demnach rund 1000 niedergelassene Urologen und Strahlentherapeuten sowie mindestens 90 Prüfzentren beteiligt. Die Kosten von rund 25 Millionen Euro teilen sich die Deutsche Krebshilfe sowie die gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen.

Tumor wächst oft ohnehin kaum

Die Diagnose und Behandlung von Prostatakrebs sorgt immer wieder für Diskussionen. Prostata-Tumore wachsen bei vielen Patienten auch ohne Behandlung nicht oder nur sehr langsam. Deshalb wird in manchen Fällen zunächst abgewartet und mit Hilfe sogenannter PSA-Tests und Gewebeproben überprüft, ob der Tumor überhaupt Wachstumspotenzial hat. Erst dann schwenken die Ärzte von der aktiven Beobachtung auf eine aktive Therapie um. Deshalb sei es besonders wichtig, das Konzept der aktiven Beobachtung in der Studie mit zu testen, so Stöckle.

Trotz guter Heilungschancen leiden viele Männer laut einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie der Barmer GEK nach einer Prostatakrebs-Operation unter gravierenden Spätfolgen. Viele klagen ein Jahr nach der Entfernung der Prostata über Impotenz oder Harninkontinenz.

Quelle: AFP/cl
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