22.01.13

EU-Hilfen

Verschuldetes Zypern sitzt auf ungeheuren Schätzen

Schon im Juni hat Zypern bei der EU Hilfen beantragt, fließen werden sie aber noch lange nicht. Der Inselstaat könnte jedoch umschulden – und dabei einen bislang wenig beachteten Trumpf ausspielen.

Foto: dpa

Ein Mann verlässt die Zentralbank von Zypern. Neu entdeckte Gasvorkommen könnten dem Land finanziell aus der Klemme helfen
Ein Mann verlässt die Zentralbank von Zypern. Neu entdeckte Gasvorkommen könnten dem Land finanziell aus der Klemme helfen

Das hochverschuldete Zypern hat im Ringen um finanzielle Hilfe der EU nach Expertensicht einen wertvollen Trumpf in der Hinterhand: Die Mittelmeerinsel verfügt laut einem Bericht der Royal Bank of Scotland (RBS) über unerschlossene Gasreserven im Wert von über 600 Milliarden Euro.

Für das vom Bankrott bedrohte Land seien die Energiereichtümer ein Segen. Doch bis Zypern daraus Geld machen kann, ist es noch lange hin.

"Zypern wird geopolitisch wichtig für Gaspipelines, und Europa dürfte von einer größeren Energiesicherheit fernab von Russland profitieren", heißt es in dem RBS-Bericht. Sein Land könne 2019 mit dem Export beginnen und bis zu zehn Prozent des Energiebedarfs der Europäischen Union abdecken, zeigt sich der Chef des staatlichen Energieunternehmens, Charles Ellinas, sicher. "Das ist nicht völlig hypothetisch", versichert er.

"Wenn man über die nächsten Jahre hinwegsieht, schaut die Zukunft rosig aus. Nach 2020 werden wir mit der Rückzahlung unserer Schulden beginnen und vielleicht sogar einen Überschuss erwirtschaften."

Zypern benötigt 17,5 Milliarden EU-Hilfe

Zypern benötigt nach eigenen Angaben derzeit Kredite in Höhe von 17,5 Milliarden Euro. Die Summe entspricht fast der jährlichen Wirtschaftskraft der Insel. Derzeit führt die Regierung in Nikosia Gespräche mit der Europäischen Union, der Europäischen Zentralbank und dem Internationalen Währungsfonds.

Den Antrag auf Hilfe aus dem Euro-Rettungsfonds hat Zypern bereits im Juni gestellt. Er ist umstritten, weil dem Land vorgeworfen wird, nicht entschieden gegen Steuerbetrug und Schwarzgeld etwa aus Russland vorzugehen.

In den Verhandlungen mit der internationalen Geldgeber-Troika lehnte die Regierung in Nikosia zudem Reformvorschläge wie die Privatisierung von Staatsbesitz strikt ab. Euro-Zone-Diplomaten gehen davon aus, dass eine Entscheidung über Hilfen für Zypern erst nach der Wahl einer neuen Regierung im Februar zustande kommt.

Die Gasreserven sind erst einmal irrelevant: Die Rohstoffausbeute von "Europas neuem Glückskind ist eine mittel- bis langfristige Geschichte", heißt es im Bericht der Royal Bank of Scotland.

Langfristige Schätze für Zypern

Wenn weitere Probebohrungen die erfolgreichen ersten Untersuchungsergebnisse aber bestätigen, dann könnten diese das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um ein Vielfaches übersteigen. "Das langfristige Potenzial von Zypern ist sehr gut. Aber kurzfristig muss es durch Sparmaßnahmen Korrekturen vornehmen", sagt RBS-Analyst Michael Michaelides.

Erkundungen vor der Küste Zyperns durch das US-Unternehmen Noble Energy deuten auf Gasreserven von bis zu 255 Milliarden Kubikmeter hin. Noble geht davon aus, dass das Gas ab Ende 2018 kommerziell gefördert und im Jahr darauf nach Europa exportiert werden kann.

Der italienische Energieriese ENI, Total aus Frankreich und das südkoreanische Unternehmen Kogas verhandeln schon über Genehmigungen für andere Offshore-Gebiete.

Nach Schätzungen der Analystin Fiona Mullen könnten allein die aktuelle Funde jährlich Einnahmen von mindestens einer Milliarde Euro bringen. "Die Einnahmen werden ganz beträchtlich sein – wenn sie kommen. Aber ich denke, wer werden in den nächsten 15 Jahren noch keine bedeutenden Geldflüsse sehen", sagt Mullen.

Internationale Geldgeber müssten Zypern daher eher einen langen Zeitraum zur Rückzahlung der Darlehen gewähren – und nicht nur die vier geplanten Jahre.

Quelle: AFP/woz
Quelle: dapd
18.01.13 2:27 min.
Das EU-Parlament muss über eine mögliche Rettung des zyprischen Bankensektors verhandeln. Analysten der Commerzbank sind zuversichtlich, dass es ein Hilfsprogramm geben wird.
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