22.01.13

SPD-Wahlkampf

Gabriel – "Steinbrück muss bleiben, wie er ist"

Der SPD-Vorsitzende sagt, Peer Steinbrücks Kanzlerkandidatur habe nie zur Debatte gestanden. Auch erklärt Sigmar Gabriel die Kanzlerin zur FDP-Chefin und kündigt einen Tür-zu-Tür-Wahlkampf im Bund an.

Foto: dpa

Am Kanzlerkandidaten wird nicht gerüttelt: SPD-Chef Sigmar Gabriel (r.) attestiert Peer Steinbrück eine „gewisse Lernbereitschaft“ (Archivfoto)
Am Kanzlerkandidaten wird nicht gerüttelt: SPD-Chef Sigmar Gabriel (r.) attestiert Peer Steinbrück eine "gewisse Lernbereitschaft" (Archivfoto)

SPD-Chef Sigmar Gabriel hat betont, dass Peer Steinbrück auch im Fall eines schlechten Abschneidens der SPD bei der Landtagswahl in Niedersachsen Kanzlerkandidat geblieben wäre. "Es stand nie zur Debatte, dass er geht", sagte Gabriel. "Er hat keine silbernen Löffel geklaut und auch nichts Dramatisches gesagt."

Der SPD-Vorsitzende sagte, es habe bei der Niedersachsen-Wahl keinen Steinbrück-"Malus" gegeben. Der Vorteil des Kanzlerkandidaten sei, dass er die soziale Kompetenz, die den Sozialdemokraten ohnehin zugeschrieben werde, durch ökonomische Kompetenz ergänze.

Steinbrück "muss so bleiben, wie er ist", betonte Gabriel. Deshalb sei er zum Herausforderer der Kanzlerin gekürt worden. Zugleich bescheinigte Gabriel dem 66-Jährigen eine "gewisse Lernbereitschaft". Steinbrück war wegen seiner hohen Vortragshonorare und ungeschickter Äußerungen, etwa zur Höhe des Kanzlergehalts, in die Kritik geraten.

"Ich will ja kein Restaurant aufmachen"

Er versicherte, Steinbrück sei kein Kandidat, der nur die Belle Etage vertrete. Das zeige allein schon sein Einsatz für eine Mietpreisbremse. Zudem sei schon der Gründer der deutschen Sozialdemokratie, Ferdinand Lassalle, ein vermögender Mann gewesen.

Es gebe nach den jüngsten Debatten auch kein Einmauern des Kandidaten. Die SPD und Steinbrück hätten den "gleichen Herzschlag". Im Falle eines rot-grünen Sieges werde man den Grünen auf Augenhöhe begegnen.

Altkanzler Gerhard Schröder hatte seine SPD einst als Koch und die Grünen als Kellner in der rot-grünen Koalition definiert. Gabriel hält von solchen Debatten heute nichts mehr: "Ich will ja kein Restaurant aufmachen."

Scharfe Attacke gegen die Liberalen

Die SPD gerate im Gegensatz zur FDP nicht gleich beim ersten Gegenwind in Panik. "Wir sind eine hoch geschlossene Partei – inhaltlich wie personell", betonte Gabriel.

Die Liberalen seien eine machtlose Partei. "Angela Merkel ist die FDP-Vorsitzende", sagte der Parteivorsitzende. Die Kanzlerin und CDU-Vorsitzende bestimme den Takt beim Koalitionspartner.

"Die leben nur durch Fremdblutzufuhr", meinte Gabriel mit Blick auf die rund 100.000 CDU-Leihstimmen bei der niedersächsischen Landtagswahl. "Mal gibt's ein bisschen Blut, mal nicht." Mit Blick auf die neue Aufgabenverteilung zwischen Parteichef Philipp Rösler und Fraktionschef Rainer Brüderle sagte Gabriel: "Das sind nur noch Ränkespiele, die da stattfinden."

Gabriel kündigt Wahlkampf von unten an

Vor der Bundestagswahl im September will die SPD auch auf einen Tür-zu-Tür-Wahlkampf setzen. Man müsse Wahlkampf von unten, aus Sicht der Bürger machen. Besonders enttäuschte Nichtwähler wolle die SPD durch den persönlichen Kontakt für sich gewinnen.

"Das ist ein völlig offenes Rennen", betonte Gabriel nach dem rot-grünen Erfolg in Niedersachsen mit Blick auf die Bundestagswahl.

Quelle: AFP/dpa/jw
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