22.01.13

Hartmut Möllring

Schwarz-Gelb scheiterte am einstigen Wulff-Freund

Hartmut Möllring (CDU), einst prominenter Fürsprecher von Christian Wulff, wollte in Niedersachsen den Weg für einen Jüngeren frei machen – und sorgte so dafür, dass Rot-Grün der Machtwechsel gelang.

Von Ulrich Exner
Foto: pa/dpa
Klausurtagung der niedersächsischen Landesregierung
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff und sein Finanzminister Hartmut Möllring (l.) bei einer Klausurtagung im Januar 2010

Am Ende, als alle Scherben zusammen gekehrt waren in Niedersachsen, war die Schuldfrage geklärt: Hartmut Möllring, seit zehn Jahren Finanzminister in Niedersachsen, trägt die Verantwortung für die knappe Wahlniederlage der CDU und am Sturz David McAllisters.

So konnte man das jedenfalls rechnen bei den Christdemokraten. 334 Erststimmen, die der landesweit bekannte Minister womöglich mehr hätte gewinnen könne als sein weithin unbekannter Nachfolger als Landtagskandidat Frank Thomas Wodsack.

Möllring. Ausgerechnet Möllring

334 Stimmen, die Frank Thomas Wodsack fehlten gegenüber seinem SPD-Konkurrenten Bernd Lynak. So fiel der Wahlkreis Hildesheim Land an die Sozialdemokraten. Wäre er an die CDU gefallen, das rechnete der Leiter der Forschungsgruppe Wahlen, Matthias Jung, am Montag vor, hätte Schwarz-Gelb statt Rot-Grün die Mehrheit im Landtag von Hannover gehabt. Die Union hätte dann das Direktmandat bekommen, die FDP dazu ein zusätzliches Überhangmandat. Und schon hätte alles auf dem Kopf gestanden in Hannover.

So knapp kann es zugehen. So entscheidend kann es sein, wenn der eine Politiker abtritt und ein anderer folgt.

Möllring. Ausgerechnet Möllring also hätte es in der Hand gehabt. Der langjährige Weggefährte des früheren niedersächsischen Ministerpräsidenten Christian Wulff hatte frühzeitig bekannt gegeben, dem nächsten Landtag nicht mehr angehören zu wollen. Zehn Jahre war er Finanzminister gewesen. Seit 1990 schon hatte er dem Landtag angehört.

McAllister den Rücken frei gehalten

Vor einem Jahr hatte Möllring sich erst mächtig in die Bresche geworfen für Christian Wulff, hatte sich angesichts der andauernden Vorwürfe gegen den damaligen Bundespräsidenten immer wieder abgestimmt mit dem Schloss Bellevue – und war am Ende enttäuscht, dass man auch ihm nicht immer die vollständige Wahrheit gesagt hatte. So musste der Finanzminister sich korrigieren für einige Aussagen im Landtag, zuletzt fing er sich deshalb auch noch ein Mahnung des Staatsgerichtshofs von Niedersachsen ein. Er, nicht McAllister, dem Möllring in der Wulff-Affäre, ohne mit der Wimper zu zucken, den Rücken freigehalten hat.

Der für den Christdemokraten auch persönlich enttäuschende Ablauf der Affäre Wulff war aber nicht der entscheidende Grund für seinen Rückzug. Möllring wollte einfach nur rechtzeitig gehen, statt irgendwann zu gegangen werden. Wenn nicht alles täuscht, hat er sich für diesen Schritt den falschen Zeitpunkt ausgesucht.

Pikante Fußnote dieser Geschichte: Der gescheiterte CDU-Kandidat Wodsack hatte seine Kandidatur in einer Urwahl erreicht. Gegnerin damals: Eva Möllring, die Ehefrau des Finanzministers.

Foto: Infografik Die Welt

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