20.01.13

Malu Dreyer

"Ich habe im Rollstuhl Freiheit zurückgewonnen"

Für die an Multipler Sklerose erkrankte Regierungschefin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer, war es schwer, sich an den Rollstuhl zu gewöhnen. Wolfgang Schäuble war in dieser Hinsicht ihr Vorbild.

Foto: dpa

Die neue Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), musste sich erst an den Rollstuhl gewöhnen
Die neue Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), musste sich erst an den Rollstuhl gewöhnen

Die an Multipler Sklerose erkrankte Ministerpräsidentin von Rheinland-Pfalz, Malu Dreyer (SPD), ist vor dem Rollstuhl einige Zeit zurückgeschreckt. "Es hat mich Überwindung gekostet, den Rollstuhl überhaupt zum ersten Mal zu benutzen", sagte die 51-Jährige der Zeitung "Bild am Sonntag".

Als sie längere Strecken nicht mehr zu Fuß gehen konnte, habe ihr Mann Klaus in einem Urlaub auf Lanzarote gesagt: "Komm, hier kennt uns keiner. Wir probieren das jetzt mal aus."

Dreyer berichtete, sie und ihr Mann seien mit dem geliehenen Rollstuhl den ganzen Tag am Meer unterwegs gewesen. "Ich habe gefühlt, wie ich Freiheit zurückgewinne. Im Rollstuhl", sagte sie.

Dreyer nannte den nach einem Attentat querschnittsgelähmten Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) ein großes Vorbild. "Es wird von allen akzeptiert, dass er ein sehr leistungsfähiger Minister mit großer Verantwortung ist und sich dabei ganz selbstverständlich im Rollstuhl bewegt. Damit hat er sehr viel für die Normalisierung im Umgang mit Behinderten getan", sagte sie.

Weiter kostenlose Kita-Plätze

Außerdem kündigte Dreyer an, trotz Schuldenbremse an kostenlosen Kitaplätzen in ihrem Bundesland festzuhalten. Dreyer sagte: "Bildung darf nicht vom Geldbeutel der Eltern abhängen. Die Bildungskette von der Kita bis zum Studium muss gebührenfrei bleiben."

Dies sei für ihre Regierung klar. Die Rückführung der Neuverschuldung stellte Dreyer aber nicht infrage: "Die Schuldenbremse steht in der Verfassung und wird eingehalten." Dreyer hat von ihrem Amtsvorgänger Kurt Beck einen Schuldenstand in Höhe von 33 Milliarden Euro übernommen.

Auf die Frage, welche Zugeständnisse jemand machen muss, der in der Politik an die Spitze kommen will, sagte Dreyer: "Viel arbeiten und sehr wenig Freizeit haben. Damit das alles hinhaut, muss man aber auch eine starke Familie und verlässliche Freunde haben. Und eine sehr gute Ehe führen."

"Immer noch Feministin"

Zudem bezeichnet sich Dreyer als glühende Verfechterin von Frauenrechten. "Ich bin immer noch eine Feministin", sagte sie. "Ich war, bin und bleibe sehr parteiisch für Mädchen und Frauen. Auch wenn ich gerne mit Männern zusammenarbeite, achte ich darauf, dass Frauen in meinem Umfeld nach vorne kommen und Karriere machen."

Dreyer kritisierte, dass Frauen in Deutschland heute noch immer diskriminiert würden. "Es steht in Artikel 3 des Grundgesetzes: Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Und solange in Deutschland Frauen benachteiligt sind, werde ich für Frauen kämpfen."

Quelle: dapd/dpa/fp
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