10.01.13

Rheinische Kirche

Neuer Präses fordert "Konzentration nach innen"

Manfred Rekowski wird Präses der evangelischen Kirche im Rheinland. Er gewann die Stichwahl gegen Favoritin Petra Bosse-Huber. Im Amt will er sich auf interne Probleme der Landeskirche konzentrieren.

Foto: dapd

Der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski
Der neue Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, Manfred Rekowski

In einem Wahlkrimi ist der Wuppertaler Pfarrer Manfred Rekowski zum neuen Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland gekürt worden. Der 54-Jährige setzte sich auf der Landessynode in Bad Neuenahr-Ahrweiler im dritten Wahlgang gegen seine weiblichen Mitbewerber Petra Bosse-Huber und Ellen Ueberschär durch.

Bereits unmittelbar nach der Wahl kündigte 54-Jährige eine "Neusortierung" der Landeskirche an. Rekowski tritt die Nachfolge von Präses Nikolaus Schneider an, der sich nach zehn Jahren an der Spitze der zweitgrößten Landeskirche in Deutschland in den Ruhestand verabschiedet.

Die Neubesetzung von fünf weiteren hauptamtlichen Ämtern der Kirchenleitung soll am Freitag erfolgen. Offiziell wird der 65-jährige Schneider am 3. März aus dem Amt scheiden. Er bleibt aber noch bis 2015 Ratsvorsitzender der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Kopf-an-Kopf-Rennen mit Vizepräses

Rekowski dankte der Synode für das Vertrauen in einer "sehr spannenden Wahl". Bei der Kür des neuen Kirchenoberhauptes war es zwischen ihm und Bosse-Huber zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen gekommen.

Bei der Stichwahl votierten 116 der 212 stimmberechtigten Mitglieder für Rekowski, 93 für Bosse-Huber, die das Amt des Vizepräses bekleidet.

Zuvor hatte keiner der beiden die absolute Mehrheit erreichen können. Ursprünglich hatte Bosse-Huber als Favoritin für die Schneider-Nachfolge gegolten. Kirchentags-Generalsekretärin Ueberschär war im dritten Wahlgang nicht mehr angetreten.

Rekowski will interne Probleme angehen

Der Neue an der Spitze der Landeskirche gilt als Mann für kreative Lösungen und eher als Kirchenmanager denn als politischer Mahner. Laut der rheinischen Kirche sieht Rekowski seine Aufgabe vor allem darin, die Kirchenkreise und Gemeinden in ihrer Arbeit zu unterstützen.

Als Präses habe er keinen "Masterplan", sagte er zu seiner künftigen Aufgabe. "Ich bin ein Mensch, der erst hinhört und wahrnimmt und dann Akzente setzt", beschrieb sich Rekowski, fügte jedoch an, keine Kopie seines Vorgängers sein zu wollen.

Er sei stolz, einer gut aufgestellten Kirche vorsitzen zu dürfen, betonte der Theologe. Die Landeskirche sei "auf Ballhöhe", vital und nah bei den Menschen. "Wir spüren, dass die Position der Kirchen, auch der evangelischen Kirche, stark angefragt wird", ergänzte Rekowski mit Blick auf die gesellschaftliche und politische Rolle der Institution.

"Konzentration nach innen"

Der Wahlsieger gestand ein, die Kirche stehe intern vor einer Menge an Herausforderungen, Schwierigkeiten und Problemen. Diese erforderten eine "gewisse Konzentration nach innen", damit die Kirche ihre Wirkung in der Gesellschaft entfalten könne.

So habe das Finanzdebakel beim kircheneigenen Beihilfe- und Bezügezentrum (bbz) in Bad Dürkheim zu einem Vertrauensverlust geführt, "der eine Neuaufstellung erforderlich" mache.

2011 war das bbz durch riskante Anlagegeschäfte in Finanznöte geraten. Die rheinische Kirche musste das Unternehmen mit 21,4 Millionen Euro stützen.

Beck und Kraft gratulieren

Der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck (SPD) und die SPD-Landtagsfraktion gratulierten Rekowski. "Ich bin mir sicher, dass Sie die Landeskirche auch in schwierigeren Zeiten wieder in ruhige Fahrwasser bringen", schrieb Beck.

Zugleich dankte der Mainzer Regierungschef dem bisherigen Präses Schneider für sein langjähriges Engagement und seine "mutige und offene Art".

Die nordrhein-westfälische Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) wünschte Rekowski für die anstehenden Aufgaben vor allem die nötige Schaffenskraft und Ausdauer sowie immerwährende persönliche Zuversicht. "Die Herausforderungen, vor denen die Kirche in unserer Zeit steht, sind sicherlich groß", schrieb die Düsseldorfer Regierungschefin.

Auch die Evangelische Kirche in Deutschland reagierte erfreut auf das Wahlergebnis. Rekowski kenne die Situation der Gemeinden sehr gut und habe in seinen bisherigen Funktionen Erfahrungen mit Strukturveränderungen sammeln können, beurteilte der stellvertretende EKD-Ratsvorsitzende und Landesbischof Jochen Bohl den Wuppertaler Pfarrer.

Quelle: dpa/jw
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