08.01.2013, 15:08

Innovation Helium-Festplatten speichern riesige Datenmassen

Helium-Festplatte von Western Digital

Foto: Western Digital

Helium-Festplatte von Western Digital Foto: Western Digital

Von Thomas Jüngling

Gigabyte war gestern: Neuartige Speicher bieten Platz für mehrere Terabyte an Informationen. Helium lässt Festplatten nun noch effizienter arbeiten. Dabei werden sie immer flacher und günstiger.

Für Speicher digitaler Daten ist die Luft zu dick geworden. Daher wollen Techniker der Western-Digital-Tochter HGST die Festplatten mit Helium füllen. Das Gas weist nur ein Siebtel der Dichte auf, wie sie für Luft charakteristisch ist. Der Motor, der die Platten im Speicher bewegt, braucht dadurch weniger Energie.

Außerdem lassen sich die Scheiben enger nebeneinandersetzen. In einem mit einem herkömmlichen Modell vergleichbar großen Gehäuse können die Entwickler also mehr Magnetscheiben unterbringen. Die Datenspuren rücken enger zusammen. Das Ergebnis im Optimalfall: sieben Terabyte pro Festplatte. Bisher passen nicht mehr als vier Terabyte auf eine Festplatte.

Helium in einen Speicher zu füllen, ist technisch einfach, es aber dauerhaft dort zu belassen, ist kompliziert. Sechs Jahre haben die HGST-Entwickler daran getüftelt, jetzt haben sie die Tests erfolgreich abschließen können: Das Helium bleibt sicher im Gehäuse.

Mitte 2013 sollen die Modelle auf den Markt kommen, vorerst nur als Speicher in Rechenzentren. Der Hersteller schließt jedoch einen Einsatz in PCs und später in Notebooks nicht aus. Ein weiterer Vorteil der neuen Technik: Das Laufwerk erzeugt im Betrieb vier Grad Celsius weniger Hitze als derzeit verfügbare Modelle. Dadurch muss der Speicher weniger stark gekühlt werden und verbraucht weniger Strom.

Alternativen zur Helium-Technik gibt es auch, die meisten aber sind noch weit von der Marktreife entfernt. Hersteller Seagate zum Beispiel will einen Laser einsetzen, der genau die Stelle erhitzt, an der ein Bit gespeichert werden soll.

Damit wollen sie eine zehnmal höhere Speicherdichte als bisher erreichen, mehrere Terabyte pro Festplatte wären denkbar. Andere Forscher entwickeln Polymere, die sich selbst anordnen und so Muster bilden können, die für eine bestimmte Information stehen.

Flashspeicher machen Rechner schneller

Nicht nur leistungsfähiger werden Speicher, sie stellen auch immer schneller ihre Daten zur Verfügung. Ein Grund dafür ist – unter anderem bei den neuen iMacs und bei Ultrabooks – der verstärkte Einsatz von Flashspeichern, vor allem als Ergänzung zur Festplatte. Das Betriebssystem liegt auf dem schnellen Flashspeicher, die übrigen Daten und Programme auf der Festplatte. Diese Kombination lässt den Rechner innerhalb weniger Sekunden startbereit sein.

Das könnte künftig sogar noch schneller gehen – wenn die Wissenschaftler Multiferroika besser in den Griff bekommen. Dahinter stecken spezielle Materialien, die in der Natur nicht vorkommen und die gleichzeitig magnetische wie besondere elektrische Eigenschaften aufweisen.

Diese Kombination zeigten bislang nur Stoffe in extrem kalter Umgebung. Jetzt ist dies auch bei Raumtemperatur möglich. Bei Einsatz von Multiferroika wären Rechner auf Knopfdruck einsatzbereit, da die gespeicherten Daten nach Ausschalten nicht verloren gehen, sondern stets zur Verfügung stehen.

Festplatten, die den Smartphone-Speicher vergrößern

Ein weiterer Trend bei Speichern: Sie werden nochmals flacher. Die dünnsten Festplatten für Notebooks sind sieben Millimeter flach, könnten aber schon bald auf fünf Millimeter schrumpfen. Auf externe Flashspeicher passen bereits 256 Gigabyte, und trotzdem ist das Modell Transcend ESD200 nur so klein wie eine Kreditkarte, mit einer Höhe von etwas mehr als ein Zentimeter.

Auch die kleinen USB-Sticks fassen schon 256 Gigabyte und können dadurch TV-Programme direkt vom Fernseher aufzeichnen – wenn das Gerät über den entsprechenden Anschluss verfügt. Das ist bei den neuen Modellen fast durchweg der Fall. Auch mobile Festplatten wie Verbatims "Store 'n' Go Ultra Slim" lassen sich bequem an den Fernseher stöpseln.

Selbst für Smartphones gibt es Möglichkeiten, die internen Speicher zu erweitern – über den Anschluss der in ihrer Kapazität deutlich begrenzten SD-Speicherkarten hinaus. Auf dem Markt sind externe Festplatten, die speziell den Speicher des Handys vergrößern. Kingstons WiDrive zum Beispiel bietet Platz für 128 Gigabyte Daten. Integriert ist zudem ein Router. Damit können sich mehrere Handys verbinden und auf die dort gespeicherten Daten zugreifen.

Luxusgut Speicherplatz

Trotz der Verbesserungen sind Speicher immer günstiger zu haben. Festplatten mit Platz für zwei Terabyte gibt es für weniger als 100 Euro. Flashspeicher können da noch nicht mithalten. Für diesen Preis liefern sie meist lediglich 120 Gigbayte, im Höchstfall sind es 256 Gigabyte.

Für 512 Gigabyte steigt der Preis auf mindestens 400 Euro. Bis zu einem Terabyte ist bei Flashspeichern derzeit technisch möglich, für private Nutzer sind solche Modelle jedoch kaum noch erschwinglich.

Noch nicht, denn die Preiskurve zeigt schließlich seit Jahrzehnten steil nach unten. Früher dagegen war Speicherplatz ein Luxusgut. 1989 brachte IBM zum Beispiel mit der 3390 das Königsmodell dieser Zeit auf den Markt. Der Brocken wog Dutzende Kilogramm und fasste nach heutiger Einschätzung eine lächerliche Datenmenge von 23 Gigabyte. Noch befremdlicher war der Preis: Im Handel musste man dafür 90.000 bis 275.000 Dollar berappen.

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