08.01.2013, 09:16

SPD-Kanzlerkandidat Steinbrück bot Thyssen offenbar politische Hilfe an


SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück macht wieder einmal Schlagzeilen - aber keine, die sich seine Partei wünschen kann

Foto: Sebastian Kahnert / dpa

SPD-Kanzlerkandidat Peer Steinbrück macht wieder einmal Schlagzeilen - aber keine, die sich seine Partei wünschen kann Foto: Sebastian Kahnert / dpa

Wieder kommt der SPD-Kanzlerkandidat ins Gerede: Steinbrück soll als Aufsichtsrat von ThyssenKrupp dem Konzern „politische Unterstützung“ angeboten haben. Es ging um niedrigere Strompreise.

Der Kanzlerkandidat der SPD, Peer Steinbrück, sorgt weiter für Gesprächsstoff. Allerdings nicht auf eine Art, mit der sich die Chancen für ihn und seine Partei bei der Bundestagswahl im September verbessern dürften.

Wie das "Handelsblatt" berichtet, soll Steinbrück dem Stahlkonzern ThyssenKrupp als Aufsichtsrat seine politische Hilfe für niedrigere Strompreise angeboten haben. Die Zeitung zitiert dabei aus einem Protokoll des Aufsichtsrats vom 31. Januar 2012.

Während der Sitzung habe ein Vertreter der Arbeitnehmerseite die hohen Stromkosten für deutsche Industriekunden kritisiert. Steinbrück habe laut Protokoll geäußert, "wenn aus dem Kreis des Aufsichtsrats eine Initiative ... ergriffen werde, sei er gerne zur politischen Unterstützung bereit".

Steinbrück und das Thema Geld

Als energieintensives Unternehmen würde ThyssenKrupp von einer Senkung der Strompreise erheblich profitieren. Aufsichtsratschef Gerhard Cromme nahm laut Sitzungsprotokoll Steinbrücks "Anregung gerne auf". Der Politiker war von Januar 2010 bis Ende 2012 Aufsichtsrat bei ThyssenKrupp.

Zuletzt hatte Steinbrück für Furore gesorgt, als er in einem Interview betont hatte, dass der Regierungschef in Deutschland im Vergleich zu Führungskräften in der Wirtschaft deutlich schlechter bezahlt werde. Damit habe er aber kein höheres Gehalt für den Bundeskanzler gefordert, stellte er später klar.

Zuvor war Steinbrück wegen seiner Nebeneinkünfte als Vortragsreisender ins Gerede gekommen. Obwohl ordnungsgemäß deklariert, hatten Vortragshonorare in Höhe von insgesamt über einer Million Euro zu Kritik auch aus seiner eigenen Partei geführt.

Gabriel unterstützte bislang Steinbrück

Ungeachtet der Negativschlagzeilen steht die SPD aber weiter mehrheitlich hinter Steinbrück. So hat sich erst am Montag der SPD-Vorsitzende Sigmar Gabriel ungeachtet der jüngsten Debatten und unglücklicher Äußerungen des Kanzlerkandidaten klar zu Peer Steinbrück bekannt.

"Er ist nach wie vor – wie ich finde – ein ausgezeichneter Kandidat", sagte Gabriel in Berlin. Da war allerdings von dem mutmaßlichen Lobby-Angebot Steinbrücks für Thyssen noch nichts bekannt.

(dpa/dapd/UC)
Fr, 04.01.2013, 00.17 Uhr

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