07.01.13

Marsflug-Simulation

Raumfahrer werden im All apathisch

Schlechte Beleuchtung und Monotonie: Lange Flüge ins Universum bringen die Schlafgewohnheiten der Astronauten ordentlich durcheinander. Das zeigte eine simulierte Marsmission über 520 Tage.

Von Wolfgang Jung
Foto: picture alliance / dpa

Gesunder Schlaf ist wichtig für die Leistungsfähigkeit. Wenn gerade Astronauten Probleme mit ihrem Schlach-Wach-Rhythmus bekommen, ist das ein Grund zur Sorge
Gesunder Schlaf ist wichtig für die Leistungsfähigkeit. Wenn gerade Astronauten Probleme mit ihrem Schlach-Wach-Rhythmus bekommen, ist das ein Grund zur Sorge

Raumfahrt macht träge: Lange Reisen ins Weltall können den Schlaf-Wach-Rhythmus von Astronauten massiv durcheinanderwirbeln. Das fand ein US-Forscherteam mit deutscher Beteiligung heraus.

Die Wissenschaftler untersuchten dazu die sechs Männer, die 2010/11 beim Moskauer "Mars500"-Experiment rund 17 Monate lang in einem Raumschiff-Modell einen Flug zum Mars simulierten.

Die Crew bewegte sich deutlich weniger

Die drei Russen, ein Franzose, ein Italiener und ein Chinese bewegten sich zunehmend weniger und verbrachten immer mehr Zeit mit Ausruhen und Schlafen, berichtet das Forscherteam im amerikanischen Fachjournal "PNAS".

"Ihre Schlafgewohnheiten ähnelten denen von überwinternden Polarforschern", erklärt Mitautor Mathias Basner. Gründe seien vor allem schlechte Beleuchtung sowie die große Monotonie an Bord.

Manche zeigten kritische Veränderungen

"Wir waren überrascht, wie unterschiedlich jeder einzelne auf die Simulation reagierte", sagt Basner. Zwei Männer zeigten gar "kritische" Veränderungen. "Ein Teilnehmer war nicht mehr mit dem 24-Stunden-Tag synchronisiert, sondern lebte fast einen 25-Stunden-Tag", erzählt der an der Universität von Pennsylvania tätige Forscher.

"Ein anderer Mann schlief hingegen immer weniger, im Schnitt nur etwa 6,5 Stunden pro Tag, und zeigte als einziger starke Einbußen im Aufmerksamkeitstest." Im All sei Passivität besonders gefährlich, warnt Basner.

Lethargie verstärkt Knochen- und Muskelabbau

"Hierdurch können der durch die Schwerelosigkeit bedingte Knochen- und Muskelabbau sowie die Veränderungen des Herz-Kreislauf-Systems noch verstärkt werden." Die Studie unterstreiche die Bedeutung einer richtigen Beleuchtung an Bord auf einer Weltraum-Mission. Der 41-Jährige bedauert, dass bei dem "Mars500"-Experiment die Simulation etwa von Schwerelosigkeit und Strahlung nicht möglich war.

"Das stellt sicher eine Limitation der Studie dar. Solange uns im Orbit die Internationale Raumstation ISS zur Verfügung steht, sollten wir sie unbedingt zur Untersuchung der Langzeitfolgen von Isolation und Schwerelosigkeit auf den Menschen nutzen", so Basner, der beim Institut für Luft- und Raumfahrtmedizin DLR in Köln gearbeitet hat.

Der Deutsche Oliver Knickel, der 2009 in Moskau im selben Raumschiff-Nachbau für ein ähnliches Experiment 105 Tage lang mit fünf Männern isoliert war, bestätigte die Erkenntnisse der Studie. "Wir haben damals – vermutlich aus Reizarmut und Zeitüberfluss – definitiv mehr geschlafen haben als sonst", sagt Knickel. "Manchmal war das die reinste Schlaf-Farm."

Quelle: dpa/fj
Quelle: dapd
08.01.13 0:44 min.
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