07.01.13

CES-Start

Die Elektronik-Industrie steht vor einer Zeitenwende

Kurz vor dem Start der wichtigen Branchenmesse CES in Las Vegas wird klar, dass die Technikwelt vor einem gewaltigem Umbruch steht. Die klassische PC-Industrie verliert rasend schnell an Bedeutung.

Foto: dpa

Startschuss für die CES in Las Vegas. Ein heißes Thema: ein sogenannter Ultra-High-Definition-Fernseher von LG. Er übertrifft die Auflösung heutiger HD-Geräte um das Vierfache.

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Auf keiner Messe werden so viele Neuheiten vorgestellt wie auf der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas. Wenn die Elektronikindustrie in der Spielemetropole Nevadas vom 8. bis 11. Januar zusammenkommt, dreht sich alles um die Welt der Smartphones, Tablets, Fernseher, Lautsprecher, Autos mit Internetanschluss, Spielkonsolen und Kameras.

3000 Aussteller zeigen etwa 20.000 Neuheiten auf 170.000 Quadratmeter Fläche, was für die Leitmesse der Industrie ein neuer Spitzenwert ist. Die Veranstalter rechnen mit 150.000 Besuchern.

Trotz aller Rekordmeldungen im Vorfeld steht die CES vor schwierigen Zeiten. Wichtige Aussteller wie Microsoft, Apple oder Amazon sind auf der Messe gar nicht vertreten, obwohl sie den Takt der digitalen Technikwelt angeben.

Microsoft-Chef Steve Ballmer hatte im vergangenen Jahr zum letzten Mal die Auftaktrede der Show gehalten – und damit eine jahrelange Tradition beendet. Insbesondere die Keynotes des Microsoft-Gründers Bill Gates gehörten lange Zeit zu den Highlights der Messe zum Jahresauftakt.

Geräte verschwinden oft schnell von der Bildfläche

Zwar zeigen die Hersteller in Las Vegas immer noch ihre neuesten Geräte, von denen viele später auf der Mobilfunkmesse in Barcelona und der Internationalen Funkausstellung (Ifa) in Berlin wieder auftauchen. Doch viele der Gadgets verschwinden so schnell wieder, wie sie gekommen sind. Zunehmend wählen Hersteller eigene Präsentationsveranstaltungen, um ihre neuesten Geräte zu zeigen.

Apple macht dies schon lange – und beherrscht doch immer wieder Großveranstaltungen, ohne vor Ort zu sein. Auch auf der CES tummelt sich eine Vielzahl kleiner Hersteller, die sich von Stativen über Taschen bis hin zu externen Batterien allerlei Zubehör für iPhones und iPads ausgedacht haben.

Auch Google wählt für seine Präsentationen inzwischen den eigenen Takt. Microsoft hat seinen CES-Rückzug im vergangenen Jahr sogar offen damit begründet. Es sei schwierig, den Zeitplan für Produktneuheiten auf den Termin Anfang Januar abzustimmen.

Das Unternehmen wolle selbst wählen, wann es seine Produkte präsentiere. Und sogar Research in Motion (RIM) will seine neuen Handys lieber Ende Januar in New York zeigen als nun in Las Vegas.

Natürlich gibt es in der Wüstenstadt Nevadas wieder Spektakuläres zu sehen, darunter Fernseher, die die Auflösung heutiger HD-Geräte um das Vierfache übertreffen. Oder Autos, die Teil des Internets sind, und von alleine fahren. Samsung, so heißt es, zeigt möglicherweise ein Display, das sich biegen lässt.

Und wieder gibt es unzählige Tablets oder ultraflache Notebooks, deren Displays sich schieben, drehen oder gleich abnehmen lassen. Viele der Geräte reagieren nicht mehr nur auf Fingerdruck, man kann ihnen Befehle zurufen.

Qualcomm ist wertvoller als Intel

Die Consumer Electronics Show ist aber auch ein wichtiger Gradmesser für die Industrie. Es ist kein Zufall, dass die traditionelle Auftaktrede am Vorabend der Messe in diesem Jahr von Qualcomm-Chef Paul Jacobs gehalten wird.

Qualcomm ist der größte Hersteller der Strom sparenden Chips, die auf den Entwürfen des britischen Chipdesigners ARM basieren. In mehr als 90 Prozent aller mobilen Geräte arbeiten diese ARM-Prozessoren. Intel dominiert zwar die Computer, auf den Tablets und Smartphones aber hat das Unternehmen nach wie vor nichts zu melden.

Das hinterlässt Spuren: Qualcomm ist an der Börse bereits mehr wert als der Chipgigant Intel – und damit das wertvollste Halbleiterunternehmen der Welt.

Der klassische Computer verliert an Bedeutung

Tatsächlich steht die Industrie vor einer Zeitenwende. Während die Hersteller immer mehr Tablets und Smartphones verkaufen, geht das Geschäft mit den klassischen Computern zurück.

"Der Übergang vom PC zum Tablet läuft schneller, als wir gedacht haben", sagt Gartner-Analyst Richard Gordon.

Zwar hat Intel auf der CES vor einem Jahr mit viel Getöse das Zeitalter der flachen Ultrabooks ausgerufen. Doch die Absatzzahlen sind enttäuschend, nicht zuletzt, weil die Geräte zu teuer sind und Verbraucher lieber zu Tablets greifen, die schnell immer billiger werden.

Der taiwanische Hersteller Acer will in Las Vegas einen solchen iPad-Konkurrenten für 99 Dollar vorstellen.

Und auch die Hoffnung der Computerbauer auf das neue Microsoft-Betriebssystem Windows 8 hat sich nicht erfüllt. Die Software hat es nicht geschafft, den Markt zu beleben. Obwohl das System so günstig angeboten wird wie nie zuvor, wird Windows 8 längst nicht so schnell angenommen wie die Vorgänger, hat zuletzt die Webanalyse-Firma Webtrekk festgestellt.

Auch die Analyse-Spezialisten von Net Applications kommen zu ähnlichen Ergebnissen. Demnach lief das neue Microsoft-System im Dezember gerade einmal auf 1,72 Prozent der Personal Computer. Drei Jahre zuvor waren es bei Windows 7 schon fast sechs Prozent gewesen.

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