06.01.13

"Batman"-Killer

Wärter retteten James Holmes vor sich selbst

Ein 20-jähriger US-Student hatte 2012 in einem Kino zwölf Menschen erschossen, nun wird ihm der Prozess gemacht. Im Gefängnis hatte James Holmes versucht, sich Verletzungen zuzufügen.

Foto: dapd

So präsentierte sich James Holmes bei einer ersten Gerichtsanhörung im Juli 2012. Mittlerweile trägt er die Haare nicht mehr gefärbt und stattdessen kurz geschoren, heißt es in US-Medien
So präsentierte sich James Holmes bei einer ersten Gerichtsanhörung im Juli 2012. Mittlerweile trägt er die Haare nicht mehr gefärbt und stattdessen kurz geschoren, heißt es in US-Medien

Knapp drei Wochen nach dem Schulmassaker von Newtown (Connecticut) rückt ein fast schon vergessener Amoklauf in den USA erneut in die Schlagzeilen. Ab dem morgigen Montag steht James Holmes in Denver (Colorado) vor Gericht.

Der 20-jährige Student hatte am 20. Juli 2012 in Aurora, einem Vorort von Denver, in einem Multiplex-Kino während der Mitternachtspremiere des Batman-Films "The Dark Knight Rises" ein Blutbad angerichtet. Insgesamt zwölf Menschen starben, 58 wurden zum Teil schwer verletzt. Holmes erinnerte einige Betrachter mit seinen gefärbten Haaren an den "Joker", Batmans Gegenspieler.

Wird es eine Hauptverhandlung geben?

Der Vorprozess gegen ihn ist auf eine Woche angesetzt, er ist für den weiteren Verlauf der Gerichtsverhandlungen entscheidend

Die Staatsanwaltschaft, die insgesamt 166 Anklagepunkte vorlegen will, darunter Mord in zwölf und Mordversuch in mindestens 58 Fällen, muss zwingende Beweise vorlegen, damit der Vorsitzende Richter William B. Sylvester dann den Hauptprozess eröffnen kann.

Bei den Anhörungen wird die Öffentlichkeit zum ersten Mal Einzelheiten über die Tat anhand von Zeugenaussagen, Notrufmitschnitten und Videoaufzeichnungen aus dem Kino und während der Amoklaufes erfahren.

Überlebende, Hunderte Angehörige der Opfer und Journalisten aus aller Welt werden deshalb erwartet. Die Verhandlungen werden im größten Gerichtssaal mit 100 Plätzen stattfinden und per Liveübertragung in einen anderen Raum des Gerichtsgebäudes mit weiteren 300 Sitzen übertragen.

Keine roten Haare mehr

Viele Details der Tragödie, die auch auf ein mögliches Motiv des Amokschützen Holmes schließen könnten, standen bisher per Gerichtsanordnung unter Verschluss.

Der Neurologie-Student an der Universität von Denver, der heute wieder braune Haare und einen Vollbart trägt, soll unter bipolaren Störungen leiden. Im November war er in seiner Zelle mehrfach mit dem Kopf gegen die Wand gerannt und musste von den Wärtern vor weiteren Verletzungen geschützt werden.

Wie die Polizei ermittelte, muss Holmes den Amoklauf bereits Monate vor der Tat geplant haben. Die drei Waffen, ein halb automatisches Sturmgewehr vom Typ M-16, ein Jagdgewehr sowie eine Pistole, Kaliber .40 und mehr als 6350 Schuss Munition, hatte er legal über das Internet gekauft.

In Colorado, wo der Kauf einer Waffe sehr einfach ist, wird jeder neue Waffenbesitzer zwar von einer FBI-Behörde überprüft. Der sogenannte Background Check kann aber im Waffenladen telefonisch gemacht werden und dauert meist nur wenige Minuten.

"Menschen töten"

Erste Anzeichen eines möglichen Amoklaufes gab es im März 2012, als Holmes gegenüber einem Kommilitonen gesagt haben soll, dass er "Menschen töte wolle".

Im Juni fiel Holmes dann durch eine Uni-Prüfung und drohte seinem Professor mit Vergeltung. Am Tag danach behandelte ihn die Uni-Psychologin und unterrichtete die Campus-Polizei von einer möglichen Bedrohung. Der Alarm blieb ohne Folgen. Einen Monat später wurden die Befürchtungen blutige Realität.

Die Verteidigung hat angekündigt, Holmes wegen schwerer psychischer Probleme für unzurechnungsfähig zu erklären. Folgt das Gericht dieser Argumentation, wäre eine Forderung der Staatsanwaltschaft nach der Todesstrafe kaum zu halten.

Gerichtsexperten glauben ohnehin, dass sich Holmes für schuldig bekennen wird und Verteidigung und Staatsanwaltschaft einen sogenannten Deal, eine lebenslange Gefängnisstrafe, aushandeln könnten. In diesem Fall würde es zu keiner Hauptverhandlung mehr kommen.

Erste Details der neuen Waffengesetzgebung diskutiert

Das Massaker von Aurora, wo es am vergangenen Samstag erneut zu einem Amoklauf mit vier Toten kam, hatte inmitten des Präsidentschaftswahlkampfs eine heftige Diskussion über eine Verschärfung der US-Waffengesetze ausgelöst.

Präsident Obama und Herausforderer Mitt Romney zeigten sich von der Tat entsetzt, hielten sich während des Wahlkampfes aber aus Angst vor der mächtigen Waffenlobby, der National Rifle Association (NRA), aus der Diskussion heraus.

Die Forderung nach einer Verschärfung der Waffengesetze bekam erst durch den Newtown-Amoklauf an der Sandy-Hook-Grundschule mit 20 toten Kindern und fünf toten Lehrern neuen Auftrieb. Präsident Obama hat seinen Vize Joe Biden beauftragt, bis Ende März eine Gesetzesinitiative vorzulegen. Laut der "Washington Post" könnten die Einschnitte so ausfallen: Geprüft werden demnach Hintergrund-Checks bei allen Waffenkäufern.

Wer innerhalb der USA künftig Waffen verkaufen will, soll ebenfalls registriert werden. Härtere Strafen als bisher seien zudem für das unerlaubte Waffentragen oder die Weitergabe von Schusswaffen an Minderjährige geplant, so das Blatt weiter.

Was wird mit dem Kino?

Während in dieser Woche das Gericht über das Schicksal von James Holmes entscheiden wird, kündigten die Betreiber des Kinos an, den Betrieb am 17. Januar wieder aufzunehmen.

Sie luden zur Eröffnung Angehörige und Familien der Opfer bereits kurz nach Weihnachten zu einem "Abend des Gedenkens" mit anschließender Filmvorführung ein – zu welchem Film, ist nicht bekannt.

Die Betroffenen reagierten empört auf die Einladungen. "Ich möchte am liebsten, dass der ganze Komplex abgerissen wird und endgültig verschwindet", sagte Sandy Philipps, deren Tochter Jessica Ghawi bei dem Anschlag getötet wurde. "Dieser Platz ist ein Schlachtfeld voller Toter."

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